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Operation an den „Stirnrunzel”-Muskeln kann Migräne lindern

02.07.2002


US-Forscher der Case Western Reserve University in Cleveland, Ohio, beschreiten mit einer Operation neue Wege in der Migräne-Therapie.




Hängt eine Migräne mit den Gesichtsmuskeln zusammen, die die Funktion bestimmter Nerven stören, können die Schmerzen geheilt oder deutlich gelindert werden, indem ein Teil dieser Muskeln entfernt wird. Bei den Nerven handelt es sich um Verzweigungen des Trigeminus-Nervs. Dieser sorgt im Gesicht sowohl für Bewegung als auch für Empfindung.

Das Gute dabei: Ob die Operation Erfolg haben wird oder nicht, lässt sich durch die Injektion des Bakteriengifts Botulinumtoxin testen. Wenn dieses über die Lähmung der Muskulatur – wie sie etwa auch gegen Falten eingesetzt wird – gleichzeitig Migräne lindert, erscheint eine Operation erfolgversprechend, berichten die Forscher um Dr. Bahman Guyuron.

An der Studie nahmen 29 Migräne-Patienten teil, deren Kopfschmerzen offenbar keinen Bezug zu anderen Beschwerden hatten. Auch reagierten sie nicht auf frei verkäufliche Schmerzmittel. Wie die Injektion des Bakteriengiftes in den Musculus corrugator supercilii der Stirn verriet, kamen 24 Patienten als Kandidaten für die Operation in Frage – bei ihnen besserte sich die Migräne um mindestens 50 Prozent bezüglich Schwere und Häufigkeit in den sechs Wochen nach den Injektionen. Dieser Muskel kann übrigens die Stirn in Falten legen.

Immerhin 22 Patienten entschieden sich für die Operation. Bei den Patienten, die Botulinumtoxin von ihren Schmerzen befreite, wurde ein Teil des Muskels, der auf beiden Seiten des Gesichts vorhanden ist, entfernt. Half das Bakteriengift nicht vollständig, schnitt der Operateur auch noch einen Teil eines Astes des Trigeminusnervs weg.

Das Ergebnis: 21 Patienten berichteten, dass sich ihre Schmerzen um mindestens 50 Prozent verbessert hätten. Dabei dauerte die Nachbeobachtung zwischen 222 bis 494 Tage. Legt man eine Skala von eins bis zehn zugrunde, sank die Intensität der Kopfschmerzen von 8,9 auf 4,1. Ihre Häufigkeit fiel von 5,2 auf 0,8 Kopfschmerz-Attacken pro Monat. Die hohe Ansprechrate einerseits und eine nicht ebenso hohe Linderung der Schmerzen andererseits sprächen für mehrere auslösende Punkte, meinen die Wissenschaftler.

Bei zwei Patienten, die nicht auf das Bakteriengift angesprochen hatten, brachte eine kosmetische Operation den Erfolg: Mit den Stirnfalten verschwand auch die Migräne.

Plastic and Reconstructive Surgery (2002) Vol. 109, No. 7, pp. 2183 – 2189

| (mc)

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