Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neuer Weltrekord bei GSI - Hans Geissel hat die meisten Atomkerne entdeckt

28.02.2013
Einen neuen Weltrekord an der GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH in Darmstadt hat Professor Hans Geissel aufgestellt: Er steht mit 272 entdeckten Atomkernen an der Spitze der Weltrangliste.
Mit 59 neu produzierten Kernen hat er seinen Kollegen Professor Gottfried Münzenberg abgelöst. Münzenberg, vor seinem Ruhestand im Jahr 2005 ebenfalls Forscher bei GSI, hatte den Weltrekord bisher mit 219 Atomkernen inne. Als Labor führt weiterhin das Lawrence Berkeley National Laboratory in Berkeley, USA, mit 635 entdeckten Atomkernen die Statistik an. Hier liegt GSI auf Platz zwei mit 435 Atomkernen.

Die neue Rangliste veröffentlichte der Forscher Professor Michael Thoennessen von der Michigan State University in den USA bei einem Besuch im Februar 2013 bei GSI.

"Ohne meine Kollegen und die erstklassigen Forschungsmöglichkeiten bei GSI wäre das nicht möglich gewesen", erklärt Hans Geissel. "Besonderen Dank schulde ich unserem kürzlich verstorbenen ehemaligen Geschäftsführer Professor Paul Kienle, der den Bau des Fragmentseparators FRS und das Forschungsprogramm ermöglicht und bei vielen Experimenten, besonders bei der Kopplung mit dem Speicherring, persönlich bis vor kurzem aktiv mitgewirkt hat." Geissel ist Professor an der Universität Gießen und leitet die Forschung am GSI-Fragmentseparator, mit dem die meisten neuen Atomkerne gemessen wurden. Auch an der Planung für den Super-Fragmentseparator an der neuen Beschleunigeranlage FAIR ist er maßgeblich beteiligt. "Mit dem Super-FRS an FAIR werden wir innerhalb kürzester Zeit viele neue Atomkerne erzeugen und deren Eigenschaften messen. Wir sind zuversichtlich, dass wir mit FAIR den Weltrekord weiter verbessern werden. Wir arbeiten hart daran, dass die Anlage schnell fertiggestellt wird und für unsere internationale Forschung zur Verfügung steht."

"Für die Entdeckung eines neuen Atomkerns ist die Veröffentlichung von gemessener Masse und Ladung entscheidend. Hat ein Wissenschaftler diese beiden Kennzahlen experimentell ermittelt, gilt das als Beleg und wir nehmen ihn in die Liste auf", sagt Michael Thoennessen, der in seinem Forschungsprojekt, dem „Discovery of Isotopes Project“, Statistiken über die Entdeckungsgeschichte von Atomkernen erstellt. Gemeinsam mit seinen Studenten hat Thoennessen von allen Atomkernen die Entdecker sowohl nach Person als auch nach Labor anhand von wissenschaftlichen Fachpublikationen zusammengetragen. Platz zwei der Liste wird von Professor Marek Pfützner von der Universität Warschau belegt, der stark an den GSI-Experimenten beteiligt ist. Gottfried Münzenberg war Professor der Universität Mainz und GSI-Forscher und liegt nun auf Platz drei. Aus der Liste der Top 25 haben 22 Atomkern-Entdecker unter anderem bei GSI geforscht. Die neuen Ergebnisse von Geissel und seinen Kollegen wurden in der Fachzeitschrift Physics Letters B 2012 veröffentlicht.

"Hans Geissel ist ein herausragender Pionier der Jagd nach neuen Atomkernen, die in Sternexplosionen im Kosmos erzeugt werden. Er hat das Verständnis vom 'Leben und Vergehen' der Sterne durch seine Messungen in unserem GSI Helmholtzzentrum weit vorangetrieben", sagt Professor Karlheinz Langanke, GSI-Forschungsdirektor und theoretischer Physiker an der Technischen Universität Darmstadt.

Alle Materie auf der Erde ist aus Atomen aufgebaut. Atome, die dieselbe elektrische Ladung im Atomkern besitzen, werden als ein chemisches Element klassifiziert. Bislang sind 114 chemische Elemente bekannt. Von jedem Element gibt es verschiedene Sorten, die so genannten Isotope, deren Atomkerne zwar dieselbe elektrische Ladung besitzen, die sich jedoch durch ihre Masse unterscheiden. Die Entdeckung eines neuen Atomkerns entspricht somit der Entdeckung eines neuen Isotops. Insgesamt haben die Forscher über 3 000 Isotope beobachtet, weitere tausend unbekannte sind vorausgesagt.

Besonderes Interesse haben die Wissenschaftler an sehr schweren Isotopen eines Elements. Sie spielen zum Verständnis der Elemententstehung in Sternen und Sternexplosionen eine große Rolle. Aufgrund ihrer Kurzlebigkeit kommen sie jedoch auf der Erde nicht natürlich vor. Die Wissenschaftler versuchen deshalb, sie im Labor künstlich zu erzeugen. Dazu beschleunigen sie Atomkerne und schießen sie auf verschiedene Materialien. Beim Aufprall entstehen die neuen Isotope als Fragmente. Mithilfe des Fragmentseparators bei GSI können sie gezielt aussortiert und untersucht werden.

Dr. Ingo Peter | idw
Weitere Informationen:
http://www.gsi.de
http://www.gsi.de/start/aktuelles/detailseite/datum/2013/02/28/neuer-weltrekord-bei-gsi.htm

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Lasing am Limit
15.02.2018 | Technische Universität Berlin

nachricht Forschung für die LED-Tapete der Zukunft
15.02.2018 | Universität Bremen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Im Focus: In best circles: First integrated circuit from self-assembled polymer

For the first time, a team of researchers at the Max-Planck Institute (MPI) for Polymer Research in Mainz, Germany, has succeeded in making an integrated circuit (IC) from just a monolayer of a semiconducting polymer via a bottom-up, self-assembly approach.

In the self-assembly process, the semiconducting polymer arranges itself into an ordered monolayer in a transistor. The transistors are binary switches used...

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Im Focus: Quantenbits per Licht übertragen

Physiker aus Princeton, Konstanz und Maryland koppeln Quantenbits und Licht

Der Quantencomputer rückt näher: Neue Forschungsergebnisse zeigen das Potenzial von Licht als Medium, um Informationen zwischen sogenannten Quantenbits...

Im Focus: Demonstration of a single molecule piezoelectric effect

Breakthrough provides a new concept of the design of molecular motors, sensors and electricity generators at nanoscale

Researchers from the Institute of Organic Chemistry and Biochemistry of the CAS (IOCB Prague), Institute of Physics of the CAS (IP CAS) and Palacký University...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Aachener Optiktage: Expertenwissen in zwei Konferenzen für die Glas- und Kunststoffoptikfertigung

19.02.2018 | Veranstaltungen

Konferenz "Die Mobilität von morgen gestalten"

19.02.2018 | Veranstaltungen

Von Bitcoins bis zur Genomchirurgie

19.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Die Zukunft wird gedruckt

19.02.2018 | Architektur Bauwesen

Fraunhofer HHI präsentiert neueste VR- und 5G-Technologien auf dem Mobile World Congress

19.02.2018 | Messenachrichten

Stabile Gashydrate lösen Hangrutschung aus

19.02.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics