Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Water - More Nutrition Per Drop: Deutliche Änderung bei Nahrungsproduktion und Konsumverhalten notwendig

20.04.2004

In einer heute veröffentlichten Studie im Zusammenhang mit dem 12. Treffen der UN Commission on Sustainable Development (CSD 12) warnen Experten vor großen Schwierigkeiten, das UN Millenniumziel einer weltweit um die Hälfte reduzierten Anzahl unterernährten Menschen bis zum Jahre 2015, zu erfüllen, wenn nicht mehr getan wird, den Wasserverbrauch im Zusammenhang mit der Nahrungsmittelproduktion zu verringern.

Die Studie "Water - More Nutrition Per Drop" wurde von der schwedischen Regierung iniziiert und in einer einzigartigen Zusammenarbeit mit führenden internationalen Wissenschaftlern vom Stockholm International Water Institute (SIWI) und dem International Water Management Institute (IWMI) mit Sitz in Colombo, Sri Lanka, erstellt.

"Wasserknappheit ist die traurige Wirklichkeit, die Millarden Menschen täglich erleben", bestätigt die schwedische Umweltministerin Lena Sommestad. "Unsere Einstellung, wie wir unsere Wasserressourcen verwalten, muss sich deutlich ändern, wenn wir genügend Nahrung für alle heute unterernährten Menschen produzieren wollen. Wir brauchen sowohl praktische Lösungen, die dem einzelnen Bauern vor Ort gerecht werden, sowie globale Lösungen, die Handelsbarrieren und Agrarsubventionen betreffen."

Mit 840 Millionen weltweit unterernährten Menschen, betont die Studie, verlangt die Herausforderung, alle diese mit Nahrung zu versorgen, unmittelbare Aufmerksamkeit der internationalen Gemeinschaft. Fünf politisch ausgerichtete Empfehlungen, die, wenn sie sowohl national als auch international befolgt würden, könnten hier deutlich zu einer gesichterten Nahrungsmittelversorgung beitragen.

Es gilt, Produktionsalternativen zu finden, die mehr Lebensmittel mit weniger Wasser produzieren, sowie dass neue Technologien und Methoden weltweit zugänglich gemacht werden.

Zudem wird die Notwendigkeit betont, vorhandene Essgewohnheiten, welche einen übertriebenen Wasserverbrauch beinhalten, zu identifizieren und langfristig zu verändern.

Eine wichtige Veränderung gemäß der Studie ist, dass heute im Unterschied zu der "Grünen Revolution" in den 60er Jahren, die Konsumenten - und nicht die Produzenten - die globale Lebensmittelproduktion steuern. Im Zuge von massiven Städtebildungen und wachsendem Wohlstand ändern sich die Konsumgewohnheiten hin zu steigenden Nachfragen nach Fleisch- und Milchprodukten. Um jedoch 100g Fleisch zu produzieren, werden in den Industrieländern bis zu 7000 Liter Wasser benötigt. Für ein Brot hingegen nur 550 Liter, also etwa 12 mal so wenig.

Auch eine verbesserte Qualität der Nahrung "pro Tropfen Wasser" wird in der Studie gefordert.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) nennt den Mangel an Nährstoffen die "stille Krise", und meint, dass Kinder die offensichtlichsten Opfer sind, und Mangelernährung eine Begleitursache bei mindestens der Hälfte der 10.4 Millionen Todesfällen bei Kindern jährlich ist.

Auf der anderen Seite der Skala steht dem gegenüber das Fetma, ein zunehmendes - und doch oft noch ignoriertes - Gesundheitsproblem speziell in westlichen Ländern. Doch Tendenzen eines Ungleichgewichts im "Nahrungskorb" beginnen auch in Entwicklungsländern aufzutreten, insbesondere im Hinblick auf die wachsenden Millionenstädte. Maßnahmen sind somit auf verschiedenen Ebenen gefordert.

"Unsere größte Herausforderung heute besteht darin, Wege zu nachhaltigem Konsum und Produktion zu finden, und Anreize zu finden, diese Wege zu beschreiten," kommentiert Professor Jan Lundquist von SIWI, einer der Hauptverfasser der Studie. "Praktische, nachhaltige Lösungen fordern eine Balance zwischen Umwelt-, Ökonomie-, und Sozialangelegenheiten".

Lebensmittelproduktion benötigt viel Wasser. In Entwicklungsländern verbraucht die Landwirtschaft 70 - 90 % der verfügbaren Frischwassermenge. SIWI Senior Scientist Malin Falkenmark betont, dass sehr viel davon als Wasserdampf ungenutzt wieder in die Atmosphäre entweicht, ein Zustand, der nur schwer zu umgehen ist. "Mit den momentanen Anbaumethoden erfordert eine ausgewogene Ernährung 1 200 000 Liter Wasser pro Jahr pro Person (3287 Liter pro Tag). Das sind 70 mal mehr als die 50 Liter pro Tag, die als Basisbedarf heute zu Grunde gelegt werden" betont Prof. Falkenmark.

Ein weiterer Aspekt, gemäß der Studie, ist die Notwendigkeit, den Wasserlauf in den aquatischen Ökosystemen aufrecht zu erhalten, und ökologische Mindestniveaus der Fließmenge zu definieren. In Flusslaufgebieten von weltweit 15 % der Landoberfläche hat der Wasserlauf heute bereits die erforderliche Mindestmenge zur Erhaltung der aquatischen Ökosysteme (z.B. Feuchtgebiete) unterschritten.

"Bis zum Jahre 2020 wird die Nachfrage nach Getreide 40% höher sein als noch Ende der 90er, aber der weltweite Zugang zum Wasser ist begrenzt" warnt Frank Risjberman, Generaldirektor beim IWMI in Sri Lanka. "Unsere heutigen Anbaumethoden sind unnachhaltig. Sie bedeuten eine weitangelegte Ausbeutung der Grundwasserreserven und eine verbreitete Ausschöpfung von Flüssen und Seen, eine große Bedrohung nicht nur für aquatische Ökosysteme und deren biologische Artenvielfalt. Umweltverschmutzung verursacht durch Verunreinigung mit Chemikalien aus der Landwirtschaft ist heute bereits als verlorenes Produktionspotential zu bewerten. Hinzu kommt auch die zunehmende Versalzung von Böden und Teilbereichen des Grundwassers."

Die Studie betont schließlich auch die Notwendigkeit, unnachhaltige Agrarsubventionen und Handelsbeschränkungen zu identifizieren. In Regionen mit Wasserknappheit kann ein Import von Lebensmitteln eine Alternative zu hausangebauten Produkten sein. Jedoch ist ein steigendes Importvolumen oft von Armut und Mangel an ausländischer Valuta begrenzt. Agrarsubventionen und Handelsschranken schränken oftmals einen effektiven Handel ein, eine Flexibilität, die notwendig ist um regionale Lebensmittelknappheit zu lösen.

Stephanie Blenckner | SIWI
Weitere Informationen:
http://www.siwi.org

Weitere Berichte zu: Agrarsubvention Nahrung Nutrition Ökosystem

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Diabetesmedikament könnte die Heilung von Knochenbrüchen verbessern
17.03.2017 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

nachricht Soziale Phobie: Hinweise auf genetische Ursache
10.03.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise