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Studie ,,Hausmüllentsorgung der Zukunft’’

15.11.2002


Spätestens im Jahr 2020 haben gelber Sack und grüne Tonne ausgedient.



Statt vieler separater Behälter im Haushalt wird dann nur noch ein Behälter für den gesamten Hausmüll ausreichen, dessen Inhalt später mit moderner Technik sortiert wird. Lediglich Altpapier, Glas, Textilien, Schuhe und sperrige Abfälle sollen von den Haushalten weiterhin getrennt gesammelt werden. Das empfiehlt die Akademie für Technikfolgenabschätzung in Baden-Württemberg (TA-Akademie) in ihrer Studie "Hausmüllentsorgung der Zukunft", an der Experten aus Wissenschaft, Kommunen, Bürgerinitiativen und aus der Abfallentsorgungspraxis beteiligt waren.

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"Kernstück eines zukunftsfähigen Entsorgungskonzeptes ist eine leistungsfähige, vollautomatische Sortier- und Trenntechnik, die effektiv und wirtschaftlich verwertbare Fraktionen von brennbaren Teilen abtrennt und eine nahezu vollständige stoffliche und energetische Verwertung der Abfälle möglich macht," so Dr. Martin Kaimer, einer der beiden Autoren der Studie. Große Hoffnung setzt er dabei auf Konzepte wie das sogenannte Trockenstabilatverfahren, bei dem bereits heute an drei Standorten in Deutschland Abfälle biologisch getrocknet und anschließend automatisiert in stofflich verwertbare Fraktionen und einen Ersatzbrennstoff getrennt werden. "Der Wasserentzug führt zu einem biologisch stabilen und homogenen Endprodukt, das einen Heizwert von über 11 000 Kilojoule pro Kilo besitzt, unbegrenzt lagerfähig ist und zudem gute Sortierbarkeit aufweist", so Kaimer. Dadurch würde eine separate Biotonne überflüssig, der Biomüll könne zusammen mit dem Restmüll eingesammelt und energetisch genutzt werden.

"Während Energieerzeugung aus Biomasse und erneuerbare Rohstoffe derzeit in aller Munde sind, ist das Verbrennen von Biomüll bisher immer noch ein Tabu", so Kaimer. Unter dem Aspekt des Klimaschutzes sei die Verbrennung von Biomüll in diesem Konzept durchaus sinnvoll, da die Zersetzung leicht abbaubarer organischer Bestandteile die Wärme für die Trocknung der Abfälle liefere und außerdem die mit der aufwändigen Getrenntsammlung und Kompostierung verbundenen Probleme entfallen.

Auch den gelben Sack hält Kaimer für verzichtbar, weil das rohstoffliche Recycling von Kunststoffabfällen "keinen wesentlichen ökologischen Vorteil gegenüber der e-nergetischen Verwertung aufweist und ineffizient ist". Die Kunststoffverwertung verursacht Kosten in Höhe von ca. 800 bis 1200 Euro pro Tonne einschließlich getrennter Sammlung, Sortierung und Transport. "Für die gleiche Summe kann unter Verzicht auf eine getrennte Sammlung von Kunststoffen ein wesentlich größerer Effekt für eine nachhaltige Ressourcennutzung erreicht werden," so der Wissenschaftler. Insgesamt gelte es, die Abfallentsorgungskonzepte stärker an die Bedürfnisse der Haushalte zu orientieren und deren Aufwand und Kosten zu verringern. "Separat gesammelte Werkstoffe müssen vor einer Verwertung in aller Regel nachsortiert und von Störstoffen befreit werden", so Kaimer. Beim gelben Sack könne die Fehlerquote bis zu 50 Prozent erreichen, gleichzeitig befänden sich noch viele Verpackungen im Restabfall. "Künftig muss die vollständige Verwertung nutzbarer Abfallbestandteile in den Mittelpunkt der Abfallpolitik rücken", fordert Kaimer. Dank der neuen Technologie kann dieses Ziel auch ohne die bisherige Trennung im Haushalt erreicht werden. Um dieses Szenario umzusetzen, müssen aber bestehende gesetzliche Rahmenbedingungen geändert und jeweils wirtschaftlich akzeptable Lösungen gefunden werden, die die TA-Akademie jetzt in einem neuen Projekt mit Unterstützung des baden-württembergischen Umweltministeriums in neun Kreisen des Landes exemplarisch untersuchen wird.

Ansprechpartner: Dr. Martin Kaimer. Tel: 0711/9063-105
E-Mail: martin.kaimer@ta-akademie.de

Markus Geckeler, Tel: 0711/9063-222
E-Mail: markus.geckeler@ta-akademie.de

Dr. Birgit Spaeth | idw
Weitere Informationen:
http://www.ta-akademie.de

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