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Ausrottung der Kinderlähmung rückt in die Ferne

21.07.2011
Impfkampagnen werden immer wieder nur halbherzig durchgeführt

Der Plan, die Welt bis Ende kommenden Jahres von der Kinderlähmung zu befreien, ist laut der Global Polio Eradication Initiative in Gefahr. Indien wird von dem Team um Liam Donaldson dafür gelobt, dass es nur eine Erkrankung in den ersten sechs Monaten dieses Jahres gegeben hat.

Die Studie unabhängiger Beobachter warnt aber auch davor, dass Pakistan riskiert, der weltweit letzte Vorposten dieser Krankheit zu werden. Die Kinderlähmung ist auch in weiteren vier Ländern wieder aufgetreten. Weltweit sind im vergangenen Jahr rund 1.000 Menschen an Kinderlähmung erkrankt.

Das Virus kommt immer noch in Afghanistan, Indien, Nigeria und Pakistan vor. In den Ländern, in denen die Krankheit erneut aufgetreten ist, war die Anzahl der Erkrankungen mit 162 doppelt so hoch wie in Ländern in denen die Krankheit endemisch ist. Besonders besorgt sind die Experten über neue Erkrankungen in der Demokratischen Republik Kongo und im Tschad.

Donaldson betonte, dass die Kinderlähmung eine sehr schwer zu bekämpfende Krankheit sei. Die Global Polio Eradication Initiative unterstützt das 1988 festgelegte Ziel, die Krankheit weltweit auszurotten. Laut Donaldson sei in den ersten 20 Jahren viel geschehen. "Es ist aber noch immer dieser große Rest an Erkrankungen vorhanden. Das Ziel, das letzte Prozent der Erkrankungen zu verhindern, ist die bis jetzt größte Herausforderung."

Einfache Maßnahmen

Indien habe mit sehr guten Impfkampagnen zu sehr einfachen Maßnahmen gegriffen. "Die zuständigen Stellen achten sehr genau darauf, dass jedes Kind geimpft wird. Wenn das in Indien möglich ist, warum dann nicht auch in anderen Ländern?", fragt Donaldson. Kinderlähmung ist sehr ansteckend. Betroffen sind meist Kinder unter fünf Jahren. Das Nervensystem wird geschädigt. Die Folge ist eine irreversible Lähmung. Eine Heilung für diese Krankheit gibt es nicht. Eine Impfung kann jedoch einen guten Schutz ermöglichen.

Laut Donaldson sind der politische Wille und die Bereitschaft der betroffenen Gemeinden von entscheidender Bedeutung. Bei der Finanzierung des Kampfes gegen die Kinderlähmung fehlen derzeit noch 366 Mio. Pfund. Die aktuelle Studie macht laut BBC auch die Probleme einiger Impfprogramme sichtbar.

In einem Teil Pakistans haben die für diese Aufgabe bezahlten Fachkräfte ihre Aufgabe an Kinder ohne entsprechende Ausbildung weitergegeben. Im Rahmen einer anderen Initiative standen die Zuständigen an ihrem Stand auf dem Hauptplatz und setzten keinerlei Aktivitäten, um ihr Anliegen an die Menschen zu bringen.

Die Global Polio Eradication Initiative kommt zu dem Ergebnis, dass die Ausrottung der Kinderlähmung immer noch als weltweiter Notfall zu behandeln ist. "Seit Anfang 2010 ist diese Krankheit in 14 Ländern ausgebrochen. Es ist alarmierend und schädigend für das Programm, dass es immer noch zu diesen Überraschungen kommen kann. Die Ausrottung der Kinderlähmung ist kurzfristig immer noch möglich. Allerdings nur dann, wann es mehr politisches Engagement, eine gesicherte Finanzierung und eine bessere technische Ausstattung gibt", meint Donaldson.

Michaela Monschein | pressetext.redaktion
Weitere Informationen:
http://www.polioeradication.org

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