Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Geht deutschen Firmen die Liquidität aus? Aktuelle Studie beleuchtet Unternehmensfinanzierung im Länder-Vergleich

28.04.2003


Deutschlands Unternehmen haben zu wenig Eigenkapital und tun sich immer schwerer, Fremdmittel zu beschaffen. Gleichzeitig kämpfen sie mit akuten Liquiditätsproblemen. Firmen in anderen Ländern stehen wesentlich besser da und sind mit ihrer Finanzierungsstrategie grundsätzlich zufrieden. Das ist das Ergebnis einer Studie der Siemens Financial Services GmbH (SFS) in Zusammenarbeit mit der Universität Augsburg. Erstmalig wurden die Bilanzen von 500 Unternehmen aus unterschiedlichen Ländern einander gegenübergestellt. Unter dem Titel "Unternehmensfinanzierung im Fokus: Entscheider in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und USA antworten" wurden in den vier Ländern insgesamt über 500 Finanzentscheider in Unternehmen mit einem Umsatz über 50 Millionen Euro befragt. Die Studie erscheint im Rahmen der Initiative Future-Panel.



"Im Vordergrund der Finanzierungsentscheidungen stehen für die deutschen Unternehmen Liquidität und Alternativen zum Bankkredit", erläutert Dr. Herbert Lohneiß, Vorsitzender der Geschäftsführung der Siemens Financial Services GmbH. In den anderen Ländern wird Liquidität ebenfalls als wichtig eingestuft, jedoch spielt dort - anders als in Deutschland - die Ablösung der traditionellen Kreditfinanzierung kaum eine Rolle. Im Vergleich zur SFS-Studie 2002 haben die Finanzierungskosten in Deutschland erheblich an Bedeutung verloren. Aktuell werden in Deutschland auch die erhöhten Offenlegungspflichten der Unternehmen gegenüber den Banken als starke Herausforderung begriffen. "In beispielloser Deutlichkeit dokumentiert diese Studie die Besonderheiten der Unternehmensfinanzierung in Deutschland", sagt Prof. Dr. Manfred Steiner, Inhaber des Lehrstuhls für Finanz- und Bankwirtschaft der Universität Augsburg.



Aktionsfeld Fremdkapital

Konkrete Möglichkeiten, ihre Situation zu verbessern, sehen deutsche Unternehmen etwa bei der Beschaffung von Fremdkapital. So wollen zukünftig rund 50 Prozent der Befragten Leasing oder Factoring als Alternativen zum Bankkredit nutzen. Weit unterentwickelt ist in Deutschland jedoch der Blick über die Bilanz hinaus. So kann beispielsweise ein konsequentes Cash Management helfen, verborgene Liquiditätsreserven zu heben. Geeignete Versicherungslösungen können die Bilanz von einer Anzahl unternehmerischer Risiken entlasten. Hier sehen deutsche Unternehmen künftige Handlungsfelder. Gleiches gilt für die bilanzielle Behandlung der betrieblichen Altersversorgung.

Problem Eigenkapitalquote

Die Finanzierungsschwierigkeiten der deutschen Unternehmen liegen auch in der im internationalen Vergleich sehr niedrigen Eigenkapitalquote begründet. In den anderen drei Ländern liegt sie bei 50 Prozent und mehr, hierzulande dagegen durchschnittlich bei nicht einmal 30 Prozent. Nach wie vor dominieren in Deutschland die klassische Kapitaleinlage der Eigenkapital- und Bankkredite auf der Fremdkapitalseite.

Immerhin erkennen die meisten deutschen Unternehmen die veränderte Situation: Über 60 Prozent der Befragten erwarten, dass es in Zukunft schwieriger wird, ihr Geschäft zu finanzieren; ebenso viele haben vor, im nächsten Jahr neue Finanzierungsquellen zu erschließen. Dagegen glaubt die Mehrheit der Finanzentscheider aus Frankreich, Großbritannien und den USA an gleichbleibende Finanzierungsbedingungen und hält ihre eigene Finanzierung bereits für ausreichend diversifiziert.

Chancen in schweren Zeiten

Die Ergebnisse der Studie zeigen: Die meisten hierzulande befragten Unternehmen haben sich noch nicht ausreichend auf die Veränderungen der Finanzierungslandschaft eingestellt. Und das, obwohl die problematische Finanzierungsstruktur deutscher Unternehmen bereits seit langem diskutiert wird und schon heute neue Anbieter und neue Produkte der Unternehmensfinanzierung auf dem Markt sind. Auch in der Optimierung von Unternehmensstrukturen liegen Chancen: Deutsche Unternehmen sollten jetzt darüber nachdenken, Treasury und Buchhaltung stärker miteinander zu verzahnen, um den Wirkungsgrad der Finanzabteilungen zu erhöhen. Und: Wo es geht, sollten die Unternehmen ihre Abhängigkeit von der Kreditfinanzierung verringern. Dies kann in erster Linie durch einen breiteren Einsatz der Palette existierender Finanzierungsinstrumente geschehen. Es dreht sich also nicht notwendigerweise um einen Ersatz vorhandener Instrumente, sondern vor allem um eine sinnvolle Ergänzung. Insgesamt müssen sich deutsche Unternehmen aber wohl auch daran gewöhnen, ihren Kreditgebern gegenüber mehr Transparenz zu schaffen und höhere Risikoprämien zu akzeptieren. Hier weisen die Beispiele aus anderen Ländern den Weg in die Zukunft.

Weitere Informationen zur Studie und den Studienband (für Journalisten kostenlos) erhalten Sie bei:

Agentur WeberShandwick: Stefan Vollmer, Tel. 089-38 01 79-65,
svollmer@de.webershandwick.com

Siemens Financial Services GmbH: Konstanze Tauber, Tel. 089-636-360 70, communications.sfs@siemens.com

| Siemens

Weitere Berichte zu: Bankkredit Financial Liquidität Unternehmensfinanzierung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Studie zu sicherem Autofahren bis ins hohe Alter
19.06.2017 | Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften