Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

200.000 Euro gegen Stress: Psychologen erforschen ob ein Wir-Gefühl im Studium vor Stress schützt

16.05.2012
Ob und wie ein Wir-Gefühl in sozialen Gruppen Schutz vor Stress im Studium bieten kann, daran forschen Psychologen der Stiftung Universität Hildesheim in Labor- und Feldstudien in den nächsten drei Jahren.

„Gruppen wirken nur dann als Stresspuffer, wenn sich in der Gruppe ein Wir-Gefühl entwickelt“, so die Annahme der Wissenschaftler Prof. Dr. Andreas Mojzisch und Dr. Jan Häusser. Das Land Niedersachsen fördert mit dem Forschungsprogramm „PRO*Niedersachsen“ das Forschungsvorhaben „Uns macht Stress nichts aus“ der Hildesheimer Psychologen mit rund 200.000 Euro. Mit den Ergebnissen der Studien sollen Interventionen abgeleitet werden, mit denen sich Stress im Studium reduzieren lässt.

Prof. Dr. Andreas Mojzisch und Dr. Jan Häusser vom Institut für Psychologie untersuchen bis Mai 2015 in Labor- und Feldstudien, wie Gruppen als Stresspuffer wirken können und welche Rolle ein Wir-Gefühl dabei spielt. Damit erweitern sie die traditionellen Ansätze in der Stressforschung um eine sozialpsychologische Komponente. Zugleich lassen sich aus den Ergebnissen der vier Studien konkrete Interventionen ableiten, mit denen sich Stress im Studium reduzieren lässt.

Gefördert wird das dreijährige Forschungsvorhaben „Uns macht Stress nichts aus: eine geteilte soziale Identität als Stresspuffer im Studium“ mit 198.000 Euro durch das Land Niedersachsen.

„Niedersachsen hat hervorragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in den Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften. Die Qualität der geförderten Projekte spiegelt den Ideenreichtum und die Forschungsleistung des Landes wider“, betonte Wissenschaftsministerin Professor Dr. Johanna Wanka. Das PRO*Niedersachsen-Programm fördert 16 geistes-, kultur- und sozialwissenschaftliche Forschungsvorhaben mit insgesamt 2,3 Millionen Euro.

„Im Mittelpunkt des Forschungsvorhabens steht die Hypothese, dass eine geteilte soziale Identität – ein Wir-Gefühl – einen Schutz vor Stress im Studium darstellt“, erklären die Hildesheimer Psychologen Andreas Mojzisch und Jan Häusser. Damit steht das Forschungsvorhaben im Gegensatz zu den traditionellen Ansätzen in der Stressforschung, die Stress als ein individualpsychologisches Phänomen betrachten. „Diesen Ansätzen liegt die Annahme zugrunde, dass es der einzelne Student ist, der mit der Belastung im Studium nicht umgehen kann. Wir verfolgen dagegen einen sozialwissenschaftlichen Ansatz und argumentieren, dass es darauf ankommt, den sozialen Kontext des Stresserlebens zu berücksichtigen“, unterstreicht Mojzisch. Der Professor für Sozialpsychologie forscht seit 2011 an der Stiftung Universität Hildesheim über Entscheidungsprozesse in Gruppen und experimentelle Gesundheitspsychologie.

Die bisherige Forschung zur sozialen Unterstützung in Gruppen zeigt, dass Gruppen auch eine Bedrohung darstellen können („Der andere ist besser“). „Gruppen wirken nur dann als Stresspuffer, wenn sich in der Gruppe ein Wir-Gefühl entwickelt – zum Beispiel ‚Wir stehen das gemeinsam durch‘“, so die Annahme der Hildesheimer Psychologen. Das Studium stellt eine biografische Übergangsphase dar, daher untersuchen die Hildesheimer Psychologen bis 2015 insbesondere Studienanfänger. „Bestehende Gruppenmitgliedschaften drohen verlorenzugehen, zum Beispiel der Freundeskreis aus der Schulzeit“, erklärt Jan Häusser. „Neue Gruppenmitgliedschaften müssen erschlossen werden. Wir nehmen an, dass sich ein Wir-Gefühl innerhalb der Gruppe der Studierenden als auch zwischen den Studierenden und Lehrenden entwickeln kann.“ Beide wirken als Stresspuffer.

In Laborstudien werden die Wissenschaftler des Instituts für Psychologie das subjektive Stresserleben und die hormonelle Stressreaktion erfassen. In Feldstudien soll anschließend zum Beispiel eine reale mündliche Prüfung als stressinduzierende Situation untersucht werden. Über einen Zeitraum von zwei Jahren überprüfen die Wissenschaftler in einer Längsschnittstudie die Annahme, dass sich beim Übergang ins Studium sowohl das Bewahren bestehender Gruppenmitgliedschaften als auch das Erschließen neuer Gruppenmitgliedschaften positiv auf das Wohlbefinden und die Gesundheit auswirken.

KONTAKT:
Prof. Dr. Andreas Mojzisch
Institut für Psychologie
Stiftung Universität Hildesheim
Telefon: 05121.883-497 (oder Pressestelle, Isa Lange 05121.883-102)
E-Mail: mojzisch[at]uni-hildesheim.de
Dr. Jan Häusser
Institut für Psychologie
Stiftung Universität Hildesheim
Telefon: 05121.883-483
E-Mail: haeusser[at]uni-hildesheim.de
Presseinformation des Wissenschaftsministeriums und Liste der geförderten 16 Forschungsvorhaben: http://www.mwk.niedersachsen.de/portal/live.php?navigation_id=6257&article_id=105925&_psmand=19

Isa Lange | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-hildesheim.de/index.php?id=psychologie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Europaweite Studie zu „Smart Engineering“
30.03.2017 | IPH - Institut für Integrierte Produktion Hannover gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

Jenaer Akustik-Tag: Belastende Geräusche minimieren - für den Schutz des Gehörs

27.04.2017 | Veranstaltungen

Ballungsräume Europas

26.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Kaltwasserkorallen: Versauerung schadet, Wärme hilft

27.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

IAB-Arbeitsmarktbarometer: Arbeitsmarkt bleibt im Aufwind

27.04.2017 | Wirtschaft Finanzen

Wurmmittel für Weidetiere können die Keimung von Pflanzensamen beeinflussen

27.04.2017 | Agrar- Forstwissenschaften