Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Reformbereitschaft der Deutschen

17.09.2003


Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) und ’impulse’ legen mit dem "Reformkompass 2003" erste umfassende Studie über die tatsächliche Reformbereitschaft der Deutschen vor.


Gewerkschaften, Berufsverbände und Großunternehmen sind für die deutsche Bevölkerung die größten Reformblockierer

Rot-Grüne Bundesregierung für fast jeden zweiten Deutschen größter Reformmotor.


Fast drei Viertel der Deutschen für Arbeitszeit analog zur Auftragslage.

Deutlich mehr Ostdeutsche für größtmögliche soziale Absicherung.

Die reformfreudigsten Bundesbürger leben in München, Dortmund und Hamburg, die reformunwilligsten in Leipzig, Dresden und Berlin.

Die Mehrheit der Deutschen ist sich einig, wer in Deutschland die Hauptschuld am Reformstau trägt. Nach einer gemeinsamen Umfrage des Wirtschaftsmagazins ’impulse’ (Ausgabe 10/2003, EVT 18.09.2003) und der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) sieht gut jeder zweite Bundesbürger (55,4 Prozent) in den Gewerkschaften mit weitem Abstand die größten Reformblockierer. Wie das Institut für Demoskopie Allensbach (IfD) bei den 3.474 repräsentativ ausgewählten Deutschen für den "Reformkompass 2003" - die bislang umfassendste Studie über die Reformbereitschaft der Deutschen - weiter ermittelte, zählen die Berufsverbände (41,6 Prozent) und die Großunternehmen (34 Prozent) ebenfalls zu den drei großen Reformverhinderern.

Für den Kuratoriumsvorsitzenden der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft,Prof. Dr. Hans Tietmeyer, zeigt das Ergebnis, dass "die Bürger beginnen, die Klientelpolitik einzelner Institutionen zu durchschauen". Die neuerlichen Diskussionen wie etwa um die Empfehlungen der Rürup-Kommission führen nach Ansicht von Tietmeyer nur zu einer weiteren Verunsicherung des Bürgers. Es fehle die politische Entscheidungsfähigkeit. Sollen die Reformen gelingen, müssen Bundeskanzler und Bundesregierung die politische Leadership für sich reklamieren und ein breit angelegtes Gesamtkonzept konsequent in die Tat umsetzen.

Die Chancen müssten der Umfrage zufolge dafür günstig stehen, ist doch die Rot-Grüne Bundesregierung unter der Führung von Bundeskanzler Gerhard Schröder für fast 45 Prozent der Deutschen der größte Reformmotor. Auf Platz zwei der großen Reformantreiber setzen die Bürger mit 34,2 Prozent der Stimmen die ansonsten viel kritisierten Expertengremien wie etwa die Hartz- oder Rürup- Kommission. Die SPD kann mit 32,3 Prozent von dieser positiven Einschätzung profitieren und kommt auf den dritten Rang.

Die anhaltende Diskussion um die dringend notwendigen Reformen in Deutschland hat die Sinne der Bevölkerung geschärft. So steht für 63 Prozent der Befragten fest, dass die Sozialhilfe auf wirklich Bedürftige beschränkt werden muss und 61 Prozent sprechen sich für eine flexiblere Arbeitszeitregelung aus. Das wichtigste Element der Zukunftssicherung ist für fast zwei Drittel (65 Prozent) allerdings die steuerliche Entlastung der Arbeitnehmer.

Klare Mehrheit für auftragsabhängige Arbeitszeiten zur Jobsicherung

Um den eigenen Arbeitsplatz zu sichern, sind fast drei Viertel der Deutschen (72,2 Prozent) bereit, entsprechend der Auftragslage ihres Betriebs deutlich weniger oder deutlich mehr zu arbeiten. Knapp 71 Prozent wären dem "Reformkompass 2003" zufolge sogar bereit, Mehrarbeit ohne Lohnausgleich zu akzeptieren. Deutlich mehr als die Hälfte (58,1 Prozent) würde auch auf Boni wie Weihnachts- oder Urlaubsgeld oder Schichtzulagen verzichten, wenn dadurch der Arbeitsplatz gesichert ist.

Für fast jeden zweiten Bundesbürger sind mehr Wettbewerb bei der Vermittlung von Arbeitslosen und Arbeitsplätzen sowie ein geringerer Kündigungsschutz bei festgelegter Abfindung die wichtigsten Reformen zur Belebung des Arbeitsmarktes. Gut 45 Prozent sprechen sich gegen Flächentarifverträge aus, da sie Löhne in betrieblichen Bündnissen vor Ort aushandeln lassen wollen. Für ’impulse’-Chefredakteur Thomas Voigt machen "die Bürger damit deutlich, in welch großem Maße sie bereit sind, Eigenverantwortung zu übernehmen und auch finanzielle Einschnitte zu akzeptieren, damit Reformen vorankommen".

Mehrheit der Ostdeutschen nach wie vor für staatliche Rundumversorgung

Auch 13 Jahre nach der Einheit setzen die Ostdeutschen immer noch viel stärker auf die staatliche Fürsorge als die Bewohner der westdeutschen Bundesländer. Wie die INSM/impulse-Umfrage ergab, wollen fast 56 Prozent der Ostdeutschen die größtmögliche soziale Absicherung durch den Staat erhalten, während dies nur 43,5 Prozent der Westdeutschen fordern. Auch in der Krise wünschen sich 53,2 Prozent der Ostdeutschen (35,4 Prozent Westdeutsche), dass alles getan wird, um die sozialen Errungenschaften zu erhalten.

In München, Dortmund und Hamburg leben die reformfreudigsten Bürger

München ist die Großstadt mit dem höchsten Anteil reformfreudiger Bürger. Nach dem vom IfD Allensbach im Rahmen der Umfrage für die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft und ’impulse’ ermittelten Reformindex leben in der bayerischen Metropole mit einem Anteil von 35,1 Prozent die meisten reformfreudigen Einwohner. Bürger gelten als reformfreudig, wenn sie mindestens 32 von 71 vorgelegten Reformvorschlägen befürworten. Auf Platz zwei folgt Dortmund mit einem Anteil von 30,8 Prozent vor Hamburg mit 28,6 Prozent. Die reformunwilligsten Großstädter leben dagegen in Leipzig (18,2 Prozent Anteil), Dresden (23,5 Prozent Anteil) und Berlin (25,1 Prozent).

Bezogen auf die Bundesländer zeigt der IfD-Reformindex ein klares Hoch im Norden: Mit einem 35,1 prozentigen Anteil reformwilliger Einwohner liegt Niedersachsen vor Schleswig-Holstein mit 32,1 Prozent an der Spitze. Auf den Plätzen drei bis fünf folgen Baden- Württemberg, Bayern und Rheinland-Pfalz. Die reformunwilligsten Einwohner leben ausschließlich in den neuen Bundesländern. So zählen in Brandenburg nur 11,3 Prozent der Bürger zu den Reformwilligen.

Für Rückfragen:

Gerd Kühlhorn
Chefredaktion impulse
Tel. 0221/49 08-626
E-Mail kuehlhorn.gerd@impulse.de

Dieter Rath,
Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft
Geschäftsführung
Tel. 0221/49 81-400
E-Mail info@Chancenfueralle.de

Dieter Rath | Initiative N.Soz.Marktwirtschaft
Weitere Informationen:
http://www.impulse.de
http://www.chancenfueralle.de

Weitere Berichte zu: Bundesbürger Reformbereitschaft Reformblockierer

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Diabetesmedikament könnte die Heilung von Knochenbrüchen verbessern
17.03.2017 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

nachricht Soziale Phobie: Hinweise auf genetische Ursache
10.03.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

Zweites Symposium 4SMARTS zeigt Potenziale aktiver, intelligenter und adaptiver Systeme

27.03.2017 | Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fließender Übergang zwischen Design und Simulation

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Industrial Data Space macht neue Geschäftsmodelle möglich

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Neue Sicherheitstechnik ermöglicht Teamarbeit

27.03.2017 | HANNOVER MESSE