Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Rosetta: Braunschweiger Magnetometer wieder aktiv

25.03.2014

Das Warten hat ein Ende: Die Wissenschaftler um Prof. Dr. Karl-Heinz Glaßmeier vom Institut für Geophysik und extraterrestrische Physik der Technischen Universität Braunschweig konnten am Abend des 23. März 2014 das Rosetta-Magnetometer wieder aktivieren. Mit Freude können sie vermelden, dass ihr Messinstrument „Made in Braunschweig“ tadellos funktioniert.

Gemeinsam mit rund 300 Anwesenden fieberten die Braunschweiger Wissenschaftler um Prof. Karl-Heinz Glaßmeier am 20. Januar 2014 dem erlösenden „Aufwach-Signal“ der europäischen Weltraumsonde Rosetta entgegen.


Das Rosetta-Magnetometer „RPCMAG“

TU Braunschweig

Doch für die Experten des Instituts für Geophysik und extraterrestrische Physik begann am selben Abend eine weitere spanende Phase der Mission: Rund zwei Monate drehte sich für die Wissenschaftler alles um die Frage, ob ihr Magnetometer mit dem Codenamen „RPCMAG“ (Magnetometer im Verbund des internationalen Rosetta Plasma Consortiums) ebenfalls die Tiefschlafphase überstanden hat.

Am Abend des 23. März 2014 war es nun soweit: Bei einer Außentemperatur von -133°C wurde das Braunschweiger Magnetometer als eines der ersten wissenschaftlichen Instrumente für eine Stunde wieder aktiviert. „Nach einer endlosen Wartezeit von 76 Minuten kam die Erlösung: Das Gerät funktionierte sofort tadellos!“, berichtet Prof. Karl-Heinz Glaßmeier. Von der langen Wartezeit sollte man sich dabei nicht täuschen lassen, so der Experte, denn das Signal müsse knapp 1.4 Milliarden Kilometer zwischen Erde und Sonde und wieder zur Bodenstation zurücklegen.

In den nächsten Tagen wird nun das sogenannte Commissioning durchgeführt. Bei diesem Check wird das Braunschweiger Magnetometer, wie auch alle anderen Instrumente, intensiven Tests unterzogen.

Dabei wird es in alle vorgesehenen Betriebsmodi kommandiert, Daten werden in verschiedenen Raten aufgenommen und analysiert. „Nur so kann man sicher gehen, dass auch nach mittlerweile 10 jähriger Missionsdauer in den extremen Umweltbedingungen des interplanetaren Weltraums, alle Experimente noch wie geplant funktionieren.“, erläutert Prof. Glaßmeier.

Zweites Magnetometer folgt am 28. März

Am 28. März wird dann auch die Landeeinheit Philae wieder in Betrieb genommen. Auf Ihr befindet sich das zweite Instrument der Braunschweiger Physiker, das Magnetometer „ROMAP“. Beide Magnetometer werden am 16. April gemeinsam Testmessungen durchführen. Dauerhafte Magnetfeldmessungen im Sonnenwind sind ab Mai 2014 geplant. Anhand der Variationen des interplanetaren Magnetfeldes und etwaiger Wellenstrukturen in der Nähe des Zielkometen können die Braunschweiger Instrumente unter günstigen Randbedingungen möglicherweise als erste eine Aussage über die missionsrelevante Ausgasungsrate des Kometen treffen. Dieser Parameter wird ganz entscheidend Rosettas Flugbahn und die Landung von Philae im November diesen Jahres mitbestimmen. 

Die Braunschweiger Wissenschaftler sind hocherfreut über den Zustand ihres Instrumentes und erwarten gespannt die vielen Daten der nächsten Monate, um interessante neue Erkenntnisse im Bereich der Kometenphysik zu erlangen.

