Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wo sind all die Sterne hin? - Dunkelwolke verdeckt Hunderte Hintergrundsterne

07.01.2015

LDN 483 [1] befindet sich rund 700 Lichtjahre von uns entfernt im Sternbild Schlange. Die Wolke enthält so viel Material in Form von Staub, dass sie das Licht der dahinter stehenden Sterne vollständig verschluckt.

Aufgrund dieser Eigenschaft werden Molekülwolken, die so dicht wie LDN 483 sind, als Dunkelwolke oder Dunkelnebel bezeichnet. Das scheinbare Fehlen von Sternen in LDN 483 und ähnlichen Gebilden lässt vermuten, dass sich an solchen Stätten überhaupt keine Sterne bilden können. Aber tatsächlich ist das genaue Gegenteil der Fall: Dunkelnebel bieten die beste Umgebung für die Entstehung von Sternen.


Es scheint, als fehlten einige Sterne auf diesem faszinierenden neuen ESO-Bild. Allerdings klafft in dem hier abgebildeten glitzernden Sternenmeer nicht wirklich eine schwarze Lücke, vielmehr handelt es sich um eine Dunkelwolke – eine Ansammlung von Gas und Staub – mit dem Namen LDN 483. Solche Wolken sind die Geburtsstätten künftiger Sterne. Entstanden ist diese Aufnahme von LDN 483 und seinem Umfeld mit dem Wide Field Imager, einer Kamera, die sich am MPG/ESO-2,2-Meter-Teleskop am La Silla-Observatorium der ESO in Chile befindet.

Astronomen, die den Prozess der Sternentstehung in LDN 483 erforschen, haben tief im verborgenen Inneren dieser Dunkelwolke einige neu entstandene Sterne entdeckt, die zu den jüngsten Exemplaren gehören, die man überhaupt beobachten kann. Bildhaft ausgedrückt handelt es sich um Sterne, die noch gar nicht geboren sind, sondern sich noch immer im Mutterleib befinden.

Im ersten Stadium der stellaren Entwicklung ist der künftige Stern noch nicht mehr als ein rundes Gebilde aus Gas und Staub, das sich infolge seiner Schwerkraft innerhalb der umgebenden Molekülwolke zusammenzieht. Dieser Protostern ist mit einer Temperatur von etwa -250°C noch sehr kalt und sendet deshalb nur Strahlung im langwelligen Submillimeterbereich des elektromagnetischen Spektrums aus [2]. Doch im Kern des werdenden Sterns steigen Temperatur und Druck nun an.

Diese früheste Phase des Sternwachstums dauert lediglich wenige Tausend Jahre. Für astronomische Maßstäbe ist das eine erstaunlich kurze Zeit, leuchten Sterne doch gewöhnlich mehrere Millionen oder Milliarden Jahre lang. In den darauffolgenden Phasen steigen Temperatur und Dichte des Protosterns im Laufe einiger Jahrmillionen an. Infolgedessen nimmt auch die Energie seiner Strahlung zu: Vom kalten, fernen Infrarot verschiebt sich das Maximum seiner Abstrahlung nach und nach über das nahe Infrarot bis zum sichtbaren Licht. Aus dem einst leuchtschwachen Protostern ist dann ein hell gleißend heller Stern geworden.

Wenn im Lauf der Zeit immer mehr Sterne aus den schwarzen Tiefen von LDN 483 auftauchen, wird sich die Dunkelwolke zunehmend auflösen und durchsichtig werden, man sagt sie verliert an Opazität. Die gegenwärtig von ihr verdeckten Hintergrundsterne werden dann sichtbar – aber bis dahin dauert es noch einige Jahrmillionen, und selbst dann werden sie von den jungen, hellen Sternen in der Wolke überstrahlt werden [3].

Endnoten


[1] Der Lynds Dark Nebula catalogue wurde von der US-amerikanischen Astronomin Beverly Turner Lynds zusammengestellt und 1962 veröffentlicht. Sie fand die dunklen Nebel durch Inaugenscheinnahme der Palomar Sky Survey-Fotoplatten.


[2] Das Atacama Large Millimeter/submillimeter Array (ALMA), das zum Teil durch die ESO betrieben wird, beobachtet im Submillimeter- und Millimeterbereich und eignet sich für die Untersuchung solcher sehr junger Sterne in Molekülwolken.


[3] Solch ein junger offener Sternhaufen ist hier zu sehen, sowie ein in seiner Entwicklung fortgeschrittenerer Sternhaufen hier.

Weitere Informationen

Die Europäische Südsternwarte ESO (European Southern Observatory) ist die führende europäische Organisation für astronomische Forschung und das wissenschaftlich produktivste Observatorium der Welt. Getragen wird die Organisation durch 15 Länder: Belgien, Brasilien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Italien, die Niederlande, Österreich, Portugal, Spanien, Schweden, die Schweiz und die Tschechische Republik. Die ESO ermöglicht astronomische Spitzenforschung, indem sie leistungsfähige bodengebundene Teleskope entwirft, konstruiert und betreibt. Auch bei der Förderung internationaler Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Astronomie spielt die Organisation eine maßgebliche Rolle. Die ESO betreibt drei weltweit einzigartige Beobachtungsstandorte in Nordchile: La Silla, Paranal und Chajnantor. Auf dem Paranal betreibt die ESO mit dem Very Large Telescope (VLT) das weltweit leistungsfähigste Observatorium für Beobachtungen im Bereich des sichtbaren Lichts und zwei Teleskope für Himmelsdurchmusterungen: VISTA, das größte Durchmusterungsteleskop der Welt, arbeitet im Infraroten, während das VLT Survey Telescope (VST) für Himmelsdurchmusterungen ausschließlich im sichtbaren Licht konzipiert ist. Die ESO ist der europäische Partner bei den neuartigen Teleskopverbund ALMA, dem größten astronomischen Projekt überhaupt. Derzeit entwickelt die ESO ein Großteleskop mit 39 Metern Durchmesser für Beobachtungen im Bereich des sichtbaren und Infrarotlichts, das einmal das größte optische Teleskop der Welt werden wird: das European Extremely Large Telescope (E-ELT).

Die Übersetzungen von englischsprachigen ESO-Pressemitteilungen sind ein Service des ESO Science Outreach Network (ESON), eines internationalen Netzwerks für astronomische Öffentlichkeitsarbeit, in dem Wissenschaftler und Wissenschaftskommunikatoren aus allen ESO-Mitgliedsländern (und einigen weiteren Staaten) vertreten sind. Deutscher Knoten des Netzwerks ist das Haus der Astronomie in Heidelberg.


Kontaktinformationen

Carolin Liefke
ESO Science Outreach Network - Haus der Astronomie
Heidelberg, Deutschland
Tel: 06221 528 226
E-Mail: eson-germany@eso.org

Richard Hook
ESO education and Public Outreach Department
Garching bei München, Germany

Tel: +49 89 3200 6655
E-Mail: rhook@eso.org

Dies ist eine Übersetzung der ESO-Pressemitteilung eso1501.

Dr. Carolin Liefke | ESO-Media-Newsletter
Weitere Informationen:
http://www.eso.org/public/germany/news/eso1501/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht MADMAX: Ein neues Experiment zur Erforschung der Dunklen Materie
20.10.2017 | Max-Planck-Institut für Physik

nachricht Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung
20.10.2017 | Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise