Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ausländische Patienten in Deutschland: Gäste vom Golf und "kleiner Grenzverkehr"

16.11.2009
Institut Arbeit und Technik empfiehlt strategische Entwicklung der grenzüberschreitenden Versorgung

Strategien zur Internationalisierung der Gesundheitswirtschaft sollten nicht allein auf die Anwerbung zahlungskräftiger Gastpatienten aus dem Ausland zielen, sondern vielmehr auf eine kooperative Planung von Versorgungsstrukturen in Grenzregionen.

Dabei geht es weniger darum, kurzzeitige Versorgungsengpässe oder lange Wartezeiten in einem der Länder zu kompensieren, als vielmehr grenzüberschreitende Angebote insbesondere bei aufwändigen Diagnosen und Therapien strategisch zu entwickeln. Das empfiehlt eine aktuelle Studie des Instituts Arbeit und Technik (IAT / Fachhochschule Gelsenkirchen) zur Internationalisierung der Gesundheitswirtschaft.

Die Behandlung ausländischer Patienten in deutschen Krankenhäusern hat im Jahr 2007 um 9,4 Prozent auf 58.765 Fälle zugelegt. Diese stellten allerdings nur einen Bruchteil der insgesamt 17 Millionen Behandlungsfälle mit Leistungen von rund 64 Mrd. Euro in den deutschen Krankenhäusern. Die Gewinnung reicher Gastpatienten bleibt ein Nischenmarkt mit eher geringen Wachstumspotenzialen. Denn obwohl die Zahl der ausländischen Patienten aus Russland, den Vereinten Arabischen Emiraten oder auch China wächst, kommt nach wie vor der überwiegende Teil der ausländischen Patienten aus den Nachbarländern, stellen die IAT-Wissenschaftler Stephan von Bandemer, Kinga Salewski und Robert Schwanitz im aktuellen Forschungsbericht fest.

Bundesweiter Spitzenreiter bei der Behandlung ausländischer Patienten ist der Standort München mit 5.829 Fällen, gefolgt von Aachen mit 3.947 und Berlin mit 2.529 Behandlungsfällen (2007). Der größte Anteil der Gastpatienten konzentriert sich auf die grenznahen Regionen mit grenzüberschreitender Mobilität, aber auch entsprechenden Versorgungsangeboten. Bei vier von fünf ausländischen Patienten handelt es sich um Notfälle, die eine sofortige Akutbehandlung erfordern. Hier profitiert die Gesundheitswirtschaft vom allgemeinen Tourismus bzw. internationaler Mobilität, ist aber nicht selbst ursächlich für die Gastpatienten.

Auf Grund der geringen Nachfrage und des damit verbundenen Wettbewerbs um Patienten ist die bewusste Akquise ausländischer Patienten nach Einschätzung der IAT-Wissenschaftler nur vereinzelt für wenige Krankenhäuser interessant und lukrativ, zumal der Aufwand für die Behandlung und Unterbringung ausländischer Patienten und ihrer Begleiter enorm ist: der Service der Krankenhäuser reicht von mehrsprachigen Internetportalen und Broschüren über die Organisation von Unterkünften, Dolmetschern und Kulturprogrammen bis hin zu Gebetsräumen in den Kliniken.

Internationalisierungskonzepte, die auf eine grenzüberschreitende Versorgung ausländischer Patienten in grenznahen Kliniken zielen, versprechen dagegen größere Erfolgsaussichten, meinen die IAT-Forscher. So könne etwa die gemeinsame Nutzung von diagnostischen Großgeräten die Investitionskosten refinanzieren oder geringe Nachfrage - wie z.B. in der Pädiatrie - durch ein interdisziplinäres, länderübergreifendes Angebot in Grenzregionen kompensiert werden. Auch sollte bei aufwändigeren Therapien, die überwiegend in bestimmten Behandlungszentren durchgeführt werden, die Nähe zum Wohnort in Grenzregionen nicht nur innerhalb der eigenen Staatsgrenzen berücksichtigt werden, wenn im Nachbarland ebenfalls adäquate Versorgungsstrukturen vorhanden sind.

Aktuelle Publikation: http://www.iat.eu/forschung-aktuell/2009/fa2009-11.pdf

Für weitere Fragen stehen Ihnen zur Verfügung:
Stephan von Bandemer, Tel. : 0209/1707-115, E-Mail: bandemer@iat.eu, Kinga Salewski, Tel.: 0209/1707-177, E-Mail: salewski@iat.eu; Robert Schwanitz, Tel.: 0209/1707-172, E-Mail: schwanitz@iat.eu
Institut Arbeit und Technik
der Fachhochschule Gelsenkirchen
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Claudia Braczko
Munscheidstraße 14
45886 Gelsenkirchen
Tel.: +49-209/1707-176
Fax: +49-209/1707-110
E-Mail: braczko@iat.eu
info@iat.eu

Claudia Braczko | idw
Weitere Informationen:
http://www.iat.eu
http://www.iat.eu/forschung-aktuell/2009/fa2009-11.pdf

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Studie zu sicherem Autofahren bis ins hohe Alter
19.06.2017 | Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelles und umweltschonendes Laserstrukturieren von Werkzeugen zur Folienherstellung

Kosteneffizienz und hohe Produktivität ohne dabei die Umwelt zu belasten: Im EU-Projekt »PoLaRoll« entwickelt das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT aus Aachen gemeinsam mit dem Oberhausener Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheit- und Energietechnik UMSICHT und sechs Industriepartnern ein Modul zur direkten Laser-Mikrostrukturierung in einem Rolle-zu-Rolle-Verfahren. Ziel ist es, mit Hilfe dieses Systems eine siebartige Metallfolie als Demonstrator zu fertigen, die zum Sonnenschutz von Glasfassaden verwendet wird: Durch ihre besondere Geometrie wird die Sonneneinstrahlung reduziert, woraus sich ein verminderter Energieaufwand für Kühlung und Belüftung ergibt.

Das Fraunhofer IPT ist im Projekt »PoLaRoll« für die Prozessentwicklung der Laserstrukturierung sowie für die Mess- und Systemtechnik zuständig. Von den...

Im Focus: Das Auto lernt vorauszudenken

Ein neues Christian Doppler Labor an der TU Wien beschäftigt sich mit der Regelung und Überwachung von Antriebssystemen – mit Unterstützung des Wissenschaftsministeriums und von AVL List.

Wer ein Auto fährt, trifft ständig Entscheidungen: Man gibt Gas, bremst und dreht am Lenkrad. Doch zusätzlich muss auch das Fahrzeug selbst ununterbrochen...

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Event News

Plants are networkers

19.06.2017 | Event News

Digital Survival Training for Executives

13.06.2017 | Event News

Global Learning Council Summit 2017

13.06.2017 | Event News

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

EUROSTARS-Projekt gestartet - mHealth-Lösung: time4you Forschungs- und Entwicklungspartner bei IMPACHS

28.06.2017 | Unternehmensmeldung

Proteine entdecken, zählen, katalogisieren

28.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Scheinwerfer-Dimension: Volladaptive Lichtverteilung in Echtzeit

28.06.2017 | Automotive