Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Öffentliches Haushalts- und Rechnungswesen: Deutschland hat noch Nachholbedarf

05.11.2003


PwC-Studie vergleicht erstmals öffentliches Haushalts- und Rechnungswesen in Europa für alle Gebietskörperschaften: Auf Staatsebene haben bisher nur Finnland, Schweden und Spanien die Umstellung von Kameralistik auf Doppik abgeschlossen / Hessen hat als einziges deutsches Bundesland Reform auf Länderebene eingeleitet

Leere Staatskassen verstärken den Druck auf öffentliche Verwaltungen effizient und nachhaltig zu wirtschaften. Der dazu notwendige Überblick über alle Schulden und Vermögen und den tatsächlichen Verbrauch öffentlicher Ressourcen lässt sich nur durch die doppelte Buchführung (Doppik) erreichen. Fast alle europäischen Länder haben in den letzten Jahren Reformprozesse in Gang gesetzt. Auf Staatsebene haben Finnland, Schweden und Spanien die Umstellung des herkömmlichen kameralistischen Rechnungswesens, das lediglich den Geldverbrauch in Form von Einnahmen und Ausgaben widerspiegelt, auf die Doppik bereits abgeschlossen. In Deutschland hingegen bestehen derzeit wenig Anzeichen, das Haushalts- und Rechnungswesen des Bundes auf die transparentere Doppik umzustellen. Da dieser Schritt bisher allein auf kommunaler Ebene vollzogen wurde und nur wenige Bundesländer konkrete Reformbestrebungen zeigen, zählt Deutschland auf diesem Gebiet neben Italien innerhalb Europas zu den Schlusslichtern.

Dass die Durchsetzung eines einheitlichen öffentlichen Rechnungswesensystems auf der Basis der internationalen Rechnungslegungsstandards für den öffentlichen Sektor, den International Public Sector Accounting Standards (IPSAS), in weiter Ferne liegt, zeigt die von PricewaterhouseCoopers (PwC) begleitete Studie Reforming Governmental Accounting and Budgeting in Europe. Die Studie wurde unter der Leitung von Professor Klaus Lüder, Deutsche Hochschule für Verwaltungswissenschaften in Speyer, und Professor Rowan Jones, Universität Birmingham, von renommierten Wissenschaftlern aus neun europäischen Ländern erstellt. Die akademischen Länder-Experten wurden hierbei durch das europäische Netz von PwC unterstützt und konnten auf diese Weise detaillierte Eindrücke in die praktische Implementierung von Reformkonzepten durch PwC gewinnen.

Diese von 2001 bis 2003 durchgeführte Studie vergleicht erstmals das öffentliche Haushalts- und Rechnungswesen sowie die Rechnungslegung von neun europäischen Staaten und der Europäischen Kommission in allen Gebietskörperschaften - von Kommunen über Bundesländer bis hin zur Staatsebene. Die untersuchten Länder sind: Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Italien, die Niederlande, Schweden, Schweiz und Spanien.

Erfassung des tatsächlichen Mittelverbrauches unverzichtbar

Wie die Analyse zeigt, bringen die Reformen im Rechnungswesen in Staaten mit stark ausgeprägten zentralen Strukturen (zum Beispiel Großbritannien und Spanien) homogene Systeme hervor und werden überdies schneller implementiert. In Deutschland lassen sich zwar einzelne Reformbemühungen beobachten, doch insgesamt vergrößert sich auf Staatsebene der Abstand zu anderen Nationen.

"Ein Haushalts- und Rechnungswesen, das sich am tatsächlichen Mittelverbrauch von Infrastruktur- und Anlagegütern orientiert, ist im öffentlichen Sektor heute unverzichtbar. Es ist äußerst wichtig, Transaktionen und Geschäftsvorfälle unabhängig von den mit ihnen im Zusammenhang stehenden Zahlungen erfassen zu können", erläutert Norbert Vogelpoth, Mitglied des Vorstands von PwC und Global Public Sector Leader. "Beispielsweise sollten im öffentlichen Rechnungswesen Pensionsrückstellungen bereits zu ihrem Entstehungszeitpunkt und über die gesamte Beschäftigungsdauer berücksichtigt werden - und nicht erst dann, wenn sie zu Zahlungen führen."

Hessen hat als einziges Bundesland Reform eingeleitet

Während die Kommunen bei der Umstellung des Haushalts- und Rechnungswesens innerhalb Deutschlands führend sind, hat auf Länderebene lediglich Hessen eine Reform eingeleitet. Es zeichnet sich zwar ab, dass mittelfristig alle Bundesländer nachziehen werden; die Ausgestaltung der Reform dürfte aufgrund des föderalen Staatsaufbaus jedoch von Land zu Land unterschiedlich ausfallen. Dies zeigt sich auch auf der kommunalen Ebene. Während einige Länder schon angekündigt haben, dass die Kommunen zwingend ein doppisches System anwenden sollen, befürworten andere Länder entweder eine Optionslösung oder aber eine Beibehaltung der Kameralistik.

"Bei der Begleitung öffentlicher Gebietskörperschaften auf dem Weg von der Kameralistik zur Doppik konnten wir bereits vielfältige Erfahrungen sammeln. Ausgangspunkt einer jeden Umstellung ist die Aufnahme und Bewertung des öffentlichen Infrastruktur- und Verwaltungsvermögens. So haben unsere Bau-Experten beispielsweise die kommunalen Vermögen der Städte Saarbrücken und Solingen bewertet. Derzeit unterstützt PwC die Stadt Salzgitter bei der Durchführung der Doppik. In unserem Projekt bei der Europäischen Kommission wird das Rechnungswesen auf die internationalen Rechnungslegungstandards IPSAS umgestellt."

Die PwC-Studie wird heute am Rande der erstmals in Deutschland veranstalteten Tagung des International Federation of Accountants - Public Sector Committee (IFAC PSC) in Berlin der Öffentlichkeit vorgestellt.

Die vollständige Studie Reforming Governmental Accounting and Budgeting in Europe ist hier zu bestellen.

Hrsg. von Klaus Lüder und Rowan Jones. November 2003, 1080 S., 73 Abb., 204 Tab., Hardcover 98,00 EUR, ISBN 3-934803-13-X Fachverlag Moderne Wirtschaft

Dr. Norbert Vogelpoth | PWC
Weitere Informationen:
http://www.de.pwc.com
http://www.pwc.com/de/euro-cigar

Weitere Berichte zu: PwC Rechnungswesen Staatsebene

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Neue Studie „Education first! Bildung entscheidet über die Zukunft Sahel-Afrikas“
29.11.2017 | Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung

nachricht Zukunftsstudie zum Autoland Saarland veröffentlicht
29.11.2017 | Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Im Focus: Electromagnetic water cloak eliminates drag and wake

Detailed calculations show water cloaks are feasible with today's technology

Researchers have developed a water cloaking concept based on electromagnetic forces that could eliminate an object's wake, greatly reducing its drag while...

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Im Focus: Scientists channel graphene to understand filtration and ion transport into cells

Tiny pores at a cell's entryway act as miniature bouncers, letting in some electrically charged atoms--ions--but blocking others. Operating as exquisitely sensitive filters, these "ion channels" play a critical role in biological functions such as muscle contraction and the firing of brain cells.

To rapidly transport the right ions through the cell membrane, the tiny channels rely on a complex interplay between the ions and surrounding molecules,...

Im Focus: Stabile Quantenbits

Physiker aus Konstanz, Princeton und Maryland schaffen ein stabiles Quantengatter als Grundelement für den Quantencomputer

Meilenstein auf dem Weg zum Quantencomputer: Wissenschaftler der Universität Konstanz, der Princeton University sowie der University of Maryland entwickeln ein...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

Hohe Heilungschancen bei Lymphomen im Kindesalter

07.12.2017 | Veranstaltungen

Der Roboter im Pflegeheim – bald Wirklichkeit?

05.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mit Quantenmechanik zu neuen Solarzellen: Forschungspreis für Bayreuther Physikerin

12.12.2017 | Förderungen Preise

Stottern: Stoppsignale im Gehirn verhindern flüssiges Sprechen

12.12.2017 | Biowissenschaften Chemie

E-Mobilität: Neues Hybridspeicherkonzept soll Reichweite und Leistung erhöhen

12.12.2017 | Energie und Elektrotechnik