Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kinderwunsch nach Krebs

08.04.2008
Erfolgreiche Wiedereinpflanzung von tiefgefrorenem Eierstockgewebe

Hoffnung für krebskranke Frauen mit Kinderwunsch - 26 Jahre nachdem in der Frauenklinik des Universitätsklinikums Erlangen das erste deutsche Retortenbaby geboren wurde, ist den Erlanger Reproduktionsmedizinern unter Leitung von Klinikdirektor Prof. Dr. Matthias W. Beckmann erneut eine wissenschaftliche Sensation gelungen: Einer 32-jährigen Krebs-Patientin wurde vor einer intensiven Chemotherapie und Bestrahlung per Bauchspiegelung Eierstockgewebe entnommen.

Dieses Gewebe wurde mit einem speziellen Verfahren so schonend eingefroren, dass es nach Ende der Krebsbehandlung aufgetaut und der durch die Krebstherapie unfruchtbar gewordene Patientin voll funktionsfähig zurück verpflanzt werden konnte. "Jetzt kann die Patientin wie jede andere Frau schwanger werden", sagte Prof. Beckmann. Weltweit ist eine erfolgreiche Schwangerschaft nach der Retransplantation von Eierstockgewebe bislang nur in drei reproduktionsmedizinischen Zentren in Israel und Belgien geglückt.

In der aktuellen Ausgabe des Deutschen Ärzteblattes (Nr. 15/2007, S. 274ff.), die am 11.04.08 erscheint, berichten die Erlanger Forscher PD Dr. rer. nat. Ralf Dittrich, PD Dr. med. Andreas Mueller, Dr. med. Helge Binder, Dr. med. Patricia G. Oppelt, Dr. med. Stefan Renner, Dr. med. Tamme Goecke, Inge Hoffmann und Prof. Dr. med. Matthias W. Beckmann über die "Erste Retransplantation von kryokonserviertem ovariellem Gewebe nach Krebserkrankung in Deutschland".

In Deutschland erkranken pro Jahr rund 17.000 Frauen im Alter von bis zu 45 Jahren an Krebs. Moderne Behandlungen von bösartigen Krebserkrankungen haben die Überlebensrate der Krebspatientinnen deutlich erhöht, führen aber oft zur Unfruchtbarkeit. Eine viel versprechende Möglichkeit für krebskranke Frauen mit Kinderwunsch ist nach Ansicht der Erlanger Forscher die so genannte Kryokonservierung von Eierstockgewebe (ovarielles Gewebe).

Bei dem deutschlandweit in Erlangen erstmals angewendeten Verfahren wurde einer 28-jährigen Patientin aus Franken vor einer Chemo- und Bestrahlungstherapie per Bauchspiegelung Eierstockgewebe entnommen. Das Gewebe wurde anschließend schonend eingefroren und in flüssigem Stickstoff bei minus 196 Grad Celsius gelagert (Kryokonservierung). Nach Abschluss der Krebstherapie wurde rund 2,5 Jahre später das Gewebe langsam aufgetaut und der Frau retransplantiert. Das Gewebe wurde wieder hormonell aktiv, und es konnte ein regelrechtes Follikelwachstum mittels Ultraschall festgestellt werden. Schließlich berichtete die Patientin über ihre erste spontane Regelblutung.

Schwanger trotz Unfruchtbarkeit nach Krebsbehandlung
Mittlerweile will die Patientin schwanger werden. "Ihre Chancen stehen genauso gut oder schlecht, wie bei jeder gesunden Frau", sagte Prof. Beckmann. "Unsere Forschungsarbeit zeigt eindeutig, dass es möglich ist, die Eierstockfunktion von Krebspatientinnen wieder herzustellen. Das ist ein Hoffnungszeichen für zahlreiche Frauen." Prof. Beckmann forderte: "Krebskranke Frauen im gebährfähigen Alter müssen vor Therapiebeginn auf die neue Möglichkeit, ihre Fruchtbarkeit zu erhalten, hingewiesen werden."

Während die gut etablierte Methode der Kryokonservierung von Samenzellen in Deutschland flächendeckend von zahlreichen reproduktionsmedizinisch tätigen Zentren angeboten wird, ist die Durchführung fruchtbarkeitserhaltender (fertilitätsprotektiver) Maßnahmen bei der Frau wesentlich komplexer und wird überwiegend nur in wenigen universitären Zentren angeboten, obwohl der Bedarf groß ist.

Weitere Infos über das Universitätszentrum für Fortpflanzungsmedizin Franken unter http://www.kind-nach-krebs.de oder Tel.: 09131 85-33467.

Die Universität Erlangen-Nürnberg, gegründet 1743, ist mit 26.000 Studierenden, 550 Professoren und 2000 wissenschaftlichen Mitarbeitern die größte Universität in Nordbayern. Ihre Schwerpunkte in Forschung und Lehre liegen an den Schnittstellen von Naturwissenschaften, Technik und Medizin in enger Verknüpfung mit Jura, Theologie, Geistes-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften.

Weitere Informationen für die Medien:

Johannes Eissing
Telefon: 09131/85-36102
E-Mail: presse@uk-erlangen.de

Ute Missel | idw
Weitere Informationen:
http://www.kind-nach-krebs.de
http://www.uni-erlangen.de/

Weitere Berichte zu: Eierstockgewebe Kryokonservierung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Diabetesmedikament könnte die Heilung von Knochenbrüchen verbessern
17.03.2017 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

nachricht Soziale Phobie: Hinweise auf genetische Ursache
10.03.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Im Focus: Physiker erzeugen gezielt Elektronenwirbel

Einem Team um den Oldenburger Experimentalphysiker Prof. Dr. Matthias Wollenhaupt ist es mithilfe ultrakurzer Laserpulse gelungen, gezielt Elektronenwirbel zu erzeugen und diese dreidimensional abzubilden. Damit haben sie einen komplexen physikalischen Vorgang steuern können: die sogenannte Photoionisation oder Ladungstrennung. Diese gilt als entscheidender Schritt bei der Umwandlung von Licht in elektrischen Strom, beispielsweise in Solarzellen. Die Ergebnisse ihrer experimentellen Arbeit haben die Grundlagenforscher kürzlich in der renommierten Fachzeitschrift „Physical Review Letters“ veröffentlicht.

Das Umwandeln von Licht in elektrischen Strom ist ein ultraschneller Vorgang, dessen Details erstmals Albert Einstein in seinen Studien zum photoelektrischen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

Unter der Haut

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Neues Schiff für die Fischerei- und Meeresforschung

22.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Mit voller Kraft auf Erregerjagd

22.03.2017 | Biowissenschaften Chemie