Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Marker für Fruchtbarkeit der Frau gefunden

01.07.2008
Mit Nachweis der Konzentration des Anti-Müller-Hormons (AMH) im Blut kann möglicherweise die Fruchtbarkeit einer Frau wesentlich besser als mit dem Lebensalter beurteilt werden.
Deshalb helfen die neuen Studienergebnisse von Prof. Dr. med. Peter Mallmann, Direktor der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Uniklinik Köln und

Dr. med. Christian Gnoth, Leiter der Praxisklinik für Gynäkologsiche Endokrinologie und Reproduktionsmedizin in Grevenbroich, die diesen Zusammenhang nachweisen, kinderlosen Paaren bei der Familienplanung.

Reproduktionsmedizinische Hilfen müssen bei später Familiengründung vor allem deshalb überproportional in Anspruch genommen werden, weil die ovarielle Reserve (Zahl der Eianlagen) zur Neige geht. Für die betroffenen Paare bedeutet das eventuell eine hohe physische-, psychische- und finanzielle Belastung. Deshalb ist vor jeder Entscheidung für oder gegen eine Kinderwunschbehandlung eine individuelle Prognoseabschätzung dringend erforderlich.

Mallmann und Gnoth konnten in einer jüngst publizierten Studie in der international renommierten Fachzeitschrift Human Reproduction zeigen, dass das AMH ein empfindlicher Parameter ist, die Antwort der Eierstöcke auf eine hormonelle Stimulationsbehandlung vorherzusagen und damit die Reserve an Eianlagen der Eierstöcke und auch den Erfolg einer In-Vitro-Fertilisationsbehandlung (der so genannten "künstlichen Befruchtung", IVF) abzuschätzen. Bei einem Anti-Müller-Hormonwert ? 1,6 ng/ml fanden
... mehr zu:
»Eierstock

sie - altersunabhängig - 97% aller Frauen mit einer reduzierten Reserve an Eianlagen.

Fällt das Anti-Müller-Hormon unter 0,5 ng/ml ist diese Reserve sogar hochgradig eingeschränkt und die Aussicht auf eine erfolgreiche IVF-Behandlung sinkt auf unter 12 Prozent. Bei Anti-Müller-Hormonwerten unterhalb der Nachweisgrenze (? 0,1 ng/ml) ist eine In-Vitro-Fertilisationsbehandlung nicht mehr sinnvoll, da die Eierstöcke zu erschöpft sind. Mallmann und Gnoth konnten in der Studie zeigen, dass bei niedrigen AMH-Werten (? 1,26 ng/ml und > 0,5 ng/ml) durch eine Dosissteigerung der eingesetzten Hormone die Aussicht auf eine Schwangerschaft verbessert werden konnte.

Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass das Anti-Müller-Hormon als Screening-Parameter geeignet ist, die Reserve an Eianlagen abzuschätzen und somit ein Zeitmaß der so genannten "biologischen Uhr" ist. Zurzeit empfehlen die Autoren bei niedrigen Anti-Müller-Hormonwerten, zusätzlich eine Ultraschalluntersuchung zur Bestimmung der Zahl kleiner Eibläschen im Eierstock durchzuführen, um die Genauigkeit der Abschätzung zu erhöhen.

Das AMH ist darüber hinaus damit ein viel versprechender Parameter, den Übergang in die Menopause (bei niedrigen AMH-Werten zu über 75% innerhalb der nächsten 3 - 5 Jahre) und damit das Ende der fruchtbaren Zeit vorherzusagen.

Mallmann und Gnoth empfehlen, das Anti-Müller-Hormon bei Frauen über 30 und besonders über 35 Jahre als Screening-Test zum Abschätzen des Fertilitätsstatus einzusetzen und damit interessierten Frauen eine Antwort auf die Frage zu geben: Wie lange kann ich noch mit der Umsetzung meines Kinderwunsches warten?

Literatur:

1. Gnoth C, Frank-Herrmann P., Freundl G, Godehardt D, and Godehardt E (2003) Time to pregnancy: results of the German prospective study and impact on the management of infertility. Hum Reprod 18, 1959-1966.

2. Gnoth C, Godehardt E, Frank-Herrmann P, Friol K, Tigges J, and Freundl G (2005) Definition and prevalence of subfertility and infertility. Hum Reprod 20, 1144-1147.

