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Neue Zahlen zu Krebserkrankungen in den Bundesländern

20.02.2012
Starker Anstieg der dokumentierten Brustkrebs- und Hautkrebsneuerkrankungen – Die Screeningmaßnahmen werden sichtbar

Der interaktive Atlas der Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister e.V. (GEKID) präsentiert ab sofort unter www.gekid.de die aktuellen Zahlen zum Krebsgeschehen aus den epidemiologischen Krebsregistern der Bundesländer.

„Wir stellen für die Jahre 2008 und 2009 im Vergleich zum Jahr 2007 einen deutlichen um etwa 10 Prozent bzw. 20 Prozent Anstieg bei Brustkrebs und bei Hautkrebs fest“, erklärt der Vorsitzende der GEKID, Prof. Dr. Alexander Katalinic, Universität zu Lübeck. „Dieser Anstieg dürfte mit der bundesweiten Umsetzung des Mammographie-Screenings und des Hautkrebs-Screenings zusammenhängen.“

Für das Jahr 2009 geht die GEKID von etwa 481.000 neuen Krebserkrankungen in Deutschland aus. Am häufigsten erkranken Männer in Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-Westfalen (RB Münster) an Krebs. In diesen beiden Regionen liegen die Neuerkrankungsraten um rund 10 Prozent über der Deutschlandschätzung (511 Erkrankungen/100.000 Einwohner beziehungsweise 496/100.000, jeweils altersstandardisierte Rate, Europa-Standardbevölkerung). Bei den Frauen werden die häufigsten Krebsneuerkrankungen in den nördlichen Bundesländern Hamburg (410/100000) und Schleswig-Holstein (388/100.000) festgestellt, die beide über der Deutschlandschätzung liegen.

„Neben den kurzfristigeren Veränderungen durch Screeningmaßnahmen zeigt sich bei den beobachteten Erkrankungszahlen ein längerfristig ansteigender Trend – unter anderem auch aufgrund des zunehmenden Bevölkerungsanteils älterer Menschen“, erklärt Dr. Stefan Hentschel, der 2. Vorsitzende der GEKID. „Die Zahl der in den Krebsregistern dokumentierten Krebsneuerkrankungen war 2009 um etwa 45.000 höher als im Jahr 2003, das bedeutet pro Jahr eine durchschnittliche jährliche Zunahme von etwa 7.500.

Die Anzahl der Brustkrebserkrankungen bei Frauen hat im Jahr 2009 mit 72.000 Erkrankungsfällen den höchsten Stand in der Geschichte der Bundesrepublik erreicht. Dies entspricht einem Anstieg der Neuerkrankungshäufigkeit von 18 Prozent seit 2003. Die höchsten (altersstandardisierten) Erkrankungsraten zeigen sich in Hamburg (151/100.000) und Schleswig-Holstein (148/100.000). Die stärkste Zunahme im Zeitverlauf sieht man in den ostdeutschen Bundesländern, auch wenn die Erkrankungshäufigkeit dort geringer ist als in den westlichen. Diese Entwicklung ist zu großen Teilen auf die vermehrte Diagnostik durch Einführung des Mammographie-Screenings für Frauen im Alter von 50 bis 69 Jahren zurückzuführen.

Auch bei Hautkrebserkrankungen zeigt sich seit Beginn des Hautkrebs-Screenings im Jahr 2008 eine deutliche Zunahme der registrierten Erkrankungszahlen. Beim malignen Melanom der Haut ist beispielsweise von einem Anstieg von 14.000 Fällen im Jahr 2003 auf rund 18.000 im Jahr 2009 auszugehen. Für das Jahr 2009 sind hierbei die höchsten Erkrankungsraten bei den Männern in Niedersachsen und Bayern zu finden (13 Prozent und 7 Prozent höher als in Deutschland insgesamt). Bei den Frauen liegen in Niedersachsen und in Nordrhein-Westfalen die Neuerkrankungsraten 30 Prozent über dem Deutschlandwert.

Weitere und detaillierte Zahlen zu Krebsneuerkrankungen einschließlich anschaulicher Diagramme und Karten für „Krebs insgesamt“ und für 23 einzelne Tumorarten für die einzelnen Bundesländer kann jeder selbst im Internet unter www.gekid.de abrufen und vergleichen. Der neue aktualisierte Atlas der GEKID – mit Zahlen bis 2009 – hilft allen Interessierten, sich selbst ein Bild über das regionale Krebsgeschehen in Deutschland zu machen.

Hintergrund

In der GEKID e.V. sind alle deutschen epidemiologischen Krebsregister und verschiedene Wissenschaftler vertreten. Sie setzen sich insbesondere für die Förderung der bevölkerungsbezogenen Krebsregistrierung und die Krebsforschung ein. Für den Atlas haben die epidemiologischen Landeskrebsregister ihre aktuellen Fallzahlen der gemeldeten Krebsneuerkrankungen der Jahre 1995 bis 2009 zusammengeführt. Aus 14 von 16 Bundesländern liegen jetzt empirische Zahlen zu beobachteten Krebsneuerkrankungen in Deutschland vor. Zur orientierenden Einordnung der Zahl der Neuerkrankungen in den einzelnen Bundesländern hat die GEKID aus den Daten der Landeskrebsregister einen deutschen Vergleichsstandard hochgerechnet. Ergänzend werden für den gleichen Zeitraum in dem Atlas auch Daten zur Krebssterblichkeit präsentiert. Diese beruhen auf der Todesursachenstatistik des Statistischen Bundesamts und sind für alle Bundesländer ausgewiesen.

Für Rückfragen zu einzelnen Ländern stehen die jeweiligen Landeskrebsregister gerne zur Verfügung, deren Kontaktdaten ebenfalls über die Homepage www.gekid.de erhältlich sind.

Rüdiger Labahn | idw
Weitere Informationen:
http://www.gekid.de/

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