Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kostendruck verantwortlich für Standortverlagerung ins kostengünstige Ausland

03.06.2003


Steigender Kostendruck zwingt Fertigungsunternehmen zur Standortverlagerung ins kostengünstige Ausland. Studie von Deloitte & Touche untersucht die Einflussfaktoren.


Immer mehr Unternehmen verlagern ihre Produktion ins kostengünstigere Ausland. Länderspezifische innenpolitische Maßnahmen und die gesamte weltwirtschaftliche Lage mögen auf diese Entwicklung Einfluss nehmen. Steigender Kostendruck und zunehmende Komplexität der Supply Chain zwingen Fertigungsunternehmen aber in jedem Fall an eine Standortverlagerung ins Ausland zu denken. Die genauen Beweggründe für diesen Schritt erfragt Deloitte & Touche derzeit mit einer weltweit durchgeführten Umfrage zum Supply Chain Management in Fertigungsunternehmen. Erste Ergebnisse dieser Umfrage wurden heute in dem Bericht unter dem Titel "The Challenge of Complexity in Global Manufacturing - Trends in Supply Chain Management" veröffentlicht.

Die Studie untersucht die zunehmende Unübersichtlichkeit und Zersplitterung von Supply Chains, deren Auswirkungen auf die Hersteller und sich daraus ergebende Probleme für die Praxis. Bisher haben sich über 500 Unternehmen aus Nordamerika und Europa an der Umfrage beteiligt. Die Unternehmen kommen aus den Branchen Luft- und Raumfahrt, Rüstung, Automobilbau, Life Sciences, Konsumgüter, Chemie, High-Tech und Telekommunikation sowie der Fertigungsindustrie wie Metallverarbeitung und Anlagen-/Werkzeugbau.


"Unsere Untersuchung macht deutlich, dass drei hauptsächliche Faktoren für die wachsende Komplexität der Supply Chain von Fertigungsunternehmen verantwortlich sind: Der Zwang zur Kostensenkung, die Erschließung neuer Märkte und immer schnellere Produktinnovationen," erklärt Jochen Seidel, der für die Studie in Deutschland verantwortliche Manager bei Deloitte & Touche. "Da Entwicklung und Produktion in immer stärkerem Maße international verteilt werden, kommt es unweigerlich zu einer weiteren Zersplitterung der betrieblichen Prozesse."

Einflussfaktoren auf die Komplexität der Supply Chain

Kostendruck Um Kosten zu senken, werden Produktion, Beschaffung und Entwicklung zunehmend in Niedriglohnländer verlagert.

* 61 % der Befragten haben Teile der Produktion an kostengünstigere Standorte verlagert, 59 % nicht ausreichend ausgelastete Produktionsstätten geschlossen und 58 % verschiedene Fertigungs- und Vertriebstätigkeiten an Subunternehmer oder Dienstleister outgesourced.

* 29 % der europäischen Unternehmen produzieren nicht in ihren Heimatmärkten.

* Sogar die Entwicklungsabteilungen als wichtigster Teil jedes Fertigungsunternehmens werden aus Kostengründen ausgelagert.

Erschließung neuer Märkte Viele der weltweit größten Unternehmen haben auf der Suche nach Kunden in ausländischen Märkten ihre Supply Chain und andere betriebliche Tätigkeiten globalisiert. Dadurch befinden sich mehr Lieferanten und Produktionsanlagen im Ausland als im eigenen Land. Die Supply Chain wird dadurch zusätzlich verlängert.

* Die Hälfte aller befragten Unternehmen in Nordamerika und Europa ist bereits auf dem chinesischen Markt vertreten.

* Mehr als 40% aller nordamerikanischen Unternehmen werden ihre Marketingbasis in Mittel- und Osteuropa sowie in Mexiko und Mittelamerika bis 2006 ausbauen.

Produktinnovation Aufgrund des hohen Wettbewerbsdrucks und des rasanten Fortschritts sehen sich Fertigungsunternehmen gezwungen, ständig neue und innovative Produkte auf den Markt zu bringen.

* Die Einführung neuer Produkte und Dienstleistungen rangierte unter sieben Faktoren zur Verbesserung der Ertragslage in den nächsten drei Jahren an erster Stelle.

* Hersteller führen in immer kürzeren Abständen neue Produkte ein, um so zusätzliche Erträge zu erzielen. Dies hat gravierende Auswirkungen auf die Komplexität der Supply Chain.

Widersprüchliches Supply Chain Management

Trotz Globalisierung findet die Supply Chain Optimierung meist nur auf lokaler Ebene statt.

* Nur bei der Hälfte der befragten Unternehmen gibt es ein Mitglied der obersten Führungsebene oder des Vorstandes, das für globales Supply Chain Management verantwortlich ist.

* Verbesserungen der Supply Chain Performance konzentrieren sich lediglich auf bestimmte Funktionen, Anlagen, Länder oder Kontinente statt auf die End-to-End-Performance.

Die Supply Chain Manager sind trotz kürzerer Produktzyklen auf die immer schnellere Einführung neuer Produkte nicht vorbereitet.

* Obwohl neue Produkte die Garanten für künftigen Umsatz sind, stellen die Supply Chain Verantwortlichen die Unterstützung kürzerer Innovationszyklen und schnelleres Time-to-Market an die letzte Stelle der Prioritätenliste.

* Die Mehrheit der befragten Hersteller verwendet keine speziellen Verfahrensmodelle für den Produkt-Lebenszyklus (55 %) oder Software, die solche Modelle unterstützt (73 %).

Flexibilität wird zwar hoch bewertet, lässt sich jedoch immer schwerer realisieren.

* Flexibilitätshemmende Faktoren wie Fehler bei der Bedarfsprognose, lange Lieferanten-Vorlaufzeiten und Überangebot werden durch wichtige Trends wie kürzere Produktzyklen, höhere Kundenanforderungen, Erschließung neuer Märkte und Verlagerung von Beschaffung und Produktion an kostengünstigere Standorte noch verstärkt.

Die Bedeutung des Risikomanagements wird von den Supply Chain Managern als hoch eingeschätzt. Trotzdem nehmen viele Unternehmer die potenziellen Risiken hin, die durch Zersplitterung ihrer Supply Chain entstehen.

* Die zunehmende Fragmentierung der Supply Chain schafft neue Probleme und Komplikationen bei der Erfüllung von Kundenanforderungen.

Die Qualität des Kundendienstes hat hohe Priorität, doch nur wenige Unternehmen suchen bei strategisch wichtigen Projekten die aktive Zusammenarbeit mit ihren Kunden.

* Fast 50 % erklärten, der Kundendienst habe in globalen Supply Chain Strategien höchste Priorität. Jedoch arbeiten nur 3 bis 8 % der Unternehmen in wichtigen Bereichen wie strategischer Planung und Prognose, Bestandsmanagement und Kostensenkung eng mit ihren Kunden zusammen.

"Die Widersprüche zeigen, dass Hersteller oftmals nicht in der Lage sind, ihre globale und zugleich fragmentierte Supply Chain in Einklang zu bringen," erklärt Jochen Seidel. "Unsere Studie identifiziert spezifische Maßnahmen und Lösungen. Hersteller sollen in die Lage versetzt werden, komplexe Supply Chains trotz starkem Wettbewerbsdruck effizienter, flexibler und reaktionsschneller zu gestalten."

Die vollständigen Ergebnisse der Umfrage liegen im September 2003 vor. Sie werden ausführliche Analysen, Informationen und Case Studies sowie Strategien im globalen Supply Chain Management von Unternehmen aufzeigen.

Jochen Seidel | Deloitte & Touche
Weitere Informationen:
http://www.deloitte.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Weltweit erste Therapiemöglichkeit für Kinderdemenz CLN2 entwickelt
25.04.2018 | Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

nachricht Tabakrauchen verkalkt Arterien stärker als reiner Cannabis-Konsum
11.04.2018 | Universität Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel

Die Satellitenmission GRACE-FO ist gestartet. Am 22. Mai um 21.47 Uhr (MESZ) hoben die beiden Satelliten des GFZ und der NASA an Bord einer Falcon-9-Rakete von der Vandenberg Air Force Base (Kalifornien) ab und wurden in eine polare Umlaufbahn gebracht. Dort nehmen sie in den kommenden Monaten ihre endgültige Position ein. Die NASA meldete 30 Minuten später, dass der Kontakt zu den Satelliten in ihrem Zielorbit erfolgreich hergestellt wurde. GRACE Follow-On wird das Erdschwerefeld und dessen räumliche und zeitliche Variationen sehr genau vermessen. Sie ermöglicht damit präzise Aussagen zum globalen Wandel, insbesondere zu Änderungen im Wasserhaushalt, etwa dem Verlust von Eismassen.

Potsdam, 22. Mai 2018: Die deutsch-amerikanische Satellitenmission GRACE-FO (Gravity Recovery And Climate Experiment Follow On) ist erfolgreich gestartet. Am...

Im Focus: Faserlaser mit einstellbarer Wellenlänge

Faserlaser sind ein effizientes und robustes Werkzeug zum Schweißen und Schneiden von Metallen beispielsweise in der Automobilindustrie. Systeme bei denen die Wellenlänge des Laserlichts flexibel einstellbar ist, sind für spektroskopische Anwendungen und die Medizintechnik interessant. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT) haben, im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekts „FlexTune“, ein neues Abstimmkonzept realisiert, das erstmals verschiedene Emissionswellenlängen voneinander unabhängig und zeitlich synchron erzeugt.

Faserlaser bieten im Vergleich zu herkömmlichen Lasern eine höhere Strahlqualität und Energieeffizienz. Integriert in einen vollständig faserbasierten...

Im Focus: LZH zeigt Lasermaterialbearbeitung von morgen auf der LASYS 2018

Auf der LASYS 2018 zeigt das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) vom 5. bis zum 7. Juni Prozesse für die Lasermaterialbearbeitung von morgen in Halle 4 an Stand 4E75. Mit gesprengten Bombenhüllen präsentiert das LZH in Stuttgart zudem erste Ergebnisse aus einem Forschungsprojekt zur zivilen Sicherheit.

Auf der diesjährigen LASYS stellt das LZH lichtbasierte Prozesse wie Schneiden, Schweißen, Abtragen und Strukturieren sowie die additive Fertigung für Metalle,...

Im Focus: Achema 2018: Neues Kamerasystem überwacht Destillation und hilft beim Energiesparen

Um chemische Gemische in ihre Einzelbestandteile aufzutrennen, ist in der Industrie die energieaufwendige Destillation gängig, etwa bei der Raffinerie von Rohöl. Forscher der Technischen Universität Kaiserslautern (TUK) entwickeln ein Kamerasystem, das diesen Prozess überwacht. Dabei misst es, ob es zu einer starken Tropfenbildung kommt, was sich negativ auf die Trennung der Komponenten auswirken kann. Die Technik könnte hier künftig automatisch gegensteuern, wenn sich Messwerte ändern. So ließe sich auch Energie einsparen. Auf der Prozesstechnik-Messe Achema in Frankfurt stellen sie die Technik vom 11. bis 15. Juni am Forschungsstand des Landes Rheinland-Pfalz (Halle 9.2, Stand A86a) vor.

Bei der Destillation werden Flüssigkeiten durch Verdampfen und darauffolgende Kondensation des Dampfes in ihre Bestandteile getrennt. Ein bekanntes Beispiel...

Im Focus: Vielseitige Nanokugeln: Forscher bauen künstliche Zellkompartimente als molekulare Werkstatt

Wie verleiht man Zellen neue Eigenschaften ohne ihren Stoffwechsel zu behindern? Ein Team der Technischen Universität München (TUM) und des Helmholtz Zentrums München veränderte Säugetierzellen so, dass sie künstliche Kompartimente bildeten, in denen räumlich abgesondert Reaktionen ablaufen konnten. Diese machten die Zellen tief im Gewebe sichtbar und mittels magnetischer Felder manipulierbar.

Prof. Gil Westmeyer, Professor für Molekulare Bildgebung an der TUM und Leiter einer Forschungsgruppe am Helmholtz Zentrum München, und sein Team haben dies...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungen

„Data Science“ – Theorie und Anwendung: Internationale Tagung unter Leitung der Uni Paderborn

18.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Rotierende Rugbybälle unter den massereichsten Galaxien

23.05.2018 | Physik Astronomie

Invasive Quallen: Strömungen als Ausbreitungsmotor

23.05.2018 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Matrix-Theorie als Ursprung von Raumzeit und Kosmologie

23.05.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics