Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie gefährlich ist der Boxsport für das Gehirn?

28.03.2008
Die Heidelberger Boxerstudie findet keine klaren Risiken durch Amateursport / Veröffentlichung im "American Journal of Neuroradiology"

Boxen ist möglicherweise weniger gefährlich für das Gehirn als bislang befürchtet - zumindest für Amateure. Abschließende Aussagen zur Gefährdung sind derzeit jedoch noch nicht möglich. Ob Profi-Boxer wie Muhammad Ali sich ihre spätere Gehirnerkrankung - in diesem Fall die Parkinson-Krankheit im Alter von 40 Jahren - mit hoher Wahrscheinlichkeit beim Sport zugezogen haben, bleibt offen. Eine Entwarnung kann erst gegeben, wenn umfangreichere Studien, an denen sowohl Amateur- als auch Profiboxer teilnehmen, die Risiken des Boxsports für das Gehirn geklärt haben.

Zu diesem Schluss kommt die "Heidelberger Boxerstudie", die mit Hilfe hochauflösender Kernspintomographie (MRT) nach winzigen Hirnveränderungen im Gehirn von Amateurboxern und einer nicht boxenden Vergleichsgruppe gefahndet hat. Diese sind vermutlich Vorläufer späterer schwerer Hirnschäden wie Morbus Parkinson oder Demenz.

Die Studie der Neurologischen Universitätsklinik Heidelberg ist jetzt im "American Journal of Neuroradiology" veröffentlicht worden. Bei drei der 42 Boxer waren winzige Punktblutungen gefunden worden, während in der Vergleichgruppe von 37 Nicht-Boxern keine derartigen Veränderungen vorlagen; der Unterschied war jedoch statistisch nicht signifikant. Die Studie wurde gemeinsam mit der Boxergruppe des Olympiastützpunktes Heidelberg und der Abteilung Sportmedizin am Universitätsklinikum Heidelberg (Ärztlicher Direktor: Professor Dr. Peter Bärtsch) durchgeführt.

... mehr zu:
»Parkinson

Winzige Blutungen könnten Vorläufer von Morbus Parkinson und Demenz sein

Beim Boxen wird der Kopf mit hoher Geschwindigkeit und großer Wucht getroffen. Dabei können Scherbewegungen zwischen den Hirngeweben auftreten, die in winzigen Blutungen resultieren. "Verletzungen dieser Art können mit dem hochmodernen MRT mit einer Feldstärke von 3 Tesla, das in Heidelberg zur Verfügung steht, hervorragend nachgewiesen werden", erklärt Professor Dr. Stefan Hähnel, Leitender Oberarzt der Abteilung Neuroradiologie der Neurologischen Universitätsklinik Heidelberg, der die Studie mit Professor Dr. Uta-Meyding-Lamadé, vormals Oberärztin der Neurologische Universitätsklinik Heidelberg, jetzt Chefärztin am Nord-West-Krankenhaus Frankfurt, durchgeführt hat.

Wie häufig die Mikro-Blutungen bei Boxern auftreten, ist nicht bekannt. Letztlich könnten sie zum Untergang von Gehirnzellen und Funktionsausfällen wie Demenz oder Morbus Parkinson führen. Diese Hypothese wird von einigen Arbeitsgruppen vertreten. Die drei Boxer, die Veränderungen aufwiesen, zeigten diese typischerweise im vorderen Großhirn, wo die Scherkräfte durch Boxschläge ihre Hauptwirkung haben.

Folgestudie soll Amateur-Boxer mit Profis vergleichen

Ein Nachteil der "Heidelberger Boxerstudie" war die große Spannbreite der Boxdauer und -intensität bei der Ausübung des Amateursports: Die Dauer variierte von 1 bis 25 Jahren und die Intensität von einem bis zu 375 Kämpfen mit 0 bis12 Knockouts. Eine Folgestudie sollte Boxer einschließen, die den Sport professionell betreiben, um auch eine intensive Belastung des Gehirns beurteilen zu können. Die Heidelberger suchen derzeit nach einer Möglichkeit für die Finanzierung der Studie.

Literatur:
Hähnel S, Stippich C, Weber I, Darm H, Schill T, Jost J, Friedmann B, Heiland S, Blatow M, Meyding-Lamadé U: Prevalence of Cerebral Microhemorrhages in Amateur Boxers as detected by 3-Tesla Magnetic Resonance Imaging. Am J Neuroradiol 29 (2): 388-391 (2008)
(Der Originalartikel kann bei der Pressestelle des Universitätsklinikums
Heidelberg unter contact@med.uni-heidelberg.de angefordert werden.)
Weiterführende Literatur:
Blennow K, Popa C, Rasulzada A, et al. There is a strong evidence that professional boxing results in chronic brain damage. The more head punches during a boxer's career, the bigger is the risk. Lakartidningen 102 (36): 2468-70, 2472-5 (2005)

Unterharnscheidt F. A neurologist's reflections on boxing. I: Impact mechanics in boxing and injuries other than central nervous system damage. Rev Neurol 23 (121): 661-74 (1995).

Ansprechpartner
Professor Dr. Stefan Hähnel
Oberarzt Abt. Neuroradiologie
Radiologische Universitätsklinik Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 39 608
E-Mail: stefan.haehnel@med.uni-heidelberg.de
Professor Dr. Uta Meyding-Lamadé
Krankenhaus Nordwest
Steinbacher Hohl 2 - 26
60488 Frankfurt am Main
E-Mail: meyding-lamade.uta@khnw.de
Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 45 36
Fax: 06221 / 56 45 44
E-Mail: annette.tuffs(at)med.uni-heidelberg.de

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/presse

Weitere Berichte zu: Parkinson

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue Methode für die Datenübertragung mit Licht

Der steigende Bedarf an schneller, leistungsfähiger Datenübertragung erfordert die Entwicklung neuer Verfahren zur verlustarmen und störungsfreien Übermittlung von optischen Informationssignalen. Wissenschaftler der Universität Johannesburg, des Instituts für Angewandte Optik der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) präsentieren im Fachblatt „Journal of Optics“ eine neue Möglichkeit, glasfaserbasierte und kabellose optische Datenübertragung effizient miteinander zu verbinden.

Dank des Internets können wir in Sekundenbruchteilen mit Menschen rund um den Globus in Kontakt treten. Damit die Kommunikation reibungslos funktioniert,...

Im Focus: Strathclyde-led research develops world's highest gain high-power laser amplifier

The world's highest gain high power laser amplifier - by many orders of magnitude - has been developed in research led at the University of Strathclyde.

The researchers demonstrated the feasibility of using plasma to amplify short laser pulses of picojoule-level energy up to 100 millijoules, which is a 'gain'...

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebensdauer alternder Brücken - prüfen und vorausschauen

29.05.2017 | Veranstaltungen

49. eucen-Konferenz zum Thema Lebenslanges Lernen an Universitäten

29.05.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz an der Schnittstelle von Literatur, Kultur und Wirtschaft

29.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Neue Methode für die Datenübertragung mit Licht

29.05.2017 | Physik Astronomie

Deutschlandweit erstmalig: Selbstauflösender Bronchial-Stent für Säugling

29.05.2017 | Medizintechnik

Professionelle Mooszucht für den Klimaschutz – Projektstart in Greifswald

29.05.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz