Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Babys Temperament hat nur wenig Einfluss auf Abbruch von Studien

07.05.2013
Das Temperament eines Babys hat nur geringen Einfluss darauf, ob eine Studie, bei der sein Blickverhalten beobachtet wird, abgebrochen werden muss.

Daher müssen Säuglingsforscher, die bei ihren Studien Videos oder Fotos einsetzen, nicht befürchten, dass ihre Ergebnisse durch das persönliche Temperament der Babys beeinflusst oder gar verfälscht werden.

Zu diesem Zwischenergebnis kommt eine Langzeitstudie der Arbeitsgruppe um die Entwicklungspsychologin Professor Gisa Aschersleben. Die Forscherinnen untersuchen das soziale Verstehen und Wissen von Kindern in den ersten Lebensjahren. Über ihr Ergebnis berichten sie in der Fachzeitschrift "Infant Behavior & Development".

Vorausschauend zu denken und ursächliche Zusammenhänge zu erkennen, ist Menschen nicht in die Wiege gelegt. Irgendwann in früher Kindheit erlernt der Mensch solche Fähigkeiten. Wann und wie dies geschieht, erforschen Entwicklungspsychologinnen am Lehrstuhl von Professor Gisa Aschersleben an der Saar-Uni.

In einer Langzeitstudie im Rahmen des Saarbrücker Kinderprojekts untersuchen sie, wie sich Kinder vom Säuglingsalter bis zum Alter von vier Jahren im Umgang mit ihrer Umwelt und vom Verstehen und Denken her entwickeln. Hierbei beobachten die Forscherinnen die Kinder und ihr Verhalten als Babys zum Beispiel in so genannten Blickzeitstudien, bei denen den Kindern kurze Videoclips gezeigt werden. Anhand des Blickverhaltens, wohin das Kind schaut und wie lange es ein Ereignis betrachtet, können die Wissenschaftlerinnen Rückschlüsse ziehen und zum Beispiel herausfinden, ob und ab wann ein Kind das Ziel einer bestimmten Handlung erkennt.

Bei den Säuglingsstudien fiel auf, dass sowohl bei Babys im Alter von sechs als auch von zwölf Monaten die Blickzeitaufgaben oft abgebrochen werden mussten, weil die Kinder quengelig wurden oder anfingen zu weinen. Andere Babys hingegen schauten die kurzen Filme interessiert an und blieben bis zuletzt bei der Sache. Hieraus entstand die Forschungsfrage, ob das Temperament der Babys - also die individuellen emotionalen und motorischen Eigenheiten wie Schüchternheit, Aktivität, Ängstlichkeit oder schnelle Reizbarkeit - bei solchen Blickzeitaufgaben Einfluss darauf hat, dass die Untersuchung abgebrochen werden muss: Steigen temperamentvolle Babys also generell früher oder öfter aus den Aufgaben aus? Da viele Säuglingsforscher in Blickzeitstudien mit Videos oder Fotos arbeiten, ist diese Frage von grundsätzlicher Bedeutung, zumal dies auch die Ergebnisse dieser Studien beeinträchtigen oder gar verfälschen könnte.

Die Entwicklungspsychologinnen Daniela Mink und Dr. Anne Henning aus dem Team von Professor Aschersleben befragten die Eltern von 80 am Kinderprojekt teilnehmenden Babys zum Temperament ihrer Kinder und werteten die Antworten aus. Ihr Ergebnis: Das Temperament der Babys hat nur sehr geringen Einfluss darauf, ob eine Studie abgebrochen werden muss. Auch ein von den Forscherinnen vermuteter Einfluss bei sehr aktiven Babys oder solchen, die generell auf Einschränkungen etwa in der Bewegungsfreiheit mit Unbehagen reagieren, bestätigte sich nicht. Hingegen spricht viel dafür, dass aufmerksame Babys länger durchzuhalten scheinen, was insbesondere bei den zwölf Monate alten Babys gilt. Außerdem zeigte sich, dass auch schon im ersten Lebensjahr das Temperament der Babys relativ gleich blieb.

Über ihr Ergebnis berichten die Wissenschaftlerinnen in der Fachzeitschrift "Infant Behavior & Development".
http://authors.elsevier.com/sd/article/S0163638313000386

Kontakt:
Prof. Gisa Aschersleben Tel.:0681-302-3839 E-Mail: aschersleben@mx.uni-saarland.de
Diplompsychologin Daniela Mink: Tel.: 0681 302 3874
E-Mail: d.mink@mx.uni-saarland.de
Dr. Anne Henning Tel.: 0681 302 3863 E-Mail: a_henning@mx.uni-saarland.de

http://www.uni-saarland.de/entwicklungspsychologie

Hinweis für Hörfunk-Journalisten: Sie können Telefoninterviews in Studioqualität mit Wissenschaftlern der Universität des Saarlandes führen, über Rundfunk-Codec (IP-Verbindung mit Direktanwahl oder über ARD-Sternpunkt 106813020001). Interviewwünsche bitte an die Pressestelle (0681/302-3610).

Claudia Ehrlich | Universität des Saarlandes
Weitere Informationen:
http://www.uni-saarland.de/entwicklungspsychologie
http://authors.elsevier.com/sd/article/S0163638313000386

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Echtzeit-Feedback hilft Energie und Wasser sparen
08.02.2017 | Otto-Friedrich-Universität Bamberg

nachricht Nutzung digitaler Technologien in der industriellen Produktion führt zu Produktivitätsvorteilen
01.02.2017 | Hochschule Karlsruhe - Technik und Wirtschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Im Focus: Breakthrough with a chain of gold atoms

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

Im Focus: Hoch wirksamer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Im Focus: Sensoren mit Adlerblick

Stuttgarter Forscher stellen extrem leistungsfähiges Linsensystem her

Adleraugen sind extrem scharf und sehen sowohl nach vorne, als auch zur Seite gut – Eigenschaften, die man auch beim autonomen Fahren gerne hätte. Physiker der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Welt der keramischen Werkstoffe - 4. März 2017

20.02.2017 | Veranstaltungen

Schwerstverletzungen verstehen und heilen

20.02.2017 | Veranstaltungen

ANIM in Wien mit 1.330 Teilnehmern gestartet

17.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Innovative Antikörper für die Tumortherapie

20.02.2017 | Medizin Gesundheit

Multikristalline Siliciumsolarzelle mit 21,9 % Wirkungsgrad – Weltrekord zurück am Fraunhofer ISE

20.02.2017 | Energie und Elektrotechnik

Wie Viren ihren Lebenszyklus mit begrenzten Mitteln effektiv sicherstellen

20.02.2017 | Biowissenschaften Chemie