3. Gnoth C, Schuring AN, Friol K, Tigges J, Mallmann P, and Godehardt E (2008) Relevance of anti-Mullerian hormone measurement in a routine IVF program. Hum Reprod 23, 1359-1365.

Univ.-Prof. Dr. Peter Mallmann
Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Uniklinik Köln
Tel.: 0221 478 4940, e.-Mail: peter.mallmann@uk-koeln.de
Sina Vogt
Leiterin Stabsstelle Kommunikation Uniklinik Köln
Telefon: 0221 478 5548, E-Mail: pressestelle@uk-koeln.de

Sina Vogt | idw
Weitere Informationen:
http://www.medizin.uni-koeln.de/

Weitere Berichte zu: Eierstock

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Ab ins Ungewisse: Über das Risikoverhalten von Jugendlichen
19.01.2017 | Max-Planck-Institut für Bildungsforschung

nachricht Der Klang des Ozeans
12.01.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Forscher spinnen künstliche Seide aus Kuhmolke

Ein schwedisch-deutsches Forscherteam hat bei DESY einen zentralen Prozess für die künstliche Produktion von Seide entschlüsselt. Mit Hilfe von intensivem Röntgenlicht konnten die Wissenschaftler beobachten, wie sich kleine Proteinstückchen – sogenannte Fibrillen – zu einem Faden verhaken. Dabei zeigte sich, dass die längsten Proteinfibrillen überraschenderweise als Ausgangsmaterial schlechter geeignet sind als Proteinfibrillen minderer Qualität. Das Team um Dr. Christofer Lendel und Dr. Fredrik Lundell von der Königlich-Technischen Hochschule (KTH) Stockholm stellt seine Ergebnisse in den „Proceedings“ der US-Akademie der Wissenschaften vor.

Seide ist ein begehrtes Material mit vielen erstaunlichen Eigenschaften: Sie ist ultraleicht, belastbarer als manches Metall und kann extrem elastisch sein....

Im Focus: Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

An Bord einer Höhenforschungsrakete wurde erstmals im Weltraum eine Wolke ultrakalter Atome erzeugt. Damit gelang der MAIUS-Mission der Nachweis, dass quantenoptische Sensoren auch in rauen Umgebungen wie dem Weltraum eingesetzt werden können – eine Voraussetzung, um fundamentale Fragen der Wissenschaft beantworten zu können und ein Innovationstreiber für alltägliche Anwendungen.

Gemäß dem Einstein’schen Äquivalenzprinzip werden alle Körper, unabhängig von ihren sonstigen Eigenschaften, gleich stark durch die Gravitationskraft...

Im Focus: Quantum optical sensor for the first time tested in space – with a laser system from Berlin

For the first time ever, a cloud of ultra-cold atoms has been successfully created in space on board of a sounding rocket. The MAIUS mission demonstrates that quantum optical sensors can be operated even in harsh environments like space – a prerequi-site for finding answers to the most challenging questions of fundamental physics and an important innovation driver for everyday applications.

According to Albert Einstein's Equivalence Principle, all bodies are accelerated at the same rate by the Earth's gravity, regardless of their properties. This...

Im Focus: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

Am 24. Januar 1917 stach Heinrich Klebahn mit einer Nadel in den verfärbten Belag eines gesalzenen Seefischs, übertrug ihn auf festen Nährboden – und entdeckte einige Wochen später rote Kolonien eines "Salzbakteriums". Heute heißt es Halobacterium salinarum und ist genau 100 Jahre später Mikrobe des Jahres 2017, gekürt von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Halobacterium salinarum zählt zu den Archaeen, dem Reich von Mikroben, die zwar Bakterien ähneln, aber tatsächlich enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind.

Rot und salzig
Archaeen sind häufig an außergewöhnliche Lebensräume angepasst, beispielsweise heiße Quellen, extrem saure Gewässer oder – wie H. salinarum – an...

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Gehirn und Immunsystem beim Schlaganfall – Neueste Erkenntnisse zur Interaktion zweier Supersysteme

24.01.2017 | Veranstaltungen

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

EU-Projekt: Bilder leistungsstark und energieeffizient verarbeiten

24.01.2017 | Förderungen Preise

„Allen Unkenrufen zum Trotz“ Neues Projekt sorgt für Schutz der Gelbbauchunken in Bayern

24.01.2017 | Förderungen Preise

Gehirn und Immunsystem beim Schlaganfall – Neueste Erkenntnisse zur Interaktion zweier Supersysteme

24.01.2017 | Veranstaltungsnachrichten