Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Umweltbezogene Agrarpolitik unter der Lupe

24.06.2011
Internationaler OECD-Workshop in Braunschweig

Mit welchen Methoden lassen sich die Wirkungen von Agrarumweltpolitiken analysieren? Das war die Leitfrage eines internationalen Workshops der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung), der vom 20. bis 22. Juni 2011 am Johann Heinrich von Thünen-Institut (vTI) in Braunschweig stattfand.

Rund 60 Experten aus 20 OECD-Ländern tauschten Erfahrungen über die Messung und Bewertung der Wirkungen umweltbezogener Politiken im Agrarbereich aus. Unterstützt wurde der Workshop vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, dem niederländischen Ministerium für Wirtschaft, Landwirtschaft und Innovation und dem vTI.

Immer mehr politische Maßnahmen verfolgen das Ziel, die Umweltwirkungen der Landwirtschaft zu verbessern. Deshalb steige auch das Interesse der Politik an Erfolgskontrollen, so Dimitris Diakosavvas von der OECD. Das Spektrum der während des Workshops betrachteten Maßnahmen reichte von Fachrecht und Cross Compliance über Agrarumweltmaßnahmen, Investitionshilfen und Beratung bis hin zu handelbaren Zertifikaten zur Verbesserung der Wasserqualität. Im Fokus stand, ob diese Politiken erfolgreich waren, bestimmte Umweltziele zu erreichen, und welche Rolle die Politik dabei spielt, Landwirte bei der Bereitstellung von öffentlichen Umweltgütern wie sauberem Wasser oder der Erhaltung der Biodiversität zu unterstützen.

In Zeiten knapper öffentlicher Haushalte gewinnt die Forderung „public money for public goods“, also die Konzentration öffentlicher Mittel auf die Bereitstellung öffentlicher Güter, an Bedeutung. Professor Folkhard Isermeyer, Präsident des vTI, wies zu Beginn der Veranstaltung darauf hin, dass mehr Anstrengungen zur Definition, Messung und Bewertung der konkreten Umweltleistungen erforderlich sind. Eine Konzentration der Agrarumweltpolitik auf Extensivierungsmaßnahmen sieht er kritisch, da ein Rückgang der landwirtschaftlichen Produktion zu negativen indirekten Effekten wie Intensivierung oder Landnutzungsänderungen andernorts führen kann, sodass bestimmte Ziele wie die Verringerung von Treibhausgas-Emissionen auf diese Weise nicht erreicht würden.

Die methodische Qualität der Evaluierungen und der gewonnene Erkenntnisstand haben sich nach Meinung der Experten gegenüber dem letzten OECD-Workshop im Jahr 2004 deutlich verbessert. Dennoch bleiben viele Herausforderungen für die Evaluierung bestehen. Der Nachweis, welche zusätzlichen (Netto-)Wirkungen die Politik erzielt hat („Additionalität“), ist nur schwer zu führen, da es – anders als bei naturwissenschaftlichen Experimenten – in der Regel keine ideale Kontrollgruppe von landwirtschaftlichen Betrieben ohne Politikeinfluss gibt. Roger Claassen vom Economic Research Service des US Department of Agriculture (USDA) zeigte am Beispiel bodenschonender Ackerbauverfahren in den USA, dass viele Landwirte auch ohne staatliche Förderung zunehmend mit solchen Verfahren arbeiten würden. Die Agrarumweltpolitik hätte zur Verbreitung beigetragen, Mitnahmeeffekte wären aber kaum zu verhindern.

Die Messung der ökologischen Wirksamkeit sowie erwünschter und unerwünschter Nebeneffekte ist stark von der Verfügbarkeit und Qualität von Daten abhängig. Für die Datenerhebung und Analyse müssen ausreichend Mittel bereitstehen. So berichtete Kimberly Green, Direktorin der ‘Sustainable Agriculture Policy, Land and Coasts Division’ des Australischen Landwirtschaftsministeriums in Canberra, dass aufgrund von Forderungen des nationalen Rechnungshofes verstärkt quantitative Ziele für Agrarumweltpolitiken formuliert worden sind. Die Mittel für Monitoing und Evaluierung würden heute etwa 10 % der gesamten Programmkosten erreichen.

Eine gute inhaltliche und räumliche Fokussierung von Agrarumweltmaßnahmen kann die Wirksamkeit der öffentlichen Förderung erhöhen. Dies zeigte Jaroslav Prazan vom Institut für Agrarökonomie in Prag anhand von räumlichen Analysen in der Tschechischen Republik. Ein Beispiel für privatwirtschaftliche Lösungen stellte Dennis O’Grady von der South Nation Conservation in Ontario, Kanada, vor. Hier stellen Klärwerksbetreiber Mittel zur Vermeidung von Phosphateinträgen der Landwirtschaft in die Oberflächengewässer zur Verfügung, da die Vermeidungskosten in der Wasserwirtschaft deutlich über denen in der Landwirtschaft liegen.

Auf großes Interesse stießen ergebnisorientierte Ansätze, die den Landwirten statt starrer Vorschriften und Bewirtschaftungsauflagen Ziele zur Umweltverbesserung setzen. Die Landwirte können diese Ziele dann mit Hilfe unterschiedlicher, an die jeweiligen Bedingungen angepasster Maßnahmen erreichen.

Nach zwei Tagen mit Vorträgen und Diskussion fand am 22. Juni eine Exkursion mit 50 Teilnehmern in die Bördelandschaft der Landkreise Wolfenbüttel und Helmstedt statt. Dort wurden den internationalen Teilnehmern konkrete Umwelt- und Naturschutzaktivitäten von Landwirten in dieser intensiv ackerbaulich genutzten Region vorgestellt.

Dr. Michael Welling | vTI
Weitere Informationen:
http://www.vti.bund.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Seminare Workshops:

nachricht Dritter Workshop „Mensch-Roboter-Zusammenarbeit“
12.01.2017 | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

nachricht Leise und effektiv!
09.01.2017 | Haus der Technik e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Seminare Workshops >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Im Focus: Studying fundamental particles in materials

Laser-driving of semimetals allows creating novel quasiparticle states within condensed matter systems and switching between different states on ultrafast time scales

Studying properties of fundamental particles in condensed matter systems is a promising approach to quantum field theory. Quasiparticles offer the opportunity...

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Intelligente Haustechnik hört auf „LISTEN“

17.01.2017 | Architektur Bauwesen

Satellitengestützte Lasermesstechnik gegen den Klimawandel

17.01.2017 | Maschinenbau