Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Auswirkungen massiver Stressbelastungen im Mutterleib

16.04.2004


Trierer Wissenschaftler untersuchen junge Erwachsene, deren Mütter während der Schwangerschaft unter starkem Stress litten.

... mehr zu:
»Mutterleib »Stress »Stressbelastung

"Die Lebenszeit im Mutterleib ist der Ursprung von Gesundheit und Krankheit" - so beschreibt der US-Physiologe Peter Nathanielsz ein Phänomen, das Mediziner und Psychologen zunehmend fasziniert: "Fetal Programming". Bereits im Mutterleib könnten - möglicherweise unter dem Einfluss mütterlicher Hormone - die Weichen für die körperliche und psychische Gesundheit des Kindes gestellt werden. Eine Studie der Universität Trier untersucht nun die Auswirkungen massiver psychischer Belastungen im Mutterleib auf die Stressreaktion bei jungen Erwachsenen.

Immer mehr Forschungsbefunde deuten darauf hin, dass einschneidende Belastungen während der Schwangerschaft bleibende Spuren im Gehirn des Ungeborenen hinterlassen können. So fanden niederländische Wissenschaftler, dass deutsche Panzer, die im Zweiten Weltkrieg die Niederlande überrollten, noch Jahrzehnte später ungeahnte Auswirkungen zeigten - und zwar bei denen, die sich im Mai 1940 im Mutterleib befanden. Die zur Zeit der Blitzinvasion noch ungeborenen Babies erkrankten in ihrem späteren Leben weit häufiger an Diabetes, Bluthochdruck und Schizophrenie.


Aus Tierstudien weiß man schon lange, dass starke Stressbelastungen während der Schwangerschaft dazu führen können, dass die Nachkommen zu früh oder zu klein geboren werden. Auch beim Menschen konnte gezeigt werden, dass starke Ängste während der Schwangerschaft mit einem niedrigeren Geburtsgewicht und einer verkürzten Schwangerschaftsdauer einhergehen. Diese ungünstigen Geburtsmerkmale wiederum werden mit einer Reihe von Erkrankungen und Entwicklungsverzögerungen in Verbindung gebracht. Forscher der Universität Edinburgh fanden heraus, dass Stresshormone der Mutter, die in belastenden Situationen ausgeschüttet werden, in den Stoffwechsel des Föten gelangen können und das sich entwickelnde Gehirn des Ungeborenen beeinflussen. Nicht ohne Folgen: der pränatale Stress kann die Stressregulation des Körpers dauerhaft beeinträchtigen.

Um die Zusammenhänge zwischen Stress im Mutterleib und späteren stressbezogenen Erkrankungen weiter zu erforschen, sollen in einer aktuellen Studie der Abteilung Psychobiologie der Universität Trier junge Erwachsene untersucht werden, deren Mütter während der Schwangerschaft einer massiven psychischen Belastung ausgesetzt waren. Dazu zählen Verlust oder schwere Erkrankung eines nahen Angehörigen, Trennungs- und Scheidungserfahrungen sowie Ablehnung der Vaterschaft aber auch Ereignisse wie Unfälle, Überschwemmungen, Brände, Katastrophen oder die Flucht vor einem Bürgerkrieg. In verschiedenen psychologischen und physiologischen Testverfahren soll das Stresssystem dieser "pränatal gestressten" Personen untersucht werden.

Junge Erwachsene im Alter zwischen 18 und 40 Jahren, deren Mütter während der Schwangerschaft einer massiven Stressbelastung ausgesetzt waren und Interesse an einer Teilnahme haben, können sich in der Abteilung für Psychobiologie bei der zuständigen Studienleiterin, Dipl. Psych. Sonja Entringer, unter der Telefonnummer 0651/2013739 oder per E-Mail unter entr1301@uni-trier.de melden. Neben einer finanziellen Aufwandsentschädigung von 160 Euro winken den Teilnehmern interessante Informationen über ihre eigene biologische Stressreaktivität.

Heidi Neyses | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-trier.de

Weitere Berichte zu: Mutterleib Stress Stressbelastung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Erste großangelegte Genomstudie prähistorischer Skelette aus Afrika
27.09.2017 | Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte / Max Planck Institute for the Science of Human History

nachricht Wie gesund werden wir alt?
18.09.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Im Focus: Breaking: the first light from two neutron stars merging

Seven new papers describe the first-ever detection of light from a gravitational wave source. The event, caused by two neutron stars colliding and merging together, was dubbed GW170817 because it sent ripples through space-time that reached Earth on 2017 August 17. Around the world, hundreds of excited astronomers mobilized quickly and were able to observe the event using numerous telescopes, providing a wealth of new data.

Previous detections of gravitational waves have all involved the merger of two black holes, a feat that won the 2017 Nobel Prize in Physics earlier this month....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mobilität 4.0: Konferenz an der Jacobs University

18.10.2017 | Veranstaltungen

Smart MES 2017: die Fertigung der Zukunft

18.10.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

18.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Biokunststoffe könnten auch in Traktoren die Richtung angeben

18.10.2017 | Messenachrichten

»ILIGHTS«-Studie gestartet: Licht soll Wohlbefinden von Schichtarbeitern verbessern

18.10.2017 | Energie und Elektrotechnik