Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie das Gehirn bei Vertrauensbruch reagiert

23.05.2008
Wissenschaftler der Universität Zürich entdecken die gehirnphysiologischen Grundlagen des menschlichen Vertrauens und der Reaktion auf Vertrauensbruch. Sie konnten nachweisen, dass Oxytocin auch nach einem Vertrauensbruch vertrauensfördernd wirkt.
Dem Forschungsteam um den Neuroökonomen Ernst Fehr ist damit ein weiterer Schritt im Verständnis des Vertrauens gelungen. Die Studie erscheint am 22. Mai 2008 in der Wissenschaftszeitschrift "Neuron" (volume 58, issue 4).

Das menschliche Zusammenleben beruht auf Vertrauen.

Ob in der Liebe oder in der Politik, im Familien- oder im Geschäftsleben, immer spielt das Vertrauen eine wichtige Rolle. Dementsprechend gross war das Interesse, als Forscher der Universität Zürich vor drei Jahren entdeckt hatten, dass Oxytocin das Vertrauen fördert. Unbekannt blieben allerdings die gehirnphysiologischen Grundlagen dieses Effekts und warum Oxytocin das Vertrauen erhöht. Offen war auch die Frage, ob Oxytocin das Vertrauensverhalten auch nach einem Vertrauensbruch beeinflussen kann.

... mehr zu:
»Neuroökonom »Oxytocin

Ein Forschungsteam der Universität Zürich mit dem Neurowissenschaftler Thomas Baumgartner, dem Neuroökonomen Ernst Fehr und dem Psychologen Markus Heinrichs hat nun herausgefunden, dass Oxytocin einen Einfluss darauf ausübt, wie Menschen mit einem Vertrauensbruch umgehen. Probanden, die ein Placebo erhalten hatten, reagierten auf einen Vertrauensbruch mit einer Reduktion ihres Vertrauensverhaltens. Dagegen veränderten Probanden, denen mittels Nasenspray Oxytocin verabreicht wurde, ihr Vertrauensverhalten nicht.

Diese unterschiedliche Reaktion auf einen Vertrauensbruch ist verbunden mit einem sehr spezifischen Aktivierungsmuster im Gehirn. Probanden, die Oxytocin erhalten hatten, zeigten eine geringere Aktivierung in der Amygdala, in Regionen des Zwischenhirns und im dorsalen Nucleus des Caudatus. Dieses Aktivierungsmuster deutet darauf hin, dass Oxytocin die Aktivierung in denjenigen Gehirnstrukturen reduziert, die sowohl in die Verarbeitung von Angst involviert sind als auch in die Verhaltensanpassung nach einem negativen Erlebnis wie zum Beispiel einem Vertrauensbruch.

Diese neuen Befunde können dabei helfen, tiefere Erkenntnisse über psychische Störungen zu gewinnen, bei denen soziale Defizit im Vordergrund stehen. Wie der Psychologe Markus Heinrichs erklärt, wird nun in klinischen Studien die Kombination intranasaler Oxytocinabgabe mit standardisierter Verhaltenstherapie bei der Behandlung von Störungen wie der sozialen Phobie und Borderline-Persönlichkeitsstörung geprüft. Der Neurowissenschaftler Thomas Baumgartner hofft, dass die Ergebnisse zu einer fruchtbaren Forschung über solche psychische Störungen führen werden. "Insbesondere das Wissen darüber, wo im Gehirn Oxytocin seine Wirkung entfaltet, könnte helfen, noch bessere therapeutische Interventionen zu entwickeln."

Der Neuroökonom Ernst Fehr fügt hinzu: "Wir haben wichtige Elemente der neuronalen Grundlage von Vertrauen nach erfolgtem Vertrauensbruch entdeckt. Im Lichte der Bedeutung von Vertrauen im zwischenmenschlichen Zusammenleben eröffnen uns diese Ergebnis die Aussicht, die gehirnphysiologische Basis von prosozialem Verhalten im Allgemeinen besser ergründen und verstehen zu können."

Kontakte:

Thomas Baumgartner, Institut für Empirische Wirtschaftsforschung, Zentrum für das Studium sozialer und neuronaler Systeme
Tel: 0041 44 - 634 50 97
E-Mail: t.baumgartner@iew.uzh.ch
Prof. Ernst Fehr, Institut für empirische Wirtschaftsforschung, Zentrum für das Studium sozialer und neuronaler Systeme
Tel: 0041 44 63 43709
E-Mail: efehr@iew.uzh.ch
Prof. Markus Heinrichs, Psychologisches Institut, Klinische Psychologie und Psychobiologie
Tel: 0041 44 - 635 7363
E-Mail: m.heinrichs@psychologie.uzh.ch

Beat Müller | idw
Weitere Informationen:
http://www.iew.uzh.ch

Weitere Berichte zu: Neuroökonom Oxytocin

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Studie zu sicherem Autofahren bis ins hohe Alter
19.06.2017 | Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Future Security Conference 2017 in Nürnberg - Call for Papers bis 31. Juli

26.06.2017 | Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

„Digital Mobility“– 48 Mio. Euro für die Entwicklung des digitalen Fahrzeuges

26.06.2017 | Förderungen Preise

Fahrerlose Transportfahrzeuge reagieren bald automatisch auf Störungen

26.06.2017 | Verkehr Logistik

Forscher sorgen mit ungewöhnlicher Studie über Edelgase international für Aufmerksamkeit

26.06.2017 | Physik Astronomie