Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Reinigt Dreck den Magen? Warum Früchte fressende Fledermäuse Lehm fressen.

23.04.2008
Jedes Kind weiß, dass wir die grünen Stielansätze der Tomaten nicht mitessen sollten, dass wir Keimstellen aus den Kartoffeln entfernen und die Enden der Mohrrüben vor dem Essen abschneiden. Der Grund sind die in den Pflanzen enthaltenen sekundären Pflanzeninhaltsstoffe, die eine schädliche Wirkung auf den Konsumenten haben können.

Früchtefressende Fledermäuse der Tropen nehmen jeden Tag Unmengen an sekundären Pflanzeninhaltsstoffen mit ihrer Nahrung auf. Dies kann besonders für trächtige oder säugende Fledermausmütter zu einem Problem werden, da sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe auch den Embryo oder das heranwachsende Jungtier schädigen können.

Wie Fledermausmütter mit diesem Problem umgehen, zeigt nun erstmals eine Studie von Wissenschaftlern des Berliner Leibniz-Institutes für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Zusammenarbeit mit amerikanischen Forschern der Boston University. In der online Fachzeitschrift "PLoS ONE" berichten der Verhaltensbiologie Dr. Christian Voigt und seine Kollegen, dass Fledermäuse, die größere Mengen an Früchten fressen, parallel mineralienhaltiges Substrat von Salzlecken aufnehmen und damit das potenzielle Gift in den Früchten abpuffern.

Fledermäuse gehören mit weltweit über 1200 Arten zu den artenreichsten Säugetiergruppen und besitzen in den tropischen Regenwäldern eine herausragende ökologische Stellung bei der Ausbreitung von Samen. Bei ihren Untersuchungen im Amazonasregenwald von Ecuador fand die Forschergruppe heraus, dass hauptsächlich trächtige und säugende Fledermausmütter die Salzlecken besuchen. "Es war nahe liegend anzunehmen, dass Fledermäuse so wie andere Säugetiere aber auch Vögel ihren Mineralbedarf an den Salzlecken decken", beschreibt Voigt die ersten Überlegungen am Beginn ihrer Studie. Säugende Fledermausmütter haben einen besonders hohen Mineralienbedarf, da ihre Jungtiere eine besonders lange Stillzeit haben. "Allerdings fanden wir einen relativ hohen Mineraliengehalt in Früchten. Insekten hingegen waren relativ arm an Mineralien". In ihrer neuen Studie untersuchten sie an einer Fledermausart mit einer Mischkost aus Früchten und Insekten, ob Individuen, die vorzugsweise Insekten fressen, mit größerer Wahrscheinlichkeit an den Salzlecken anzutreffen sind als solche, die vorzugsweise Früchte fressen.

... mehr zu:
»IZW »Pflanzeninhaltsstoff

Das Ergebnis der Studie belegt, dass die Mineralienarmut in der Nahrung nicht ausschlaggebend für den Besuch von Salzlecken ist. Vielmehr besuchen hauptsächlich Fledermäuse, die sehr viele Früchte fressen, die Salzlecken. Die Forscher vermuten, dass trächtige und säugende Fledermäuse auf Grund ihres höheren Energiebedarfs mehr Früchte als gewöhnlich fressen und somit größeren Mengen an sekundären Pflanzeninhaltsstoffen ausgesetzt sind. Fledermäuse scheinen die Wirkung dieser Stoffe durch den gleichzeitigen Verzehr von mineralienhaltigem Substrat abpuffern zu können. Auch die Ureinwohner Südamerikas oder Afrikas wissen um die entgiftende Funktion des Lehmes und nehmen während der Schwangerschaft und in der Stillzeit mineralienhaltigen Bodens zu sich. Mensch und Fledermaus haben demnach eine ähnliche Strategie entwickelt, um ihren Körper zu entgiften.

Informationen und Fotos:
Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) im Forschungsverbund Berlin e.V.
Alfred-Kowalke-Str. 17, 10315 Berlin, www.izw-berlin.de
Dr. Christian Voigt, 030 5168 517, voigt@izw-berlin.de
Steven Seet, 030 5168 108, seet@izw-berlin.de
Publikation abrufbar unter: http://www.plosone.org/doi/pone.0002011
Hintergrundinformationen:
Das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) ist eine national und international renommierte Forschungseinrichtung, die anwendungsorientierte und interdisziplinäre Grundlagenforschung in den Bereichen Evolutionsökologie und -genetik, Wildtierkrankheiten, sowie Reproduktionsbiologie und -management bei Zoo- und Wildtieren betreibt. Aufgabe des IZW ist die Erforschung der Vielfalt der Lebensweisen, der Mechanismen evolutionärer Anpassungen und der Anpassungsgrenzen inklusive Krankheiten von Zoo- und Wildtieren in und außerhalb menschlicher Obhut sowie ihrer Wechselbeziehungen mit Mensch und Umwelt. Die gewonnenen Erkenntnisse sind Voraussetzung für einen wissenschaftlich begründeten Artenschutz und für Konzepte der ökologischen Nachhaltigkeit der Nutzung natürlicher Ressourcen. www.izw-berlin.de

Das IZW ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Zur Leibniz-Gemeinschaft gehören zurzeit 82 Forschungsinstitute und Serviceeinrichtungen für die Forschung. Diese beschäftigen etwa 13.700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon sind ca. 5.400 Wissenschaftler, davon wiederum 2.000 Nachwuchswissenschaftler. Der Gesamtetat aller Institute der Leibniz-Gemeinschaft liegt bei mehr als 1,1 Mrd. Euro pro Jahr. Die Drittmittel betragen etwa 225 Mio. Euro pro Jahr.

Christine Vollgraf | idw
Weitere Informationen:
http://www.leibniz-gemeinschaft.eu
http://www.plosone.org/doi/pone.0002011

Weitere Berichte zu: IZW Pflanzeninhaltsstoff

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue Methode für die Datenübertragung mit Licht

Der steigende Bedarf an schneller, leistungsfähiger Datenübertragung erfordert die Entwicklung neuer Verfahren zur verlustarmen und störungsfreien Übermittlung von optischen Informationssignalen. Wissenschaftler der Universität Johannesburg, des Instituts für Angewandte Optik der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) präsentieren im Fachblatt „Journal of Optics“ eine neue Möglichkeit, glasfaserbasierte und kabellose optische Datenübertragung effizient miteinander zu verbinden.

Dank des Internets können wir in Sekundenbruchteilen mit Menschen rund um den Globus in Kontakt treten. Damit die Kommunikation reibungslos funktioniert,...

Im Focus: Strathclyde-led research develops world's highest gain high-power laser amplifier

The world's highest gain high power laser amplifier - by many orders of magnitude - has been developed in research led at the University of Strathclyde.

The researchers demonstrated the feasibility of using plasma to amplify short laser pulses of picojoule-level energy up to 100 millijoules, which is a 'gain'...

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebensdauer alternder Brücken - prüfen und vorausschauen

29.05.2017 | Veranstaltungen

49. eucen-Konferenz zum Thema Lebenslanges Lernen an Universitäten

29.05.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz an der Schnittstelle von Literatur, Kultur und Wirtschaft

29.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Latest News

New insights into the ancestors of all complex life

29.05.2017 | Earth Sciences

New photocatalyst speeds up the conversion of carbon dioxide into chemical resources

29.05.2017 | Life Sciences

NASA's SDO sees partial eclipse in space

29.05.2017 | Physics and Astronomy