Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Studie zu den Folgen der Palmöl-Nutzung vorgelegt

21.02.2008
Gabriel: Nur nachhaltig angebautes Palmöl kann Beitrag zum Klimaschutz leisten

Der Einsatz von Palmöl zur Energiegewinnung kann unmittelbar zum unwiederbringlichen Verlust tropischer Regenwälder führen. Außerdem ist die Klimabilanz von aus Palmöl erzeugter Energie nur in bestimmten Fällen positiv.

Zu diesem Ergebnis kommt eine heute veröffentlichte Studie, die ein interdisziplinär besetztes Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern im Auftrag des Bundesumweltministeriums erarbeitet hat. „Die Studie zeigt einmal mehr, wie problematisch es ist, Palmöl zur Energieerzeugung einzusetzen“, sagte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel. „Deshalb beschreiten wir mit der Nachhaltigkeitsverordnung, die die Bundesregierung im Dezember 2007 verabschiedet hat, den richtigen Weg.“

Die Nachhaltigkeitsverordnung schreibt unter anderem die Einhaltung von Mindeststandards für den Anbau von Biomasse für Biokraftstoffe vor, die durch ein Zertifizierungssystem nachgewiesen werden müssen. Gabriel: „Wir wissen selbstverständlich, dass es noch ein weiter Weg ist, bis sich die notwendigen Zertifizierungssysteme am Markt etablieren werden.

Aber die Nachhaltigkeitsverordnung ist der erste und zentrale Schritt. Unser Ziel ist es, den Einsatz von Palmöl, für dessen Anbau Regenwälder vernichtet wurden, in Deutschland auszuschließen.“ Der Bundesumweltminister verwies darauf, dass nach der Nachhaltigkeitsverordnung für die Beimischquoten von Biokraftstoffen zukünftig auch die Klimabilanz entscheidend sein werde. Die erforderliche Gesetzesänderung wird gegenwärtig vom Bundestag beraten.

Palmöl lässt sich in vielen tropischen Ländern billiger anbauen als alle anderen Pflanzenöle, deshalb ist es für den Export und für die die energetische Nutzung besonders interessant. Oft werden Sumpf-Regenwälder gerodet, um neue Palmöl-Plantagen anzulegen. Dabei werden nicht nur seltene Tier- und Pflanzenarten vernichtet. Durch die Brandrodung kommt es außerdem oft zu Schwelbränden im Boden. Berücksichtigt man die hierdurch verursachten CO2-Emissionen, so ist die energetische Verwertung von auf diesen Flächen erzeugtem Palmöl auf sehr lange Sicht nicht Klima schützend.

Anders sieht die Situation bei der Nutzung von Brachland als Standort für Palmölplantagen aus. Hier lassen sich vergleichsweise hohe CO2-Einsparungen je Hektar Anbaufläche erzielen. Vorrangig erfolgt der Anbau von Ölpalmen aber auf ehemaligen Regenwaldflächen, da hierbei noch ein zusätzlicher Erlös aus der Holzverwertung erzielt werden kann.

Derzeit wird Palmöl in Deutschland vor allem zur Stromerzeugung eingesetzt. In den Hauptanbauländern Indonesien und Malaysia werden aber bereits Anlagen zur Produktion von Biodiesel gebaut. Für die Stromerzeugung aus Palmöl sieht der Regierungsentwurf zur Neufassung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) vor, dass zukünftig nur noch zertifiziertes Palmöl eingesetzt werden kann. Aber bereits nach geltendem Recht ist der Anspruch auf die Stromvergütung beim Einsatz von Palmöl oft unsicher. Denn bei Palmöl unbekannter Herkunft können die erforderlichen Nachweise oft nicht vollständig erbracht werden. Hierauf hat das Bundesumweltministerium in einer Pressemitteilung im Januar 2007 hingewiesen.

Die heute veröffentlichte, 235 Seiten umfassende Studie untersucht die Eigenschaften und energetischen Nutzungsmöglichkeiten von Palmöl sowie dessen ökologische, wirtschaftliche und soziale Auswirkungen. Sie beantwortet Fragen nach den Klimaeffekten und sonstigen Umweltwirkungen und liefert Hinweise zur ökologischen Optimierung. Schließlich werden die EU- und WTO-rechtlichen Rahmenbedingungen analysiert, die bei der Regulierung des energetischen Einsatzes importierten Palmöls zu beachten sind.

Die Untersuchung wurde von Fachleuten des Wuppertal Instituts, des Instituts für Energie- und Umweltforschung (ifeu, Heidelberg), des Wilhelm Merton Zentrums für Europäische Integration und internationale Wirtschaftsordnung (Frankfurt am Main) und der Forschungsstelle Umweltrecht (Würzburg) erstellt. Sie steht im Internet unter www.erneuerbare-energien.de zum Herunterladen bereit.

Michael Schroeren | BMU-Pressereferat
Weitere Informationen:
http://www.erneuerbare-energien.de

Weitere Berichte zu: Biokraftstoff Nachhaltigkeitsverordnung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Studie zu Bildungsangeboten für die Industrie 4.0 in Österreich
05.02.2018 | Fachhochschule St. Pölten

nachricht Schildkrötengehirne sind komplexer als gedacht
05.02.2018 | Eberhard Karls Universität Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Im Focus: Quantenbits per Licht übertragen

Physiker aus Princeton, Konstanz und Maryland koppeln Quantenbits und Licht

Der Quantencomputer rückt näher: Neue Forschungsergebnisse zeigen das Potenzial von Licht als Medium, um Informationen zwischen sogenannten Quantenbits...

Im Focus: Demonstration of a single molecule piezoelectric effect

Breakthrough provides a new concept of the design of molecular motors, sensors and electricity generators at nanoscale

Researchers from the Institute of Organic Chemistry and Biochemistry of the CAS (IOCB Prague), Institute of Physics of the CAS (IP CAS) and Palacký University...

Im Focus: Das VLT der ESO arbeitet erstmals wie ein 16-Meter-Teleskop

Erstes Licht für das ESPRESSO-Instrument mit allen vier Hauptteleskopen

Das ESPRESSO-Instrument am Very Large Telescope der ESO in Chile hat zum ersten Mal das kombinierte Licht aller vier 8,2-Meter-Hauptteleskope nutzbar gemacht....

Im Focus: Neuer Quantenspeicher behält Information über Stunden

Information in einem Quantensystem abzuspeichern ist schwer, sie geht meist rasch verloren. An der TU Wien erzielte man nun ultralange Speicherzeiten mit winzigen Diamanten.

Mit Quantenteilchen kann man Information speichern und manipulieren – das ist die Basis für viele vielversprechende Technologien, vom hochsensiblen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Auf der grünen Welle in die Zukunft des Mobilfunks

16.02.2018 | Veranstaltungen

Smart City: Interdisziplinäre Konferenz zu Solarenergie und Architektur

15.02.2018 | Veranstaltungen

Forschung für fruchtbare Böden / BonaRes-Konferenz 2018 versammelt internationale Bodenforscher

15.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

17.02.2018 | Energie und Elektrotechnik

Stammbaum der Tagfalter erstmalig umfassend neu aufgestellt

16.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Neue Strategien zur Behandlung chronischer Nierenleiden kommen aus der Tierwelt

16.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics