Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Tunnelbauarbeiten für Röntgenlaser European XFEL abgeschlossen - wichtiger Meilenstein erreicht

15.06.2012
Beim Bau des Röntgenlasers European XFEL ist ein wichtiger Meilenstein erreicht: Der Bau des knapp 5,8 Kilometer langen Tunnelnetzes, das sich über eine Entfernung von 3,4 Kilometern von Hamburg Bahrenfeld bis nach Schenefeld in Schleswig-Holstein erstreckt, ist beendet. Die 11 Abschnitte der unterirdischen Anlage wurden plangemäß fertiggestellt.

Mit einem Investitionsvolumen von mehr als einer Milliarde Euro, wovon etwa 240 Millionen Euro auf Tunnel und unterirdische Gebäude entfallen, ist die neue internationale Forschungsanlage eines der größten wissenschaftlichen Vorhaben auf deutschem Boden. In den Tunneln sollen ab 2015 laserartige Röntgenblitze erzeugt werden, die völlig neue Einblicke in den Nanokosmos ermöglichen.

Prof. Dr. Massimo Altarelli, Geschäftsführer der European XFEL GmbH: „Der Tunnelbau gehört zu den schwierigsten Abschnitten des Baus. Wir freuen uns, dass diese Arbeiten jetzt planmäßig abgeschlossen werden konnten und wir unseren bei Auftragsvergabe angestrebten engen Kostenrahmen eingehalten haben. Bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der beteiligten Baufirmen möchten wir uns für die gute Arbeit bedanken. Mit ihrem Engagement haben sie uns unserem Ziel bereits ein gutes Stück näher gebracht. Wir Wissenschaftler werden unseren Beitrag dazu leisten, dass diese Anlage hervorragende Forschungschancen bietet, wenn sie in drei Jahren in Betrieb geht.“

Prof. Dr. Robert Feidenhans’l, Vorsitzender des European XFEL Council: „Elektronen werden von DESY in Hamburg aus mit annähernd Lichtgeschwindigkeit nach Osdorf fliegen, um dort hochintensive Röntgenblitze zu erzeugen, mit denen in der Experimentierhalle im angrenzenden Schenefeld neues Wissen und bahnbrechende Erkenntnisse gewonnen werden. Forscher aus aller Welt und unterschiedlichster Fachrichtungen werden hier ihre Experimente durchführen. Ich bin daher überzeugt, dass der Name Schenefeld künftig ein wichtiger Ortsname auf der Weltkarte der modernen Wissenschaft sein wird.“

Dr. Beatrix Vierkorn-Rudolph, Leiterin der Unterabteilung Großgeräte und Grundlagenforschung sowie Sonderaufgabe ESFRI am Bundesministerium für Bildung und Forschung: „Wir erwarten große Erfolge für Biowissenschaften, Materialforschung und Nanotechnologie mit dem European XFEL, wenn er in Betrieb geht. Der gerade fertiggestellte Tunnel verbindet nicht nur Hamburg und Schleswig-Holstein, sondern auch Wissenschaftlerund Wissenschaftlerinnen aus ganz Europa und darüber hinaus.“

Prof. Dr. Helmut Dosch, Vorsitzender des Direktoriums des Deutschen Elektronen-Synchrotrons DESY: „Mit dem termingerechten Abschluss der Tunnelbohrarbeiten haben wir einen wichtigen Meilenstein für diese einzigartige Forschungsanlage erreicht. Nach vielen Erd- und Betonarbeiten beginnt nun die Ausstattung mit technischer Infrastruktur und schließlich den Beschleunigerkomponenten – diese weiteren Bauphasen der Anlage sind jetzt sozusagen DESYs Kerngeschäft.“

Ullrich Reinke, Mitglied des Vorstands der HOCHTIEF Solutions AG: „Die Arbeitsgemeinschaft aus HOCHTIEF und Bilfinger wird hier in Hamburg den Beweis erbringen, dass komplexe Ingenieurbauwerke auch partnerschaftlich zwischen dem Kunden und Auftragnehmer, termingerecht und innerhalb des Kostenrahmens erbracht werden können.“ Der längste Tunnel der European-XFEL-Anlage ist der Beschleunigertunnel, der sich schnurgerade über eine Entfernung von 2,1 Kilometern durch den Hamburger Untergrund zieht. Danach gabelt sich das Tunnelsystem mehrfach, so dass fünf sogenannte Photonentunnel in die künftige Experimentierhalle münden. In zwischen Beschleuniger- und Photonentunneln liegenden Undulatortunneln werden die beschleunigten und gebündelten Elektronen durch spezielle Magnetanordnungen (Undulatoren) auf einen Slalomkurs gebracht, wobei sie laserlichtartige Röntgenblitze erzeugen. Zunächst werden die Tunnel mit der notwendigen Infrastruktur und Sicherheitseinrichtung ausgestattet.

Anschließend werden die Herzstücke der Anlage installiert: DESY übernimmt die Federführung bei Herstellung, Einbau und Betrieb des supraleitenden Elektronen-Linearbeschleunigers, während Ausstattung und Instrumentierung von Photonentunneln, Undulatorstrecken und der Experimentierhalle unter Leitung der European XFEL GmbH erfolgen. Ende 2015 wollen die Forscher hier erstmals Röntgenstrahlung erzeugen – später werden es dann bis zu 27.000 Blitze pro Sekunde sein, die zehn Trilliarden mal heller als die Sonne sind. Der Tunnelbau begann im Juli 2010 mit der Tunnelbohrmaschine TULA (TUnnel für LAser).

Im Januar 2011 startete die zweite Maschine AMELI (AM Ende LIcht) für die fünf in die Experimentierhalle mündenden Photonentunnel – mit einer schwierigen Mission: Wegen der besonderen Anordnung der Tunnel musste der 160 Tonnen schwere Koloss mehrfach umgesetzt und dann wieder startklar gemacht werden. Mit der Fertigstellung des letzten Teilstücks ist der Einsatz von AMELI nun beendet, die Arbeiten mit TULA konnten bereits im August letzten Jahres abgeschlossen werden.

Über Euroepean XFEL Der European XFEL wird als Großforschungsanlage der Superlative völlig neue Forschungsmöglichkeiten eröffnen. Forschergruppen aus aller Welt können hier atomare Details von Viren und Zellen entschlüsseln, dreidimensionale Aufnahmen im Nanokosmos machen, chemische Reaktionen filmen und Vorgänge wie die im Inneren von Planeten untersuchen. European XFEL ist eines der größten und ambitioniertesten europäischen Forschungsprojekte.

Derzeit beteiligen sich zwölf Länder: Dänemark, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Italien, Polen, Russland, Schweden, die Schweiz, die Slowakei, Spanien und Ungarn. Das Deutsche Elektronen-Synchrotron DESY ist Hauptgesellschafter der Forschungseinrichtung.

Dr. Bernd Ebeling | idw
Weitere Informationen:
http://www.xfel.eu
http://bilder.desy.de:9080/XFELmediabank/ListView.jsp?language=de&page=1&catalogID=16&categoryID=6592

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Waschen für die Mikrowelt – Potsdamer Physiker entwickeln lichtempfindliche Seife
02.12.2016 | Universität Potsdam

nachricht Quantenreibung: Jenseits der Näherung des lokalen Gleichgewichts
01.12.2016 | Forschungsverbund Berlin e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie