Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Arbeitsmarkt im Wandel?

27.09.2004


Studie aus dem Institut Arbeit und Technik untersucht Arbeitsmarktmobilität und Beschäftigungsstabilität im Zeitverlauf



Das Berufsleben scheint in den letzten Jahrzehnten immer turbulenter und unsicherer geworden zu sein. Statt der "Lebensstellung" von der Lehre bis zur Rente in einem krisensicheren Großbetrieb eile heute der flexible "Arbeitskraftunternehmer" von befristetem Job zum nächsten Projekt, lautet die These. Diese Vorstellungen stimmen allerdings nicht mit der Wirklichkeit überein, wie eine soeben erschienene Studie aus dem Institut Arbeit und Technik /Wissenschaftszentrum NRW (IAT/Gelsenkirchen) zeigt. Wie Dr. Marcel Erlinghagen anhand theoretischer Überlegungen und empirischer Ergebnisse deutlich macht, lässt sich in der Vergangenheit keine fundamentale Beschleunigung des Arbeitmarktgeschehens nachweisen. Er bezweifelt auch, dass dem ultraflexiblen "Arbeitskraftunternehmer" tatsächlich die Zukunft gehört.



Die Veröffentlichung basiert auf einer Dissertation, die in enger Anbindung an das von Erlinghagen am IAT bearbeitete DFG-Projekt "Restrukturierung des Arbeitsmarktes" entstand und 2003 an der Universität Duisburg/ Essen eingereicht wurde. "Unbestreitbar haben in den vergangenen Jahrzehnten fundamentale Veränderungen stattgefunden. Jedoch ist weitgehend unklar, wie diese Veränderungen auf das Arbeitsmarktgeschehen gewirkt haben", so Dr. Erlinghagen. Ausgehend von einer umfassenden theoretischen Auseinandersetzung u. a. mit dem Begriff der Arbeitsmarktflexibilität wird ein neues Arbeitsmarktschema entwickelt, auf dessen Basis die im Zuge des Übergangs zur Dienstleistungsgesellschaft veränderten Rahmenbedingungen nachgezeichnet werden können. Anhand der Indikatoren "Arbeitsmarktmobilität" und "Beschäftigungsstabilität" wird überprüft, ob die Fluktuation von Beschäftigten im Zeitablauf tatsächlich zugenommen hat und die Bindungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern wirklich brüchiger und instabiler geworden ist.

Letztlich wird durch die vorgenommenen Analysen keine der Thesen bestätigt. Auch scheint Skepsis gegenüber dem Argument einer umfassenden "Erstarrung" des Arbeitsmarktes angebracht, meint Erlinghagen. Stattdessen zeichne sich im Übergang zur Dienstleistungsgesellschaft vielmehr ein Restrukturierungsprozess ab, der insgesamt zu einer Stabilisierung von Beschäftigungsverhältnissen geführt hat, wenngleich es jenseits dieser generellen Entwicklung auch Gewinner und Verlierer gab. Dieser anhaltende Restrukturierungsprozess ist gestaltbar, wie Dr. Erlinghagen zeigt, so dass sich politische Konsequenzen ergeben für eine verstärkte Qualifizierung, die bessere Vereinbarkeit von Erwerbs- und Eigenarbeit und die Bewahrung der sozialen Sicherungssysteme. "Eine angepasste Regulierung des Arbeitsmarktes wird auch in Zukunft notwendige Voraussetzung sein, um sowohl den gesellschaftlichen Wohlstand weiter zu vergrößern als auch soziale Gerechtigkeit zu garantieren".

Dr. Marcel Erlinghagen arbeitet als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut Arbeit und Technik (IAT) in Gelsenkirchen sowie an der Fakultät für Sozialwissenschaft der Ruhr-Universität Bochum.

Erlinghagen, Marcel: Die Restrukturierung des Arbeitsmarktes - Arbeitsmarktmobilität und Beschäftigungsstabilität im Zeitverlauf, VS Verlag für Sozialwissenschaften 2004. 312 S. Mit 54 Abb. u. 20 Tab. 17 x 24 cm Br., ISBN: 3-531-14292-5, EUR: 34,90

Weitere Informationen: Dr. Marcel Erlinghagen, Tel. 0209/1707-342

Claudia Braczko | idw
Weitere Informationen:
http://iat-info.iatge.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave
02.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT

nachricht Europaweite Studie zu Antibiotikaresistenzen in Krankenhäusern
18.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie