Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hilft Hirnstimulation bei Tinnitus?

24.11.2003


Tübinger Forscher untersuchen neue Behandlungsmethode. Tinnitus-Betroffene können sich ab sofort für Studie anmelden.


"Tinnitus" - Woher kommt das ständige Pfeifen, Summen, Zischen oder Rauschen, unter dem fast 3 Millionen Menschen allein in Deutschland leiden? Mit internationaler Unterstützung der amerikanischen Tinnitusgesellschaft (ATA) und gefördert durch die Tübinger Universität erforschen die Neurowissenschaftler Christian Gerloff und Christian Plewnia, welche Rolle das Gehirn für die Entstehung von Tinnitus spielt. Mit einer in der wissenschaftlichen Zeitschrift "Annals of Neurology" veröffentlichten Untersuchung konnten sie zeigen, dass bei einigen Patienten Hirnareale, in denen normalerweise die Verarbeitung von Tönen und Sprache stattfindet, auch an der Wahrnehmung von Tinnitus entscheidend mitbeteiligt sind. Dabei hat eine gezielte kurzzeitige Abschwächung der Hirnaktivität in diesen Arealen bei einigen Patienten zu einer vorübergehenden Abnahme des Tinnitus geführt. Untersuchungen sollen jetzt zeigen, ob sich durch diesen völlig neuen Ansatz die Lautstärke von Tinnitus verringern lässt und wie lange günstige Effekte bestenfalls anhalten.

Die Forscher vermuten, dass in vielen Fällen fehlgerichtete Anpassungsvorgänge des Gehirns nach Hörschädigung für die quälenden Geräusche verantwortlich sind. Ähnlich wie beim Phantomschmerz, bei dem Patienten Schmerzen in einem amputierten - also nicht mehr vorhandenen - Körperglied empfinden, können Patienten selbst nach Entfernung des Innenohrs weiterhin ein dauerndes störendes Ohrgeräusch - Tinnitus - aus diesem nicht mehr vorhandenen Ohr wahrnehmen. Die beiden Tübinger Wissenschaftler gehen davon aus, dass genau diese Empfindung ihren Ursprung im Gehirn selbst haben muss, und versuchen nun, durch eine gezielte Hirnstimulation die fehlerhafte Aktivität der betreffenden Hirnregionen zu normalisieren. Diese Untersuchungen sollen zeigen, ob sich durch diesen völlig neuen Ansatz die Lautstärke von Tinnitus verringern lässt und wie lange günstige Effekte bestenfalls anhalten.


Um dabei möglichst präzise vorzugehen, werden die Zielregionen für die Stimulation mit bildgebenden Verfahren wie der Positronen-Emissions-Tomographie (PET) und der Kernspintomographie festgelegt. Dann wird mit einem sog. Neuronavigationssystem eine magnetische Spule genau über dem Zielareal positioniert und das Areal durch wiederholte Entladung der Magnetspule in seiner Funktion beeinflusst. Bei dieser Form der Stimulation handelt es sich um die transkranielle Magnetstimulation (TMS), eine Methode, die seit mehreren Jahren für diagnostische Zwecke in der Neurologie verwandt wird und bei der die Zellen der Hirnrinde durch die Schädeldecke hindurch mit starken Magnetimpulsen beeinflusst werden. Operative oder andere belastende Eingriffe sind dazu nicht nötig.

Ansprechpartner für nähere Informationen

Universitätsklinikum Tübingen
und Hertie-Institut für Klinische Hirnforschung
Priv.-Doz. Dr. med. Christian Gerloff, Oberarzt der Neurologischen Klinik
Dr. med. Christian Plewnia, Assistenzarzt
Hoppe-Seyler-Str. 3, D-72076 Tübingen
Tel. 07071 / 29-80412, -5260
E-mail: christian.gerloff@uni-tuebingen.de

Patienten, die an dieser etwa vier Wochen dauernden Studie teilnehmen möchten, können unter der Nummer 07071 / 29-86119 nähere Informationen erhalten.

Dr. Ellen Katz | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-tuebingen.de

Weitere Berichte zu: Areal Hirnstimulation Stimulation Tinnitus

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Europaweite Studie zu „Smart Engineering“
30.03.2017 | IPH - Institut für Integrierte Produktion Hannover gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Im Focus: Wonder material? Novel nanotube structure strengthens thin films for flexible electronics

Reflecting the structure of composites found in nature and the ancient world, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have synthesized thin carbon nanotube (CNT) textiles that exhibit both high electrical conductivity and a level of toughness that is about fifty times higher than copper films, currently used in electronics.

"The structural robustness of thin metal films has significant importance for the reliable operation of smart skin and flexible electronics including...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

„Microbiology and Infection“ - deutschlandweit größte Fachkonferenz in Würzburg

25.04.2017 | Veranstaltungen

Berührungslose Schichtdickenmessung in der Qualitätskontrolle

25.04.2017 | Veranstaltungen

Forschungsexpedition „Meere und Ozeane“ mit dem Ausstellungsschiff MS Wissenschaft

24.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

„Microbiology and Infection“ - deutschlandweit größte Fachkonferenz in Würzburg

25.04.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Auf dem Weg zur lückenlosen Qualitätsüberwachung in der gesamten Lieferkette

25.04.2017 | Verkehr Logistik

Digitalisierung bringt Produktion zurück an den Standort Deutschland

25.04.2017 | Wirtschaft Finanzen