Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Welche Rolle die Hochschulräte spielen: RUB-Forscher veröffentlichen Studienergebnisse

12.02.2008
Noch nicht so starke Wirkung wie gewünscht

Externer Sachverstand ist in den Augen der Hochschulleitungen das größte Plus, das ein Hochschulrat mitbringt. In Sachen bessere Außenwirkung und Vernetzung, effektivere Kontrollmechanismen oder bessere Stellung im Wettbewerb um Sponsoren und Drittmittel haben sich die Erwartungen an die Räte allerdings selten erfüllt.

Das ergab eine Befragung aller deutschen, österreichischen und Schweizer Hochschulen, die über einen Hochschulrat verfügen, die Forscher um Prof. Dr. Jörg Bogumil und Prof. Dr. Rolf G. Heinze in Kooperation mit der Gemeinsamen Arbeitsstelle RUB/IGM durchgeführt haben. Die Studie wurde von der Hans-Böckler-Stiftung gefördert. Die Ergebnisse werden heute auf einer Tagung an der RUB vorgestellt und diskutiert.

Wer sitzt im Hochschulrat?

... mehr zu:
»Drittmittel

Hochschulräte sind nach der Novelle des Hochschulrahmengesetztes 1998 in fast allen Ländern eingeführt worden. Sie sollen als eine Art Aufsichtsrat fungieren, der je nach Landesgesetzgebung weit reichende Befugnisse bis hin zur Wahl des Rektorats hat. Aber wer sitzt eigentlich in den Hochschulräten? Welche Aufgaben haben sie? Welche Erwartungen sollen sie erfüllen und tun sie das? Diese Fragen wollten die Bochumer Forscher mit ihrer Studie beantworten.

Frauen und Gewerkschafter sind unterrepräsentiert

Die meisten Hochschulräte (61%) sind sowohl mit externen als auch mit internen Mitgliedern besetzt, wobei die internen Mitglieder zumeist aus der Professorenschaft stammen (62%). Solche gemischten Hochschulräte haben durchschnittlich elf Mitglieder, während rein extern besetzte durchschnittlich acht Mitglieder haben. Fach- und private Hochschulen haben im Mittel größere Räte (zehn bzw. elf Mitglieder) als Universitäten (neun Mitglieder). Nur jedes fünfte Hochschulratsmitglied ist eine Frau. Externe Hochschulräte werden mit je einem runden Drittel aus der Wirtschaft und Wissenschaft rekrutiert, wobei auf Seiten der Wirtschaft die Vertreter von Großunternehmen dominieren. Gewerkschaftliche Mitglieder sind in deutschen Hochschulräten mit nur drei Prozent vertreten und damit deutlich unterrepräsentiert.

Auswahlmotive: Unternehmensvernetzung und Systemkenntnisse

Auswahlmotive für Hochschulratsmitglieder waren für die Hochschulen vor allem die Vernetzung mit anderen gesellschaftlichen Institutionen und Kenntnisse des Wissenschafts- und Hochschulsystems. Der Gewinn von Managementqualitäten wurde nur von Seiten der Technischen Universitäten als dominantes Ziel formuliert. Einen direkten Zusammenhang zwischen der Besetzung des Hochschulrats und dem an der Hochschule vorhandenen Anteil von Drittmitteln aus der Privatwirtschaft fanden die Forscher nicht. "Diese These müssen wir als eindimensional zurückweisen", so Prof. Bogumil. "Zwar geht mit einem höheren Anteil von Drittmitteln aus der Wirtschaft ein höherer Anteil an Mitgliedern aus der Wirtschaft an den externen Hochschulratsmitgliedern einher, aber der Zusammenhang hat keine statistische Erklärungskraft." Die Kompetenzen der Hochschulräte unterscheiden sich von Land zu Land teils erheblich. Über die größten formalen Kompetenzen verfügt unter den deutschen Bundesländern Baden-Württemberg.

Wenige Erwartungen sind erfüllt

Aus der Sicht der Hochschulleitungen ist das Ziel des Gewinns externen Sachverstandes durch Hochschulräte bisher eindeutig am ehesten erfüllt worden. Jeweils weniger als ein Viertel der Befragten sieht jedoch eine "verbesserte Außenwirkung", eine "verbesserte Kontrolle der Umsetzung von Entscheidungen" und eine Verbesserung der "Vernetzung mit anderen gesellschaftlichen Institutionen" als "weitgehend verwirklicht" an. Mit Abstand am wenigsten verwirklicht ist allerdings die von vielen befragten Akteuren aus den Hochschulen erwartete "bessere Stellung im Wettbewerb um Sponsoren und Drittmittel". "Insgesamt haben wir den Eindruck, dass das Instrument des Hochschulrats noch nicht so stark wirkt wie gewünscht", fasst Prof. Heinze zusammen. In den meisten Hochschulen tritt der Hochschulrat nur vierteljährlich zusammen und tagt dann durchschnittlich vier Stunden. Da nur ein Drittel der Hochschulräte über eigene Unterstützungsstrukturen wie ein Sekretariat verfügt, hat in allen anderen Fällen das Rektorat de facto die Hoheit über die Tagesordnung dieser Sitzungen.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Jörg Bogumil, Fakultät für Sozialwissenschaft der Ruhr-Universität Bochum, 44780 Bochum, Tel. 0234/32-27805, E-Mail: joerg.bogumil@rub.de

Prof. Dr. Rolf Heinze, Fakultät für Sozialwissenschaft der Ruhr-Universität Bochum, 44780 Bochum, Tel. 0234/32-22981, E-Mail: rolf.heinze@rub.de

Dr. Manfred Wannöffel, Arbeitsstelle Rub/IG Metall, Tel: 0234/32 22929- E-Mail: manfred.wannoeffel@rub.de

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://www.boeckler.de/cps/rde/xchg/hbs/hs.xsl/32014_90084.html

Weitere Berichte zu: Drittmittel

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Dialysepatienten besser vor Lungenentzündung schützen
17.01.2018 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

nachricht Neue Studie der Uni Halle: Wie der Klimawandel das Pflanzenwachstum verändert
12.01.2018 | Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kongress Meditation und Wissenschaft

19.01.2018 | Veranstaltungen

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungen

6. Technologie- und Anwendungsdialog am 18. Januar 2018 an der TH Wildau: „Intelligente Logistik“

18.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal vereinbart mit dem Betriebsrat von RWG Sozialplan - Zukunftsorientierter Dialog führt zur Einigkeit

19.01.2018 | Unternehmensmeldung

Open Science auf offener See

19.01.2018 | Geowissenschaften

Original bleibt Original - Neues Produktschutzverfahren für KFZ-Kennzeichenschilder

19.01.2018 | Informationstechnologie