Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Betriebsnahe Ausbildungsförderung verbessert Chancen auf dem Arbeitsmarkt

07.11.2002


Absolventinnen und Absolventen einer betriebsnahen Ausbildung haben unmittelbar nach Ausbildungsabschluss bessere Arbeitsmarktchancen als Jugendliche, die in einer rein außerbetrieblichen Fördermaßnahme ihre Berufsausbildung absolvieren.



Ein Ziel der seit 1996 neu gestalteten Bund-Länder-Förderung von nicht vermittelten Lehrstellenbewerbern/-innen in Ostdeutschland wurde damit erreicht: Durch längere Praktikumsphasen in einem Betrieb die außerbetriebliche Berufsausbildung betriebs- und wirtschaftsnäher zu gestalten und die Vermittlung so qualifizierter junger Menschen nach Abschluss ihrer Ausbildung zu verbessern. Gute Prüfungsleistungen der praxisnah Geförderten, die mit denen der betrieblich Ausgebildeten vergleichbar, z.T. sogar besser sind, sind ein weiterer Pluspunkt für das veränderte Förderkonzept. Dennoch können betriebsnah Qualifizierte mit betrieblichen Lehrlingen nicht konkurrieren: Nach der Ausbildung stehen sie erst auf Platz zwei in der Warteschlange um einen Arbeitsplatz.



Weil außerbetriebliche Ausbildung als praxisfern, wenig bedarfsgerecht und nicht zuletzt auch als teure Form der staatlichen Ausbildungsförderung gilt, wurde für die nicht vermittelten Lehrstellenbewerber/-innen in Ostdeutschland 1996 die Bund-Länder-Förderung verändert: Die außerbetriebliche Ausbildung sollte künftig zu einem großen Teil in Praktikumsbetrieben durchgeführt werden. Für die landespezifische Ausgestaltung dieser neuen Bund-Länder-Förderung sind seit dem die Länder selbst verantwortlich. Auf der Grundlage dieser veränderten Förderkonzeption wurden zum Stichtag 31.12.2001 in Ostdeutschland insgesamt 36.431 Jugendliche betriebsnah ausgebildet. Da die Bundesregierung eine Fortsetzung dieser Ausbildungsplatzprogramme Ost bis zum Jahr 2004 plant, hat das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung die Wirksamkeit dieser betriebsnahen Förderung untersucht.

Die BIBB-Studie kommt zu dem Ergebnis, dass längere betriebliche Praktikumsphasen im betriebsnahen Förderangebot der Bund-Länder-Programme das Vertrauen der Betriebe in die Berufskompetenz der so ausgebildeten Fachkräfte gestärkt haben. Gleichzeitig konnte der Bund, der mit rd. 6.770 Euro die Hälfte des Fördersatzes pro Förderfall trägt, seine Ist-Ausgaben pro Ausbildungsplatz nahezu halbieren.

Weitere Ergebnisse der Studie:

  • Die Erwerbssituation der Förderabsolventen wird entscheidend durch die angespannte Lage am ostdeutschen Arbeitsmarkt und die regionale Arbeitsmarktsituation geprägt.

    Trotz der beabsichtigten Orientierung am künftigen Fachkräftebedarf konnte auch nach der betriebs- und wirtschaftsnahen Neukonzeption der Bund-Länder-Förderung eine weitere Verfestigung hergebrachter und geschlechtsspezifischer Berufsstrukturen nicht verhindert werden. Festzustellen ist lediglich ein leichter Rückgang des Anteils der Teilnehmer/innen in den traditionellen Berufsschwerpunkten zugunsten bisher weniger berücksichtigter Berufe (z.B. im IT-Bereich).

  • Das Förderangebot erreichte die Zielgruppe "unvermittelte Bewerber/-innen" in den einzelnen Regionen unterschiedlich stark. So erhielten insbesondere die Leistungsstärkeren unter den unvermittelten Bewerbern/-innen die Chance auf eine betriebsnahe Ausbildungsförderung. Weniger Leistungsstarke wurden auf nachrangige und nicht unbedingt passgenaue Förderangebote verwiesen.

  • Die Prüfungserfolge der Maßnahmeteilnehmer/-innen zeigen, dass die Qualität der betriebsnahen Ausbildung mit der einer betrieblichen Ausbildung vergleichbar ist. Ein Grund dafür ist, dass die ausgedehnten Betriebspraktika im Gegensatz zur außerbetrieblichen Ausbildungsorganisation bessere Möglichkeiten bieten, betriebliche Produktions- und Geschäftsprozesse in die Ausbildung zu integrieren. Dabei ist allerdings wichtig, dass außerbetriebliche Ausbildungsstätte und Praktikumsbetrieb miteinander kooperieren.

  • Trotz entsprechender Förderkonditionen konnten betriebliche Mitnahmeeffekte nicht immer verhindert werden. Über eine finanzielle Beteiligung der Praktikumsbetriebe an den ohnehin abgesenkten Ausbildungsvergütungen der Förderteilnehmer/-innen ließen sich diese Mitnahmerisiken möglicherweise reduzieren.



Die jetzt vom BIBB veröffentlichten Ergebnisse, Schlussfolgerungen und Empfehlungen der Evaluierungsstudie geben wichtige Orientierungen für die Feinabstimmung der geplanten Bund-Länder-Ausbildungsplatzprogramme Ost bis zum Jahr 2004.

Die Veröffentlichung von Klaus Berger und Günter Walden: "Evaluierung der Bund-Länder-Programme zur Ausbildungsförderung in den neuen Bundesländern 1996 - 1999. Bestandsaufnahme, Schlussfolgerungen und Empfehlungen" ist zum Preis von Euro 17,50 zu beziehen beim W. Bertelsmann Verlag GmbH & Co. KG, Postfach 10 06 33, 33506 Bielefeld, Tel. 0521/911 01-11, Fax: 0521/911 01-19, E-Mail: service@wbv.de

Dr. Ilona Zeuch-Wiese | idw
Weitere Informationen:
http://www.wbv.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Zirkuläre Wirtschaft: Neues Wirtschaftsmodell für die chemische Industrie?
28.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Unternehmen entwickeln sich zu Serviceanbietern
25.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie