Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kontaktmaterialien in der Nahrungskette

22.07.2011
Wie sicher sind Materialien und Gegenstände, die mit Lebensmitteln, Futtermitteln und Lebensmittel liefernden Tieren in Kontakt kommen?

Statusseminar am BfR zu Kontaktmaterialien in der Nahrungskette

Materialien, die mit Lebensmitteln in Kontakt kommen, müssen spezielle gesetzliche Sicherheitsanforderungen erfüllen. Es dürfen aus ihnen keine Stoffe in das Lebensmittel übergehen, die die Gesundheit der Verbraucherinnen und Verbraucher schädigen können. Für Materialien, die mit Futtermitteln in Kontakt kommen, gibt es solche speziellen Regelungen nicht.

In dem Statusseminar „Kontaktmaterialien in der Nahrungskette“ stellten sich rund 50 Expertinnen und Experten aus Universitäten, Forschungseinrichtungen, Verbänden, Industrie, Bundes- und Landesbehörden im Juli am Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Berlin die Frage, ob durch Stoffe, die bei der Produktion, Lagerung und Verarbeitung von Futtermitteln in das Futtermittel übergehen können, von dort auf das Tier und nicht zuletzt durch den Verzehr tierischer Produkte auch auf den Menschen, ein Risiko besteht. „Wir müssen prüfen, ob es erforderlich und möglich ist, Regelungen aus dem Lebensmittelbereich auf Futtermittel zu übertragen“, sagt BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel.

Das Statusseminar am BfR hatte das Ziel, Erkenntnisse zu einem möglichen Übergang von Stoffen aus Kontaktmaterialien in Lebens- und Futtermitteln entlang der Nahrungskette zu gewinnen. Während es für Lebensmittel, außer dem gesetzlichen Gebot der Lebensmittelsicherheit, in vielen Bereichen detaillierte Regelungen zum Übergang von Stoffen aus Kontaktmaterialien gibt, z.B. Weichmacher und Mineralöle, gelten für Futtermittel derartige Detailregelungen nicht.

Während der Produktion, Verarbeitung und Lagerung kommen Lebens- und Futtermittel jedoch mit einer Vielzahl an Materialien in Berührung. So wird das Getreide auf dem Feld mit dem Mähdrescher geerntet. Dabei kann es zu einem Abrieb von Metall- oder Kunststoffpartikeln sowie Farbbestandteilen kommen. Bei der Lagerung in Silos ist es denkbar, dass Stoffe aus den Silowänden in das Getreide übergehen. Bei der Futtermittelverarbeitung z.B. in Mischfutterwerken können über metallischen Abrieb Stoffe in das Futtermittel gelangen. Werden dem Futtermittel aus Konservierungsgründen Zusatzstoffe zugesetzt, könnten diese bewirken, dass sich aus der Verpackung Stoffe lösen und in das Futtermittel übergehen.

Tiere, die zur Gewinnung von Lebensmitteln gehalten werden, nehmen möglicherweise über Materialien in ihrer Lebensumgebung unerwünschte Stoffe auf. Materialien, die für Stalleinrichtungen genutzt werden, werden häufig von den Tieren „bearbeitet“, so dass bestimmte Stoffe von den Tieren aufgenommen werden können. Aus Tierschutzgründen wird den Tieren häufig Beschäftigungsmaterial aus Metall oder Kunststoff angeboten. Auch aus diesen Gegenständen können die Tiere Stoffe aufnehmen. Es stellt sich nicht nur die Frage der gesundheitlichen Auswirkungen auf das Tier, sondern auch der Anreicherung im Lebensmittel tierischen Ursprungs.

Im Verlauf des Statusseminars wurden Stoffe identifiziert, die für einen Eintrag aus Kontaktmaterialien in die Nahrungskette von Bedeutung sein könnten, aber auch Bereiche ermittelt, die kaum Eintrittswege bieten. Erste Angaben über Standzeiten von technischen Einrichtungen zur Lebens- und Futtermittelbe- und -verarbeitung (Verschleiß, Abrieb) wurden aufgezeigt, und werden im Nachgang der Veranstaltung weiter verfolgt. Bei Futtermittelverpackungen werden offenbar bereits die Regelungen aus dem Lebensmittelbereich angewandt. Spezielle Fragestellungen im Nachgang der Veranstaltung wie auch offene Themen für weitere Veranstaltungen, z.B. Kontakt von Lebensmitteln und Futtermitteln mit Materialien bei Lagerung und Transport, Bilanzierung von Stoffen bei der Lebensmittel- und Futtermittelherstellung, Übertragbarkeit von Modellen zur Berechnung des Stoffübergangs aus Kontaktmaterialien von Lebensmitteln auf Futtermittel, Betrachtung des Beschäftigungsmaterials als Konkurrenzprodukt zur Stalleinrichtung (z.B. Futtertrog, Tränke) sowie Eintrag von bioziden Wirkstoffen über Kontaktmaterialien, die mit Biozid-Produkten (z.B. Desinfektionsmitteln) behandelt wurden, wurden erörtert. Konzepte für die Abschätzung des Eintrags von Bioziden über Kontaktmaterialien werden derzeit auf EU-Ebene im Rahmen von Leitfäden erarbeitet.

Über das BfR

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist eine wissenschaftliche Einrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV). Es berät die Bundesregierung und die Bundesländer zu Fragen der Lebensmittel-, Chemikalien und Produktsicherheit. Das BfR betreibt eigene Forschung zu Themen, die in engem Zusammenhang mit seinen Bewertungsaufgaben stehen.

Dr. Suzan Fiack | idw
Weitere Informationen:
http://www.bfr.bund.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Seminare Workshops:

nachricht Workshop »Emissionsarme Bauprodukte und Wohngesundheit«
28.03.2017 | Fraunhofer-Institut für Holzforschung WKI

nachricht Nachwuchswissenschaftler blicken in die Quantenwelt
28.03.2017 | Max-Planck-Institut für Physik komplexer Systeme

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Seminare Workshops >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Organisch-anorganische Heterostrukturen mit programmierbaren elektronischen Eigenschaften

29.03.2017 | Energie und Elektrotechnik

Klein bestimmt über groß?

29.03.2017 | Physik Astronomie

OLED-Produktionsanlage aus einer Hand

29.03.2017 | Messenachrichten