Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Tarifverdienste wachsen in Frankreich schneller als in Deutschland

27.06.2008
Die tariflichen Monatsverdienste der Arbeitnehmer stiegen nach Mitteilung des Statistischen Bundesamtes (Destatis) im Jahr 2007 gegenüber dem Vorjahr in Deutschland um 2,3% und in Frankreich um 2,7%.

Damit lagen die durchschnittlichen Tariferhöhungen in Deutschland das vierte Jahr in Folge unter denen in Frankreich. Die harmonisierten Verbraucherpreise erhöhten sich im Jahr 2007 in Deutschland um 2,3% und in Frankreich um 1,6%.

In Deutschland wiesen die tariflichen Monatsverdienste der Arbeitnehmer im Verarbeitenden Gewerbe 2007 mit 3,2% die höchste Steigerung auf. Dies lässt sich unter anderem auf Tariferhöhungen in der deutschen Metallindustrie, in der Chemischen Industrie und im Maschinenbau von bis zu 4,1% zurückführen. In den übrigen Wirtschaftsbereichen stiegen die Tarifverdienste der Arbeitnehmer durchschnittlich zwischen 0,9% (Bergbau und Gewinnung von Steinen und

Erden) und 1,7% (Verkehr und Nachrichtenübermittlung). Der Anstieg der Tarifverdienste lag in diesen Branchen somit unter dem der Verbraucherpreise.

Auch in Frankreich lagen 2007 die höchsten durchschnittlichen Tariferhöhungen bei 3,2%. Sie wurden von den Tarifbeschäftigten im Baugewerbe erzielt. Ein Grund für diese Entwicklung war die weiterhin große Nachfrage französischer Bauunter- nehmer nach qualifizierten Arbeitskräften. Aber auch in allen anderen Wirtschaftsbereichen stiegen die durchschnittlichen Tarifverdienste in Frankreich mit 2,0% oder mehr stärker als die Verbraucherpreise.

In Frankreich gibt es im Gegensatz zu Deutschland einen allgemein garantierten, gesetzlichen Mindestlohn (SMIC - salaire minimum interprofessionnel de croissance). Er wird von der Regierung unter Berücksichtigung des Anstiegs der Verbraucherpreise und der allgemeinen Lohnentwicklung jährlich zum 1. Juli errechnet. Zum 1. Juli 2007 wurde der Mindestlohn in Frankreich um 2,1% auf 8,44 Euro pro Stunde angehoben. Bei einer Wochenarbeitszeit von 35 Stunden entspricht dies 1 280 Euro pro Monat. Zudem wird der Mindestlohn automatisch angepasst, sobald die Verbraucherpreise seit der letzten Anpassung des SMIC um 2% oder mehr gestiegen sind. Daher erhöhte sich der SMIC zum 1. Mai 2008 auf 8,63 Euro (1 308 Euro pro Monat bei einer 35-Stunden-Woche). Im Übrigen kann die Regierung jederzeit eine Erhöhung des SMIC beschließen.

In Deutschland gibt es nur für einzelne Branchen und Berufe verbindliche Mindestlöhne. Am 1. September 2007 galten branchenspezifische Mindestlöhne für fünf Bauberufe. Sie lagen zwischen 7,70 Euro für das Elektrohandwerk in den neuen Ländern und 12,50 Euro pro Stunde für Fachwerker, Maschinisten und Kraftfahrer im Baugewerbe im früheren Bundesgebiet. Mittlerweile gelten zudem Mindestlöhne im Gebäudereinigungshandwerk und bei Briefdienstleistern. Um Mindestlöhne einzuführen, müssen sich in Deutschland Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften einer Branche auf einen tariflichen Mindestlohn einigen und beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales Allgemeinverbindlichkeit beantragen. Ist mindestens die Hälfte aller Arbeitnehmer bei tarifgebundenen Arbeitgebern beschäftigt, kann der Tarifvertrag als verbindlich erklärt werden. Er gilt dann auch für nicht tariflich gebundene Beschäftigte und Arbeitgeber dieser Branche.

Methodische Hinweise:
Für den deutsch-französischen Vergleich werden vom Statistischen Bundesamt (Destatis) und vom französischen Statistischen Zentralamt

(INSEE) Indikatoren zur Entgeltentwicklung jährlich zeitgleich in Wiesbaden und Paris veröffentlicht.

Der Arbeitnehmerindex errechnet sich aus dem Index der tariflichen Stundenlöhne sowie dem Index der tariflichen Monatsgehälter unter Berücksichtigung der Wochenarbeitszeit und der Beschäftigtenzahlen.

Die französischen Ergebnisse beruhen auf einer vierteljährlichen Erhebung der sogenannten Basislöhne für den letzten Monat jedes Quartals bei Betrieben mit zehn und mehr Beschäftigten.

Einbezogen werden das Produzierende Gewerbe, Handel, Transport und Nachrichtenübermittlung sowie Kredit- und Versicherungsgewerbe.

Zulagen und Prämien sowie Einmalzahlungen werden nicht berücksichtigt.

Der Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) wird in Deutschland vom Statistischen Bundesamt parallel zum nationalen Verbraucherpreisindex berechnet. Der HVPI dient der Inflationsmessung und wird vorrangig für den innereuropäischen Vergleich herangezogen.

Weitere Auskünfte geben:
Mirjam Bick,
Telefon: (0611) 75-4327,
E-Mail: verdienste@destatis.de
Nicolas Greliche,
Telefon: (0033) 14117 5464,
E-Mail: nicolas.greliche@insee.fr

Mirjam Bick | Statistisches Bundesamt
Weitere Informationen:
http://www.destatis.de

Weitere Berichte zu: Mindestlohn SMIC Tariferhöhung Tarifverdienst Verbraucherpreis

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Statistiken:

nachricht Frauenanteil in Professorenschaft 2015 auf 23 % gestiegen
14.07.2016 | Statistisches Bundesamt

nachricht Mehr Habilitationen von Frauen im Jahr 2015
28.06.2016 | Statistisches Bundesamt

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Statistiken >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Entzündung weckt Schläfer

29.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Mittelstand 4.0-Kompetenz­zentrum Stuttgart gestartet

29.03.2017 | Wirtschaft Finanzen

Energieträger: Biogene Reststoffe effizienter nutzen

29.03.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz