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Afrika: Ende des Hungers in Sicht

02.12.2010
Wandel zum Selbstversorger innerhalb einer Generation möglich

Afrika hat alle Voraussetzungen, sein Ernährungsproblem zu lösen und schon in einer Generation zum Selbstversorger zu werden. Das ist das Ergebnis einer Studienreihe zur Landwirtschaft Afrikas, die Forscher der Bill and Melinda Gates Foundation im Buch "The New Harvest" präsentieren.

"Das Jahrhundert, in dem Afrika Rohmaterialien exportierte und Nahrung importierte, ist zu Ende. Afrika beginnt, seine Landwirtschaft zu erneuern. Die Chancen stehen gut, dass dies Antrieb für regionalen Handel und Wohlstand gibt", erklärt der Ökonom Calestous Juma von der Harvard University http://www.harvard.edu im pressetext-Interview.

Vom Hungerleider zum Exporteur

Bisher stand es schlecht um Afrikas Ernährung. Seit 1970 sank die Lebensmittelproduktion aufgrund fehlender Investitionen um zehn Prozent, und auch die Erträge, das Einkommen der Bauern oder die Armutsrate stagnierten. Obwohl 70 Prozent der Afrikaner in der Landwirtschaft arbeiten, sind 250 Mio. Menschen unterernährt - 100 Mio. mehr als noch 1990. Rückstände gibt es besonders in der Technik: Nur vier Prozent der Äcker werden bewässert, zudem sind Düngemittel, Pestizide und hochqualitatives Saatgut ebenso teuer wie landwirtschaftliche Geräte. Durch den Klimawandel spitzt sich die Situation zu.

Afrika muss sich selbst helfen und kann das Blatt durchaus wenden, so das Credo der Experten. "Der heutige Zustand beweist, dass die Hilfeleistungen durch Europa und die USA Afrika nicht satt machen. Die Vorzeichen stehen jedoch gut dafür, dass der Kontinent seine großen Ressourcen besser nutzt und sogar zum Selbstversorger wird. Zwar wird er weiter importieren - jedoch auf Basis eines Einkommens, das wiederum die Fähigkeit zum eigenen Anbau braucht. Je eher Afrika sich selbst ernähren kann, desto mehr kann es importieren", betont Juma.

Neue Politikergeneration macht Hoffnung

Drei Eckpfeiler hat eine derartige Entwicklung, betont Juma, wobei Wissenschaft und Technik an erster Stelle stünden. "Der erste Schritt ist die Kommunikations-Infrastruktur, die es in Afrika dank der Mobiltelefonie bereits gibt. Die Elektrifizierung und der Transport müssen folgen, jedoch auch Bildung und Innovationen wie etwa jene der Biotechnologie", so der Experte. Zweitens müssen die Länder mehr zusammenarbeiten und nationale und regionale Märkte bilden, wie dies die südafrikanische Entwicklungsgemeinschaft (SADC) erfolgreich geschafft habe. Dritter Schwerpunkt sei ein neuer Führungsstil in der Politik.

"Die neue Politikergeneration, die eine good governance vorzeigt, gibt es bereits", betont Botlhale Octavia Tema, Direktorin der Organisation "African Creative Connections", gegenüber pressetext. War Afrika vor zehn Jahren noch voller Krisenherde, so herrsche heute mit wenigen Ausnahmen Frieden. "Demokratie ist die Regel und fast überall gab es kürzlich Wahlen. Ruanda etwa wurde bereits als tot bezeichnet, doch seine Politiker haben binnen kurzer Zeit das Gegenteil bewiesen. Malawi schaffte es binnen nur zwei Jahren zum Nettoexporteur von Lebensmitteln und auch Tansania und Burkina Faso modernisieren sich äußerst aktiv, um nur Beispiele zu nennen", so die Expertin.

Hirse statt Weizen und Soja

Das Potenzial Afrikas wird derzeit am ehesten von China, Indien und Brasilien erkannt, die zunehmend strategisch in den Kontinent investieren und etwa Ländereien aufkaufen. Obwohl sich daraus teils auch ökologische Probleme ergeben, kann Afrika in den Augen der beiden Experten davon langfristig profitieren. "Dringend benötigtes Know-how kommt damit ins Land", so Juma. Zudem verdeutlichten die Investitionen, dass in Afrika noch viel Land verfügbar ist. Nachhaltig ist die Entwicklung für die Forscher dann, wenn dabei ländliche Gebiete gestärkt werden und ein besonderer Fokus auf Frauen-Empowerment liegt.

Dass der Klimawandel und die fortschreitende Wüstenbildung Afrikas Böden zu schaffen macht, weisen auch die beiden Wissenschaftler nicht von der Hand. Mit "nicht nutzbar" sei dies jedoch oft nicht gleichzusetzen. "Für Weizen, Reis, Mais oder Sojabohnen sind vielen Flächen ungeeignet. Traditionelle Getreidesorten wie etwa Hirse sowie Yams oder der Brotfruchtbaum gedeihen jedoch vorzüglich. Mit diese Nahrungspflanzen, die von den Entwicklungsprogrammen kaum berücksichtigt werden, könnte Afrika neue Produkte auf den Weltmarkt exportieren", betont Juma.

Johannes Pernsteiner | pressetext.redaktion
Weitere Informationen:
http://www.gatesfoundation.org
http://www.harvard.edu

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