Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die Wege zu mehr Freiheit und Wohlstand werden berechenbar

07.05.2004


"Bertelsmann Transformation Index" analysiert erstmals weltweit Transformationspro­zesse - Spitzenreiter bei der Gestaltung des Wandels sind Estland, Litauen, Chile, Botswana und Mali - Entscheidend sind die Managementleistungen der politischen Eliten



Zahlreiche Staaten in allen Erdteilen haben in den vergangenen Jah­ren erhebliche Fortschritte auf dem Weg zu Demokratie und sozial verantwortlicher Markt­wirtschaft erzielt. Gleichzeitig aber verweigern in einer kleiner werdenden Gruppe von Län­dern autoritäre Regime jeden Ansatz zu politischen und ökonomischen Reformen. Über Er­folg und Scheitern von gesellschaftlichem Wandel entscheidet das politische Management. Dies ist das Ergebnis des ersten globalen Transformationsrankings, das die Bertelsmann Stif­tung heute in Berlin vorstellt.

... mehr zu:
»BTI »Elite »Mali »Transformation


Von den 116 analysierten Staaten werden in dem neuen Ranking 71 als Demokratien einge­stuft, sechs mehr als im Jahr 1998. 31 von ihnen erhöhten in den vergangenen fünf Jahren die Qualität und Stabilität der Demokratie. Herausragende Verbesserungen auf dem Weg zur Demokratie erzielten in den vergangenen Jahren Kroatien, Mali, die Slowakei, Taiwan und die Türkei.

Auch bei der marktwirtschaftlichen Transformation waren in zahlreichen Staaten positive Entwicklungen zu erkennen. Besonders bemerkenswert sind dabei die Fortschritte aller EU-Beitrittskandidaten, angeführt von Ungarn, Litauen und der Slowakei. Zur Spitzengruppe zählen aber auch viele nichteuropäische Staaten wie Chile, Südkorea, Taiwan und Singapur. Bestätigt hat die Analyse nach Ansicht der Bertelsmann Stiftung den Zusammenhang von demokratischer und marktwirtschaftlicher Entwicklung: Bemühungen um marktwirtschaftli­che Effizienzsteigerung stoßen in autoritären politischen Systemen an enge Grenzen. Umge­kehrt benötigen stabile Demokratien eine solide marktwirtschaftliche Basis.

Eine gelungene Transformation zu Demokratie und Marktwirtschaft ist nach Einschätzung der Bertelsmann Stiftung nicht allein auf glückliche Umstände oder globale Strukturprozesse zu­rückzuführen, sondern das Resultat strategischer politischer Steuerung. "Die Ergebnisse des BTI belegen", so Professor Werner Weidenfeld, Präsidiumsmitglied der Stiftung, "dass der erfolgreiche Wandel nur durch kluges politisches Management zu erreichen ist. Wenn die politische Elite zielsicher und effektiv Reformprozesse verfolgt und alle Entwicklungspoten­ziale optimal nutzt, kann der erfolgreiche Umbau selbst unter schwierigen Rahmenbedingun­gen gelingen."

In zehn Staaten sei diese Managementleistung besonders deutlich sichtbar geworden. Neben vier der neuen EU-Mitgliedstaaten gehören zu dieser Gruppe Chile, Mali, Botswana, Uru­guay, Südkorea und Costa Rica. Die Regierungen dieser Länder agierten höchst gestaltungs­fähig und zielsicher, nutzten ihre Ressourcen effektiv, stützten ihre Reformpolitik auf einen breiten gesellschaftlichen Konsens und demonstrierten große Kooperationsfähigkeit auf internationaler Ebene. Im Vergleich dazu zeigten die Beispiele Venezuela oder Argentinien, wie politische Eliten die Zukunftsfähigkeit ihrer Länder aufs Spiel setzen, wenn sie trotz relativ guter Voraussetzungen nicht willens oder unfähig sind, langfristig und strategisch zu planen. In gut einem Fünftel der untersuchten Länder werden Reformbemühungen systematisch ver­hindert. Hierzu gehören Kuba, Nordkorea, Turkmenistan oder Simbabwe.

Insgesamt 45 der 116 untersuchten Staaten werden weiterhin von autoritären Regimen be­herrscht. Das Spektrum reicht hierbei von gemäßigten Autokratien, in denen Elemente politi­scher Partizipation und Rechtsstaatlichkeit existieren, über Modernisierungsdiktaturen bis zu tyrannischen Herrschaftssystemen. Ihr Beharrungsvermögen bleibt außerordentlich groß. Le­diglich in acht Staaten war eine spürbare Ausweitung der politischen und bürgerlichen Frei­heitsrechte festzustellen, allen voran im Golfstaat Bahrain, daneben auch in Afghanistan, Algerien, Angola, Iran, Marokko, Somalia und Tadschikistan. Dramatische Rückschritte gab es etwa in der Demokratischen Republik Kongo, der Zentralafrikanischen Republik und Sim­babwe, wo Staatszerfall oder Missmanagement die gesellschaftlichen Zukunftschancen weiter verringerten. In einigen Staaten wie Singapur, China, Malaysia und Vietnam haben sich - nur im ökonomischen Bereich und mit unterschiedlicher Zielstrebigkeit - wandlungsbereite Eliten durchgesetzt, deren politisches Kalkül nicht allein von Machterhalt und Eigennutz geprägt ist.

Das Ziel des BTI ist die systematische Aufbereitung von Transformationswissen durch ob­jektive und weltweit vergleichbare Daten. "Die Analyse dieser Vergleichsdaten erlaubt es, erfolgreiche Strategien des Wandels zu entwickeln und Fehler zu vermeiden", erläutert Pro­fessor Werner Weidenfeld. "Wir schaffen damit Orientierung für Reformkräfte in vielen Län­dern, aber auch für Unterstützer von außen, die diese Prozesse effizient und zielgerecht begleiten wollen." Politische Entscheidungsträger können den BTI somit als Indikator ihrer Erfolge und zur Entdeckung ungenutzter Chancen einsetzen. Der Bertelsmann Transformation Index soll zukünftig im Abstand von zwei Jahren erstellt werden.

Der erstmals vorgelegte Index ist das Ergebnis einer insgesamt achtjährigen Vorarbeit. Ge­meinsam mit dem Centrum für angewandte Politikforschung (CAP) wurde seit 1996 die kon­zeptionelle Basis entwickelt. Dem BTI-Board gehören zahlreiche Transformations- und Ent­wicklungsexperten an. Der numerischen Bewertung des Ranking liegen detaillierte Länder­gutachten zugrunde, die von ausgewiesenen Experten anhand zahlreicher Indikatoren erstellt wurden. Zweitgutachter kommentierten die Analysen und nahmen eine weitere, unabhängige Bewertung vor. Die Ergebnisse wurden abschließend innerhalb einzelner Regionen und im weltweiten Vergleich überprüft. Der Bertelsmann Transformation Index unterscheidet sich von anderen vergleichbaren Analysen durch die klare Fokussierung auf die Managementleis­tung der politischen Entscheidungsträger.


Rückfragen an: Sabine Donner, Telefon: 0 52 41 / 81-81 501
sabine.donner@bertelsmann.de

Hauke Hartmann, Telefon: 0 52 41 / 81-81 389
hauke.hartmann@bertelsmann.de


Die Gesamt- und Detailergebnisse des BTI sind im Internet abrufbar unter: www.bertelsmann-transformation-index.de.

Ausführlich vorgestellt werden sie darüber hinaus in der Publikation "Auf dem Weg zur marktwirtschaftlichen Demokratie: Bertelsmann Transformation Index 2003" (Verlag Bertelsmann Stiftung, 2004). In der beiliegenden CD-ROM können alle Ländergutachten, die Grundlage für die BTI-Bewertungen sind, eingesehen werden.


Julia Schormann | idw
Weitere Informationen:
http://www.bertelsmann-transformation-index.de

Weitere Berichte zu: BTI Elite Mali Transformation

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Ab ins Ungewisse: Über das Risikoverhalten von Jugendlichen
19.01.2017 | Max-Planck-Institut für Bildungsforschung

nachricht Der Klang des Ozeans
12.01.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise