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Krankenhäuser: Jedes dritte Bett fällt künftig weg

15.05.2003


In den nächsten Jahren werden in den Krankenhäusern rund 30 Prozent der Betten abgebaut. Der Grund: Von 2004 an rechnen die Kliniken nicht mehr nach der Verweildauer der Patienten ab, sondern nach Fallpauschalen.

Der zunehmende Wettbewerbsdruck wird die Kliniklandschaft verändern. Die Folgen sind Fusionen von Kliniken und die Übernahme öffentlicher durch private Krankenhausbetreiber, so die Einschätzung von Mummert Consulting. Für Patienten hat das zwiespältige Auswirkungen: Einerseits schließen Krankenhäuser und Anfahrtswege zur nächstgelegenen Klinik verlängern sich. Andererseits können Schwerpunktkliniken durch höhere Fallzahlen eine qualitativ höherwertige medizinische Leistung erbringen.

Das neue Vergütungssystem DRG (Diagnosis-Related Groups) im Gesundheitswesen wird ab 2004 für alle Krankenhäuser verbindlich. Der Kostendruck zwingt die Kliniken jedoch, schon jetzt mit Kostensenkungen und dem Abbau von Krankenhausbetten zu beginnen. Langfristig werden sich nur Kliniken durchsetzen können, die Einschnitte aufgrund ihrer Größe kompensieren können oder die besonders effizient arbeiten. Die Folge: Fusionen und Privatisierungen. Dies trifft jedoch nicht ausschließlich kleine Häuser. Auch die großen öffentlich-rechtlichen Krankenhäuser ziehen Konsequenzen. Kiel und Lübeck legen ihre Unikliniken zusammen. Geplant sind auch die Fusionen der Unikliniken Mannheim und Heidelberg sowie möglicherweise der beiden Unikliniken Charité und Benjamin Franklin in Berlin. Die Hospitäler wollen auf diese Weise trotz reduzierter Budgets langfristig hochwertige medizinische Versorgung sowie Forschung und Lehre sicherstellen. Privaten Häusern fällt es leichter, auf den verschärften Wettbewerb zu reagieren, da sie schon länger streng betriebswirtschaftlich orientiert sind. Die Gewinner des neuen Vergütungssystems werden private Klinikketten sein, die ihre Kosten auf den gesamten Verbund verteilen und durch Skaleneffekte optimieren können.

Das Vergütungssystem DRG sorgt auch bei den Patienten für Veränderungen: Einerseits bedeuten Fusionen eine Zentralisierung der medizinischen Versorgung. Das vertraute und leicht zu erreichende Krankenhaus wird es nicht mehr überall geben. Der Trend: weniger stationäre - mehr ambulante Behandlung. Da beim Fallpauschalensystem der Krankheitsfall und nicht die Aufenthaltszeit im Krankenhaus verrechnet wird, steigt für die Kliniken der Anreiz, den Patienten früher aus der Klinik zu entlassen. Die Gefahr hierbei: Patienten werden aus Kostengründen zu früh entlassen. Um diesem Risiko entgegenzuwirken, sind die Krankenhäuser verpflichtet, ein Qualitätsmanagementsystem einzuführen.

Im Zuge des steigenden Wettbewerbs wird es allerdings auch positive Auswirkungen für Patienten geben: Die Spezialisierung und die Serviceorientierung der Kliniken werden zunehmen, die Patienten werden intensiver betreut. Darüber hinaus fördert das neue Abrechnungssystem verbesserte präoperative Diagnostik und ein optimiertes Patientenmanagement. Durch eine Verkürzung der Vorbereitung von Operationen werden 80 Prozent der Eingriffe am Aufnahmetag erfolgen. Bei den Behandlungsfällen, die nur einen Tag im Krankenhaus betreut werden, erwartet Mummert Consulting eine Steigerung von 50 Prozent.

Jörg Forthmann | Mummert Consulting AG
Weitere Informationen:
http://www.mummert-consulting.de

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