Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Übermäßiger TV-Konsum führt zu Asthma bei Kindern

07.07.2008
Mediziner warnen vor Atemwegserkrankungen bei jungen Couch-Potatoes

Je länger Kinder täglich vor dem TV-Gerät oder dem Computer verbringen, umso stärker sind sie gefährdet, die Atemwegserkrankung Asthma bronchiale zu entwickeln. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle wissenschaftliche Studie von Forschern um Guiseppe Corbo von der Universität Rom, die in der Fachzeitschrift Epidemiology publiziert wurde. Nun warnen auch Lungenärzte der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) vor den Folgen des übermäßigen Fernsehkonsums.

"Kinder, die pro Tag mehr als fünf Stunden fernsehen, haben ein um 50 Prozent erhöhtes Risiko, an Asthma bronchiale zu erkranken gegenüber Kindern, die täglich nur eine Stunde TV schauen", so Dieter Köhler vom wissenschaftlichen Beirat der DGP und Leiter der Lungenfachklinik Kloster Grafschaft http://www.krankenhaus-klostergrafschaft.de in Schmallenberg. Das geht aus einer Untersuchung von mehr als 20.000 Kindern im Alter von sechs und sieben Jahren hervor. Das höhere Asthma-Risiko ist auch auf andere Faktoren wie etwa zu wenig Bewegung und gleichzeitig falsche Ernährung - zu viel Fett und Salz - zurückzuführen.

Auf Grund dieses Lebensstils leiden solche Kinder vermehrt auch an Übergewicht, wobei Übergewicht an sich ein eigener Risikofaktor für Asthma ist. "So wissen wir bereits, dass Asthma bei fettleibigen Erwachsenen mit einem Body-Mass-Index (BMI) größer als 30 etwa doppelt so häufig auftritt", meint Köhler. "Eine ähnliche Tendenz sehen wir auch bei Kindern. Zumal Übergewichtige wegen ihres höheren Körpergewichts grundsätzlich mehr Atemarbeit leisten müssen als Normalgewichtige, wobei sie gleichzeitig aber auch noch oft untrainierter sind, so dass auch ihre Atemmuskulatur weniger leistungsfähig ist." Patienten mit Übergewicht weisen generell schlechtere Lungenfunktionswerte auf und haben daher viel eher unter Atemnot und weiteren Atemwegsbeschwerden zu leiden als Normalgewichtige, meint der Mediziner.

Wer überwiegend passiv über viele Stunden vor dem Fernseher oder Computer sitzt, neigt zunehmend zu einer vergleichsweise flachen Atmung. Dies wirke sich insbesondere auf Kinderlungen, die sich noch in der Entwicklung und im Wachstum befinden, negativ aus, berichten die Mediziner. "Bei Bewegungsmangel fehlen die tieferen Atemzüge, wie sie bei körperlicher Belastung gemacht werden", meint Köhler. Dadurch werde die Lunge im Vergleich zu Kindern, die Sport treiben, weniger trainiert, so dass die Betroffenen nicht die Lungenfunktionswerte entwickeln können, die potenziell möglich wären. Zudem werde die Lunge bei Bewegungsmangel auch zu wenig belüftet. "Die Betroffenen neigen dann eher zu Infekten, was zusätzlich das Risiko für die Entwicklung von chronischen Atemwegserkrankungen erhöht."

Generell rät der Mediziner auch Kindern, die schon unter Asthma leiden, zu mehr körperlicher Aktivität. "Das konnte 2007 in einer Studie mit asthmatischen Kindern nachgewiesen werden, die zweimal wöchentlich an einem 90-minütigen Training teilnahmen", erklärt Köhler. "So fielen die für Asthmatiker typische Verengung der Bronchien und die Atemnot bei den trainierten Kindern selbst bei körperlicher Anstrengung weitaus geringer aus, als bei den untrainierten." Wer das täglich stundenlange Fernsehen oder Computern partout nicht lassen kann, dem rät der Mediziner dazu, zum Ausgleich des Bewegungsmangels wenigstens vorher oder nachher eine Stunde an die frische Luft gehen oder - noch besser - Sport zu treiben.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.pneumologie.de

Weitere Berichte zu: Asthma Atemwegserkrankung Lunge Übergewicht

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften