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Versteckt im Herzen eines Riesen

01.07.2015

Diese reichhaltige Aufnahme einer großen Zahl farbenfroher Sterne und leuchtenden Gases wurde vom Wide Field Imager (WFI) am MPG/ESO-2,2-Meter-Teleskop am La Silla-Observatorium der ESO in Chile aufgenommen. Sie zeigt einen jungen offenen Sternhaufen mit dem Namen NGC 2367, eine Ansammlung sehr junger Sterne, die im Zentrum einer riesigen und alten Struktur am Rand der Milchstraße angesiedelt ist.

Entdeckt wurde der helle Sternhaufen NGC 2367, der sich etwa 7000 Lichtjahre von der Erde entfernt im Sternbild Großer Hund befindet, am 20. November 1784 von dem unermüdlichen Beobachter Sir William Herschel.


Der farbenprächtige Sternhaufen NGC 2367

Herkunftsnachweis: ESO/G. Beccari

Die meisten Sterne des Sternhaufens, der gerade einmal seit etwa fünf Millionen Jahren existiert, sind jung und heiß und leuchten in einem intensiven blauen Licht. Der Kontrast, den sie in diesem neuen Bild mit dem seidig-roten Leuchten des umgebenden Wasserstoffgases darstellen, ist beeindruckend schön.

Offene Sternhaufen wie NGC 2367 sind in Spiralgalaxien wie der Milchstraße häufig anzutreffen, meistens bilden sie sich in deren äußeren Bereichen. Auf ihrer Reise zum galaktischen Zentrum werden sie von der Gravitation anderer Sternhaufen beeinflusst, ebenso von großen Gaswolken, denen sie sich unterwegs nähern.

Da offene Sternhaufen von Anfang an nur schwach durch ihre eigene Schwerkraft gebunden sind und konstant Masse verlieren, indem ein Teil ihres Gases von der Strahlung der jungen heißen Sterne weggeblasen wird, kommt es oft genug vor, dass Sterne von ihren Geschwistern getrennt werden. Genau das, so nimmt man an, passierte auch der Sonne vor vielen Jahren. Ein offener Sternhaufen überlebt erwartungsgemäß generell nur ein paar Hundert Millionen Jahre, bevor er komplett zerstreut ist.

Inzwischen dienen Sternhaufen als exzellente Fallbeispiele für Sternentstehung. All die einzelnen Sterne werden zur ungefähr selben Zeit aus derselben Materiewolke geboren, was bedeutet, dass sie untereinander leichter verglichen werden können, wodurch ihr Alter ohne weiteres bestimmt und ihre Entwicklung entschlüsselt werden kann.

Genau wie viele andere offene Sternhaufen ist NGC 2367 in einen Emissionsnebel eingebettet, in dem seine Sterne geboren werden. Die Überreste erscheinen als Schwaden und Wolken aus Wasserstoffgas, das von der ultravioletten Strahlung ionisiert wurde, die durch die heißesten Sterne emittiert wird.

Ungewöhnlich ist, dass wenn man aus dem Sternhaufen und seinem Nebel herausschwenkt, noch eine weitere, um einiges ausgedehntere Struktur deutlich wird: Man geht davon aus, dass NGC 2367 und der Nebel, in dem er enthalten ist, den Kern eines größeren Nebels mit dem Namen Brand 16 darstellen, der wiederum nur Teil einer riesigen Superblase mit der Bezeichnung GS234-02 ist.

Die GS234-02-Superblase liegt in Richtung der Außenbereiche unserer Galaxis, der Milchstraße. Es handelt sich um eine riesige Struktur, die Hunderte von Lichtjahre umfasst. Ihr Leben begann, als eine Gruppe primär massereicher Sterne, die starke Sternwinde ausstießen, einzelne expandierende Blasen aus heißem Gas erzeugten. Diese benachbarten Blasen verschmolzen letztendlich und bildeten eine Superblase.

Die Sterne in ihrer Mitte explodierten aufgrund ihrer kurzen Lebensspanne alle zu einer ähnlichen Zeit als Supernovae, so dass die Superblase sich noch weiter ausdehnte, bis zu dem Punkt, an dem sie mit anderen Superblasen verschmolz und die heutige Superblase formte. Das daraus entstandene Gebilde zählt zu einer der größtmöglichen Strukturen innerhalb einer Galaxie.

Dieses konzentrisch expandierende System, das genauso alt wie riesig ist, stellt ein wunderbares Beispiel für die verworrenen, zusammenhängenden Strukturen, die in Galaxien durch das Leben und Sterben von Sternen enstehen, dar.

Weitere Informationen

Die Europäische Südsternwarte (engl. European Southern Observatory, kurz ESO) ist die führende europäische Organisation für astronomische Forschung und das wissenschaftlich produktivste Observatorium der Welt. Getragen wird die Organisation durch 16 Länder: Belgien, Brasilien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Italien, die Niederlande, Österreich, Polen, Portugal, Spanien, Schweden, die Schweiz und die Tschechische Republik. Die ESO ermöglicht astronomische Spitzenforschung, indem sie leistungsfähige bodengebundene Teleskope entwirft, konstruiert und betreibt. Auch bei der Förderung internationaler Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Astronomie spielt die Organisation eine maßgebliche Rolle. Die ESO verfügt über drei weltweit einzigartige Beobachtungsstandorte in Chile: La Silla, Paranal und Chajnantor. Auf dem Paranal betreibt die ESO mit dem Very Large Telescope (VLT) das weltweit leistungsfähigste Observatorium für Beobachtungen im Bereich des sichtbaren Lichts und zwei Teleskope für Himmelsdurchmusterungen: VISTA, das größte Durchmusterungsteleskop der Welt, arbeitet im Infraroten, während das VLT Survey Telescope (VST) für Himmelsdurchmusterungen ausschließlich im sichtbaren Licht konzipiert ist. Die ESO ist einer der Hauptpartner bei ALMA, dem größten astronomischen Projekt überhaupt. Auf dem Cerro Armazones unweit des Paranal errichtet die ESO zur Zeit das European Extremely Large Telescope (E-ELT) mit 39 Metern Durchmesser, das einmal das größte optische Teleskop der Welt werden wird.

Die Übersetzungen von englischsprachigen ESO-Pressemitteilungen sind ein Service des ESO Science Outreach Network (ESON), eines internationalen Netzwerks für astronomische Öffentlichkeitsarbeit, in dem Wissenschaftler und Wissenschaftskommunikatoren aus allen ESO-Mitgliedsländern (und einigen weiteren Staaten) vertreten sind. Deutscher Knoten des Netzwerks ist das Haus der Astronomie in Heidelberg.

Kontaktinformationen

Carolin Liefke
ESO Science Outreach Network - Haus der Astronomie
Heidelberg, Deutschland
Tel: 06221 528 226
E-Mail: eson-germany@eso.org

Richard Hook
ESO Public Information Officer
Garching bei München, Germany
Tel: +49 89 3200 6655
Mobil: +49 151 1537 3591
E-Mail: rhook@eso.org

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Dies ist eine Übersetzung der ESO-Pressemitteilung eso1526.

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