Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Riesiges Luftgewehr schießt Frachtgut ins All

08.10.2009
Jules-Verne-Konzept ermöglicht günstigen Gütertransport zur ISS

Der US-amerikanische Physiker John Hunter hat ein Modell eines gigantischen Luftgewehrs vorgestellt, dass Frachtgut ins Weltall abschießen soll und zu drastischen Kosteneinsparungen auf diesem Gebiet führen könnte.


Raumfahrt: Gigantisches Luftgewehr soll Raketen ersetzen (Foto: pixelio.de, Harry Hautumm)

Das Modell sieht einen 1,1 Kilometer langen Gewehrlauf vor und soll Nutzlasten mit einem Gewicht von bis zu 450 Kilogramm mit sechs Kilometern Geschwindigkeit pro Sekunde ins All befördern. Das Design für die neuartige Beförderungsart hat der tollkühne Physiker vergangene Woche am Space Investment Summit in Boston vorgestellt. Zusammen mit zwei weiteren Wissenschaftern soll das Unternehmen "Quicklaunch" in die Tat umgesetzt werden.

Das Gerät basiert auf einer früheren Erfindung Hunters aus den 90er Jahren. Das Gewehr hatte damals einen Lauf von mehr als 47 Metern Länge und verwendete komprimiertes Wasserstoffgas, um die einige Kilogramm schweren Projektile mit einer Geschwindigkeit von bis zu drei Kilometern pro Sekunde abzufeuern. Die Idee hinter Hunters riesigem Gewehr weckt Erinnerungen an den französischen Schriftsteller Jules Verne, der im 19. Jahrhundert in seinem Roman "Von der Erde zum Mond" darüber philosophierte, Menschen mithilfe einer gigantischen Waffe ins Weltall zu schießen.

Die Beschleunigungskräfte, die das Mega-Luftgewehr auslösen würde, wäre für Menschen und herkömmliche Satelliten allerdings tödlich. Das Gewehr könnte jedoch zum stabilen Transport von Raketentreibstoff verwendet werden und zum Beispiel die Internationale Raumstation (ISS) zu günstigeren Kosten mit Treibstoff versorgen, so Hunter. Auch künftige bemannte Mars-Missionen könnten beliefert werden. Um das Gewehr zu bauen, sind laut dem Wissenschafter 500 Mio. Dollar notwendig. Die Kosten, um es abzufeuern, wären jedoch bis zu zehnmal günstiger als derzeitige Antriebskonzepte.

"Versuche für alternative Antriebskonzepte in der Raumfahrt gab es bereits einige. Ein Ansatz etwa war, eine Trägerrakete in Höhe von zehn bis 15 Kilometern von einem herkömmlichen Flugzeug abzuklinken. Die Nutzlast lag hierbei allerdings nur bei 150 Kilogramm", berichtet Andreas Schütz, Raumfahrt-Spezialist vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) auf Nachfrage von pressetext. Allen diesen Bemühungen ist jedoch gemein, dass sie sich bisher nicht durchsetzen konnten, senkrecht startende Raketen seien nach wie vor das Haupttransportmittel in der Raumfahrt, berichtet Schütz.

Für Franklin Chang-Diaz, einem ehemaligen Astronaut und Physiker der Ad Astra Rocket Company, würde das "Jules-Verne-Konzept" auf dem Mond sinnvoller sein, da dort keine Atmosphäre vorhanden ist. Hunter ist dies zwar bewusst, durch die spitze Form des Projektils wäre der Widerstand beim Durchqueren der Erdatmosphäre allerdings gering, sagt er. Das Geschoss könnte die Erdatmosphäre demnach in 100 Sekunden passieren und würde mithilfe einer robusten Außenschicht nicht verglühen.

Jörg Tschürtz | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://spaceinvestmentsummit.com
http://www.dlr.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Neuartige Halbleiter-Membran-Laser
22.03.2017 | Universität Stuttgart

nachricht Seltene Erden: Wasserabweisend erst durch Altern
22.03.2017 | Universität Basel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Im Focus: Physiker erzeugen gezielt Elektronenwirbel

Einem Team um den Oldenburger Experimentalphysiker Prof. Dr. Matthias Wollenhaupt ist es mithilfe ultrakurzer Laserpulse gelungen, gezielt Elektronenwirbel zu erzeugen und diese dreidimensional abzubilden. Damit haben sie einen komplexen physikalischen Vorgang steuern können: die sogenannte Photoionisation oder Ladungstrennung. Diese gilt als entscheidender Schritt bei der Umwandlung von Licht in elektrischen Strom, beispielsweise in Solarzellen. Die Ergebnisse ihrer experimentellen Arbeit haben die Grundlagenforscher kürzlich in der renommierten Fachzeitschrift „Physical Review Letters“ veröffentlicht.

Das Umwandeln von Licht in elektrischen Strom ist ein ultraschneller Vorgang, dessen Details erstmals Albert Einstein in seinen Studien zum photoelektrischen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

Unter der Haut

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Neues Schiff für die Fischerei- und Meeresforschung

22.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Mit voller Kraft auf Erregerjagd

22.03.2017 | Biowissenschaften Chemie