Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Rosenkohl schützt vor krebsauslösenden Zellschäden

28.05.2008
Im Entgiftungsstoffwechsel wird die Umwandlung von Aminen in schädliche Substanzen gebremst

Der Verzehr von Rosenkohl schützt offenbar die weißen Blutkörperchen vor Zellschäden, die durch bestimmte krebserregenden Stoffe verursacht werden. Das berichtet ein europäisches Wissenschaftlerteam in der Fachzeitschrift Molecular Nutrition and Food Research.

Der Verzehr des Kohlgemüses beeinflusst den Forschern zufolge den Entgiftungsstoffwechsel im Körper derart, dass die potenziell gefährlichen Substanzen anders abgebaut werden können und keine schädlichen Nebenprodukte entstehen. Neben oxidativen Substanzen zählen dazu auch heterozyklische Amine, die beim Grillen und Braten von Fleisch entstehen. Einige Bevölkerungsstudien hatten bereits einen möglichen Zusammenhang zwischen dem Verzehr von Kohl und einem verminderten Risiko für bestimmte Krebsarten aufgezeigt.

Dieser Vermutung war die Gruppe um den Krebsforscher Sigfried Knasmüller von der Medizinischen Universität Wien und den Ernährungstoxikologen Hans-Rudolf Glatt vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung nun auf den Grund gegangen.

... mehr zu:
»Enzym »Stoffwechselprodukt

Im körpereigenen Entgiftungsstoffwechsel sorgen verschiedene Enzyme dafür, dass Fremdstoffe, die über die Nahrung in den Organismus gelangen, chemisch verändert werden, um sie leichter ausscheiden zu können. Einige der Fremdstoffe wie das heterozyklische Amin PhIP werden aber durch bestimmte Enzyme, die Sulfotransferasen, erst aktiviert. So wird das wenig aktive Amin in ein stark reaktives Stoffwechselprodukt umgewandelt, dass das Erbgut von Zellen schädigen und Krebs auslösen kann. "Wie genau sich Amine und seine Stoffwechselprodukte im einzelnen auswirken, ist noch schwer abzuschätzen. Fest steht aber, dass bei erhöhter Aufnahme von Aminen eine gesundheitliche Gefahr besteht", erklärt Glatt gegenüber pressetext.

Um die Wirkung des Rosenkohls genauer zu untersuchen zu können, nahmen acht Studienteilnehmer über einen Zeitraum von sechs Tagen täglich 300 Gramm gegarten Rosenkohl zu sich. Zu Beginn und zu Ende der Untersuchung wurden Blutproben entnommen und analysiert. Zusätzlich führten die Wissenschaftler molekularbiologische Untersuchungen und Zellkulturenexperimente durch, um die Wirkweise des Schutzmechanismus aufzuklären. Es stellte sich heraus, dass beim Verzehr von Rosenkohl die Blutzellen dazu angeregt werden, entweder weniger Sulfotransferasen zu produzieren oder diese Enzyme schneller abzubauen. "Hierdurch entstehen vermutlich weniger hoch-reaktive Stoffwechselprodukte aus Aminen, was den Schutzeffekt erklären könnte", so Glatt. Möglicherweise würden auch andere Kohlarten ähnlich schützende Effekte aufweisen.

Welche Substanzen im Rosenkohl für den Effekt verantwortlich sind, können die Forscher derzeit aber noch nicht sagen, an ihrer Identifizierung werde aber gearbeitet. Unklar ist bisher ebenso, welche physiologische Funktion mit der Veränderung des Entgiftungssystems verbunden ist, sagt Glatt. Eine eventuelle Erklärung hierfür könne sein, dass aufgrund der Veränderung natürliche, möglicherweise schädliche Inhaltsstoffe des Kohls besser abgebaut werden. "Denn es hält sich der Verdacht, dass auch Kohlgemüse nicht nur gesundheitsförderliche Stoffe enthalten."

Deshalb sei die erste und beste Maßnahme zum Schutz gegen die schädlichen Amine immer noch, das Grillfleisch nicht zu sehr anbrennen zu lassen, damit die Verbindungen erst gar nicht entstehen. "Dennoch ist es natürlich bemerkenswert, dass man auch durch bestimmte spätere Maßnahmen einen Schutz erzielen kann", fügt Glatt an. Im nächsten Schritt wollen die Forscher klären, warum und wie der Rosenkohlverzehr vor dem Angriff oxidativer Verbindungen schützt und ihre Erkenntnisse mittels größerer Studien prüfen.

Claudia Misch | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.meduniwien.ac.at
http://www.dife.de

Weitere Berichte zu: Enzym Stoffwechselprodukt

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Diabetesmedikament könnte die Heilung von Knochenbrüchen verbessern
17.03.2017 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

nachricht Soziale Phobie: Hinweise auf genetische Ursache
10.03.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Organisch-anorganische Heterostrukturen mit programmierbaren elektronischen Eigenschaften

29.03.2017 | Energie und Elektrotechnik

Klein bestimmt über groß?

29.03.2017 | Physik Astronomie

OLED-Produktionsanlage aus einer Hand

29.03.2017 | Messenachrichten