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„Assistierte Ausbildung“: Brücke zwischen Betrieben und Jugendlichen

31.01.2013
GPC-Expertenworkshop zu neuen Ansätzen individueller Förderung in der Berufsbildung
Die Situation auf dem Ausbildungsmarkt erscheint widersprüchlich: Durch den demografischen Wandel und den immer spürbareren Fachkräftemangel steigt die Zahl der unbesetzten Ausbildungsstellen. Gleichzeitig können viele Jugendliche, die keine Top-Voraussetzungen mitbringen, ihren Wunsch nach einer betrieblichen Ausbildung nicht realisieren.

Zwischen den Bedarfen der Betriebe und den Voraussetzungen Jugendlicher kann das neue Konzept der „assistierten Ausbildung“ eine Brücke bilden. Die Idee besteht darin, dass Bildungsträger eine neue Rolle übernehmen: Sie werden zum Dienstleister sowohl für den Betrieb als auch für die Auszubildenden.

Das Good Practice Center (GPC) des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) hat diese Idee aufgegriffen. Als Teil der Wissenschafts-Politik-Praxis-Kommunikation des BIBB hat das GPC Gestaltungs- und Umsetzungsmöglichkeiten der „assistierten Ausbildung“ mit Bildungsträgern, Verbänden, Wirtschaft, Stiftungen, Politik und Verwaltung diskutiert.

Die Unterstützungsstrukturen beginnen schon vor der Ausbildung und können deren gesamte Dauer absichern. Die Betriebe profitieren dabei von einer Hilfe bei der Bewerberauswahl und der Ausbildungsorganisation. Sie werden qualifiziert für den pädagogischen Umgang mit unterstützungsbedürftigen Jugendlichen und können nach Bedarf auf Beratung und Begleitung zurückgreifen. Die Jugendlichen wiederum bereiten sich mit der Assistenz eines Bildungsträgers gezielt auf ihren Ausbildungsberuf und den Betrieb vor und erhalten während der Ausbildung die individuell erforderliche Unterstützung.

Auf dem Expertenworkshop „Gemeinsam Zukunftschancen sichern – neue Formen kooperativer Ausbildung“ des GPC und des Kooperationsverbundes Jugendsozialarbeit präsentierten sich Projekte, die die gemeinsame Grundidee einer „assistierten Ausbildung“ mit unterschiedlichen Schwerpunkten umsetzen:

• Das Projekt „Carpo“ in Baden-Württemberg zielt vor allem auf die Teilhabe unterschiedlicher Jugendlicher am normalen Ausbildungssystem und wendet sich an Zielgruppen wie Altbewerber/-innen und junge Eltern. Es legt besonderen Wert auf hohe Individualität in der Betreuung, je nach den unterschiedlichen Bedürfnissen der Jugendlichen und der Betriebe. Dazu gehören auch flexible Ausbildungsstrukturen, zum Beispiel wenn junge Mütter eine Teilzeitausbildung benötigen.

• Im Wuppermann Bildungswerk in Leverkusen orientiert sich die „Auftragsausbildung“ am betrieblichen Interesse. Im Auftrag der regionalen Metall- und Elektrounternehmen übernimmt die GmbH teilweise oder ganz die Ausbildung, die individuell und flexibel gestaltet werden kann.

• Auch in der BIBB‐Modellversuchsreihe „Neue Wege in die duale Ausbildung – Heterogenität als Chance für die Fachkräftesicherung“ werden „assistierte Ausbildungen“ erprobt, zum Beispiel beim Bildungsdienstleister „Zukunftsbau“ in Berlin sowie im Modellversuch „AnHand“ in der Region Aachen. Hier werden Jugendliche und Kooperationsunternehmen auf eine Ausbildung vorbereitet und während des Ausbildungsverhältnisses kontinuierlich begleitet.
Im Expertenkreis stieß die Konzeption der „assistierten Ausbildung“ auf positive Resonanz. Die für die Umsetzung notwendigen Rahmenbedingungen wurden durchaus kontrovers diskutiert – so der Vorschlag, die „assistierte Ausbildung“ durch Umwidmung von Geldern zu finanzieren, die bislang für außerbetriebliche Ausbildung verwendet werden.

Der GPC-Expertenworkshop bildete den Auftakt, die „assistierte Ausbildung“ stärker in die berufsbildungspolitische Diskussion einzubringen und zu ihrer Verbreitung in der Praxis beizutragen. Das GPC im BIBB stellt hierfür Informationen und Beispiele guter Praxis zur Verfügung.
Zum Hintergrund:
Das GPC im BIBB ist Ansprechpartner und Berater für die vielfältigen Belange im Bereich der Benachteiligtenförderung. Es bringt Erfahrungen, Methoden, Beispiele und Materialien der Benachteiligtenförderung in neue bildungspolitische Aufgabenstellungen ein und unterstützt die Weiterentwicklung dieses Handlungsfeldes in der beruflichen Bildung.

Ein Bericht zum GPC-Expertenworkshop ist verfügbar unter:
http://www.good-practice.de/infoangebote_beitrag4931.php,
die Gesamtdokumentation unter http://www.good-practice.de/4997.php
Ausführliche Berichte zu den genannten Projekten:
Carpo: http://www.good-practice.de/infoangebote_beitrag4156.php
Auftragsausbildung: http://www.good-practice.de/infoangebote_beitrag4863.php
BIBB-Modellversuchsförderschwerpunkt „Neue Wege/Heterogenität“: http://www.bibb.de/de/55819.htm

Andreas Pieper | idw
Weitere Informationen:
http://www.bibb.de
http://www.good-practice.de/4997.php

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