Aktueller Zustand von Rosetta

Die Raumsonde Rosetta befindet sich momentan in einer Entfernung von 690 Millionen km von der Erde und hat noch einen kleine Restdistanz von 5.4 Millionen Kilometern bis zum Zielkometen 67P/Churyumov-Gerasimenko zurückzulegen. Nachdem Rosetta aus Energiespargründen von Juli 2011 bis zum 20. Januar 2014 im Winterschlaf („Hibernation“) verweilte, bei dem bis auf einen „Wecker“ der ganze Satellit abgeschaltet war, werden jetzt sukzessive alle Systeme und Experimente wieder aktiviert, um schon während des mehrmonatigen Anflugs auf den Kometen wissenschaftliche Messungen durchführen zu können. Alle Satellitensysteme befinden sich nach Angaben der ESA in hervorragender Verfassung.

Kontakt
Prof. Dr. Karl-Heinz Glaßmeier
Institut für Geophysik und extraterrestrische Physik
Technische Universität Braunschweig
Mendelssohnstraße 3
38106 Braunschweig
Tel: +49 531 391 5214
Email: kh.glassmeier@tu-bs.de
www.igep.tu-bs.de

Weitere Informationen:

http://blogs.tu-braunschweig.de/presseinformationen/?p=6807

Stephan Nachtigall | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Forscher verwandeln Diamant in Graphit
24.11.2017 | Deutsches Elektronen-Synchrotron DESY

nachricht Proton-Rekord: Magnetisches Moment mit höchster Genauigkeit gemessen
24.11.2017 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Metamaterial mit Dreheffekt

Mit 3D-Druckern für den Mikrobereich ist es Forschern des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) gelungen ein Metamaterial aus würfelförmigen Bausteinen zu schaffen, das auf Druckkräfte mit einer Rotation antwortet. Üblicherweise gelingt dies nur mit Hilfe einer Übersetzung wie zum Beispiel einer Kurbelwelle. Das ausgeklügelte Design aus Streben und Ringstrukturen, sowie die zu Grunde liegende Mathematik stellen die Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift Science vor.

„Übt man Kraft von oben auf einen Materialblock aus, dann deformiert sich dieser in unterschiedlicher Weise. Er kann sich ausbuchten, zusammenstauchen oder...

Im Focus: Proton-Rekord: Magnetisches Moment mit höchster Genauigkeit gemessen

Hochpräzise Messung des g-Faktors elf Mal genauer als bisher – Ergebnisse zeigen große Übereinstimmung zwischen Protonen und Antiprotonen

Das magnetische Moment eines einzelnen Protons ist unvorstellbar klein, aber es kann dennoch gemessen werden. Vor über zehn Jahren wurde für diese Messung der...

Im Focus: New proton record: Researchers measure magnetic moment with greatest possible precision

High-precision measurement of the g-factor eleven times more precise than before / Results indicate a strong similarity between protons and antiprotons

The magnetic moment of an individual proton is inconceivably small, but can still be quantified. The basis for undertaking this measurement was laid over ten...

Im Focus: Reibungswärme treibt hydrothermale Aktivität auf Enceladus an

Computersimulation zeigt, wie der Eismond Wasser in einem porösen Gesteinskern aufheizt

Wärme aus der Reibung von Gestein, ausgelöst durch starke Gezeitenkräfte, könnte der „Motor“ für die hydrothermale Aktivität auf dem Saturnmond Enceladus sein....

Im Focus: Frictional Heat Powers Hydrothermal Activity on Enceladus

Computer simulation shows how the icy moon heats water in a porous rock core

Heat from the friction of rocks caused by tidal forces could be the “engine” for the hydrothermal activity on Saturn's moon Enceladus. This presupposes that...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mathematiker-Jahrestagung DMV + GDM: 5. bis 9. März 2018 an Uni Paderborn - Über 1.000 Teilnehmer

24.11.2017 | Veranstaltungen

Forschungsschwerpunkt „Smarte Systeme für Mensch und Maschine“ gegründet

24.11.2017 | Veranstaltungen

Schonender Hüftgelenkersatz bei jungen Patienten - Schlüssellochchirurgie und weniger Abrieb

24.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mathematiker-Jahrestagung DMV + GDM: 5. bis 9. März 2018 an Uni Paderborn - Über 1.000 Teilnehmer

24.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Maschinen über die eigene Handfläche steuern: Nachwuchspreis für Medieninformatik-Student

24.11.2017 | Förderungen Preise

Treibjagd in der Petrischale

24.11.2017 | Biowissenschaften Chemie