Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Geisteskrankheit weltweit zu wenig behandelt

02.06.2004


Über 60.000 Menschen in 14 Ländern untersucht


Eine weltweit angelegte Studie über Geisteskrankheiten ist zu dem Resultat gekommen, dass Geisteskrankheit weit verbreitet ist und zu wenig behandelt wird. Die Studie wurde von der Weltgesundheitsorganisation WHO gemeinsam mit der Harvard Medical School durchgeführt. Die Ergebnisse wurden im Journal of the American Medical Association veröffentlicht, berichtet die New York Times (NYT) in ihrer Mittwochsausgabe.

Untersucht wurden insgesamt 14 Staaten, acht reiche wie die USA, Deutschland oder Japan und sechs ärmere oder arme wie Kolumbien, Nigeria oder China. Der wirtschaftliche Status der Länder wurde in der Studie miteinbezogen. 60.643 Interviews mit Erwachsenen wurden durchgeführt, von denen jedes 90 Minuten dauerte. Es wurde nach vielen Arten mentaler Krankheiten wie zum Beispiel Depression, Drogenmissbrauch, Platzangst, Bulimie oder Panikattacken gefragt.


Es stellte sich heraus, dass bis zu fünf Prozent der Bevölkerung der meisten Staaten schwerwiegende Geisteserkrankungen aufweisen. Zwischen neun und 17 Prozent der Befragten gaben an, im Vorjahr ein mehr oder weniger schwerwiegendes geistiges Problem gehabt zu haben.

Weltweit gesehen fehlen Menschen aufgrund von Geisteskrankheit genauso oft am Arbeitsplatz wie Menschen, die einen Herzinfarkt erleiden oder an Krebs erkranken, heißt es in der Studie. "Das Ausmaß der Beeinträchtigung der Menschen durch geistige Krankheiten hat uns verwundert: mehr als einen Monat war es den betroffenen Befragten nicht möglich, zur Arbeit zu kommen", sagte Ronald C. Kessler, Hauptautor der Studie.

In armen Ländern wurden 80 Prozent der Fälle nicht behandelt, auch wird dort anders mit dem Problem umgegangen. So geben Frauen in Nigeria nicht an, selbst von Geisteskrankheit betroffen zu sein, erwähnen jedoch, dass ihre Mütter daran gelitten haben. Im Chinesischen gibt es kein eigenes Wort für Depression, es wird das Wort Traurigkeit verwendet.

In reichen Ländern wurden zwischen 35 und 50 Prozent der Fälle nicht behandelt. Es wurden sowohl Behandlungen durch Psychologen, Psychiater, praktische Ärzte, aber auch durch Geistliche, Schamanen und Kräuterheiler berücksichtigt.

Die Ergebnisse früherer Studien waren wenig aussagekräftig. Kessler gibt jedoch zu, dass auch die Methodik der Studie noch verbessert werden muss. So kommt die Studie zum Schluss, dass 26 Prozent der US-Amerikaner, jedoch nur vier Prozent der Chinesen und fünf Prozent der Nigerianer unter Geisteskrankheiten leiden. Ein anderes Beispiel ist der Alkoholkonsum: Niederländer sind laut Studienergebnissen 30 Mal häufiger von Alkoholproblemen betroffen als Italiener und vier Mal häufiger als Franzosen.

18 Prozent der US-Amerikaner, zwölf Prozent der Franzosen und zehn Prozent der Kolumbianer leiden an Angstzuständen, in Nigeria und China sind es nur drei Prozent der Bevölkerung. "Man gewinnt den Eindruck, dass Nigeria das Paradies ist, aber ich weiß, dass es dort Flüchtlingslager gibt, wo Menschen Zuflucht suchen, die aufgrund ethnischer Gewalt an posttraumatischem Stresssyndrom leiden", ergänzte Kessler in der NYT.

Verena Erhart | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.who.int
http://www.med.harvard.edu
http://jama.ama-assn.org

Weitere Berichte zu: Depression Geisteskrankheit NYT US-Amerikaner

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave
02.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT

nachricht Europaweite Studie zu Antibiotikaresistenzen in Krankenhäusern
18.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie