Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neuer Sonderforschungsbereich für nichtlineare Dynamik

17.11.2010
Berlins Stellung als Forschungsstandort der theoretischen Physik und angewandten Mathematik entscheidend gestärkt

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat die Einrichtung des Sonderforschungsbereiches 910 (Sfb) zur Kontrolle nichtlinearer Systeme an der TU Berlin bewilligt. Damit wird Berlins Stellung als führender Forschungsstandort auf dem interdisziplinären Gebiet der nichtlinearen Dynamik national und international weiter ausgebaut. Sprecher des Sfb ist Prof. Dr. Eckehard Schöll, PhD vom Institut für Theoretische Physik der TU Berlin.

Unter dem Titel „Kontrolle selbstorganisierender nichtlinearer Systeme: Theoretische Methoden und Anwendungskonzepte” werden 17 Teilprojektleiterinnen und Teilprojektleiter aus drei Berliner Universitäten und drei außeruniversitären Forschungseinrichtungen an innovativen Kontrollstrategien und -methoden forschen. Der Sonderforschungsbereich ist theoretisch-methodisch orientiert und hat seinen Schwerpunkt in der Entwicklung neuartiger theoretischer Konzepte. Als Anwendungen werden Halbleiterquantenstrukturen und Nanokavitäten, weiche Materie im Nichtgleichgewicht, wie Kolloidsysteme und aktive Biomembranen, und neuronale Systeme und Netzwerke betrachtet.

Laufzeit und Fördermittel
Während der ersten Förderperiode von vier Jahren fließen rund sieben Millionen Euro Drittmittel von der DFG in den Sonderforschungsbereich. Geplant ist eine Gesamtlaufzeit von zwölf Jahren in drei Förderperioden mit einem Gesamtfördervolumen von mehr als 22 Millionen Euro.
Thematische Schwerpunkte und Zielsetzungen
Selbstorganisation, das heißt die spontane Bildung zeitlicher, räumlicher oder raum-zeitlicher Strukturen fern vom thermodynamischen Gleichgewicht, ist weit verbreitet in dissipativen, nichtlinearen, dynamischen Systemen in Physik, Chemie und Biologie. Das Ziel des Sfb ist es, solche dissipativen Strukturen wie Spiralwellen im Herzen und Gehirn gezielt zu kontrollieren und zu generieren. Durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen angewandten Mathematikern, theoretischen Physikern und Neuro-Informatikern werden neue Kontrollkonzepte und Kontrollmethoden entwickelt und auf ausgewählte Modellsysteme angewendet. Diese reichen von kondensierter Materie bis zu biologischen Systemen und um-fassen räumliche Skalen von Nanometer bis Mikro- und Millimeter. Dabei sollen verschiedene Kontrollbegriffe aus der nichtlinearen Dynamik und Chaoskontrolle, der klassischen Steuerungs- und Optimierungstheorie und der Quantenkontrolle zusammengeführt werden. „Ein wichtiges Konzept stellen Rückkopplungsschleifen dar, um instabile Zustände zu stabilisieren. Ein Beispiel hierfür ist die zeitverzögerte Rückkopplungskontrolle, die vielseitige Anwendungen finden kann zum Beispiel bei Lasern, in komplexen Netzwerken, in chemisch aktiven Systemen oder in der Biologie und Medizin, etwa bei Herzrhythmusstörungen und der Bekämpfung von Parkinson und Epilepsie“, erklärt Eckehard Schöll, dessen Arbeitsgruppe in den vergangenen Jahren Pionierarbeit bei der Entwicklung der zeitverzögerten Rückkopplungskontrolle geleistet hat.

Eine Langzeitvision dieses Sonderforschungsbereichs sind völlig neuarti-ge Anwendungen der Kontrollkonzepte der nichtlinearen Dynamik, etwa in der verschlüsselten optischen Kommunikation mit chaotischen Lasern oder bei neuartigen Therapien für Migräne und Schlaganfall. Weiterhin betreten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Bereich der weichen Materie mit ihren Kontrollkonzepten Neuland, aus dem beispielsweise neuartige intelligente weiche Materialien erwachsen können.

Mutige Berufungspolitik und hervorragende Rahmenbedingungen
Durch eine mutige und wegweisende Berufungspolitik am Institut für Theoretische Physik der TU Berlin während der vergangenen Dekade ist die nichtlineare Physik als ein profilgebender Schwerpunkt etabliert worden. Dadurch wurden die Weichen gestellt, die diesen Forschungsverbund ermöglichten. Die international führende Rolle des Standorts Berlin auf dem Gebiet der nichtlinearen Dynamik ist durch das ausgezeichnete interdisziplinäre wissenschaftliche Umfeld gekennzeichnet, in dem Wissenschaftler der TU Berlin, der FU Berlin, der Humboldt-Universität zu Berlin und zahlreicher außeruniversitärer Einrichtungen bereits seit Jahren zusammenarbeiten; stellvertretend sei der im Juni 2010 ausgelaufene Sonderforschungsbereich 555 „Komplexe nichtlineare Prozesse” genannt. Dessen Gründungsmitglied war Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Gerhard Ertl, Nobelpreisträger Chemie 2007.
Struktur des neuen Sonderforschungsbereiches
Der Sfb gliedert sich in zwei Projektbereiche: (A) Theoretische Methoden und (B) Anwendungskonzepte. Dabei beschäftigt sich der Bereich A mit grundlegenden, theoretischen Untersuchungen selbstorganisierender nichtlinearer Systeme. Durch seine interdisziplinäre Zusammensetzung bündelt er Expertise aus den Forschungsgebieten Theoretische Physik, Mathematik und Numerik sowie Neuroinformatik. Ziel ist ein fundamentales Verständnis erfolgreicher Kontrolle von selbstorganisierenden Prozessen.

Projektbereich B konzentriert sich auf die Anwendung der in Bereich A entwickelten Kontrollprinzipien auf beispielhaft ausgewählte innovative Modellsysteme mit einer großen Bandbreite unterschiedlicher Zeit- und Raumskalen. Die zu untersuchenden Modellsysteme stammen aus der Physik, Chemie und Biologie.

Die Mehrheit der 14 Teilprojekte ist in der Fakultät II Mathematik und Naturwissenschaften der TU Berlin angesiedelt. Dabei sind mit sieben Teilprojekten alle sechs Fachgebiete des Instituts für Theoretische Physik beteiligt. Ergänzt wird das Forschungsfeld durch drei Arbeitsgruppen des Instituts für Mathematik und eine Arbeitsgruppe des Instituts für Software-technik und Theoretische Informatik der Fakultät IV Elektrotechnik und Informatik der TU Berlin sowie je eine Arbeitsgruppe der Freien Universität Berlin, der Humboldt-Universität zu Berlin, des Fritz-Haber-Instituts der Max-Planck-Gesellschaft, der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt und des Weierstraß-Instituts für Angewandte Analysis und Stochastik.

Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses
Ein besonderes Anliegen des Sfb ist die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses sowie spezielle Maßnahmen zur Gleichstelllung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und zur Vereinbarkeit von Wissenschaft und Familie. Dazu plant der Sfb Fördermaßnahmen auf allen Stufen von Bachelor- und Master-Studierenden über Doktorandinnen und Doktoranden bis zum Postdoktorandenstadium. Durch Mentorenprogramme soll versucht werden, Frauen für die Naturwissenschaften aktiv zu gewinnen und zu fördern. In internationale Kooperationen mit führenden Forschergruppen in aller Welt sollen die jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler schon frühzeitig durch Austausch- und Kooperationsprogramme eingebunden werden. Eine enge Zusammenarbeit und die Nutzung von Synergieeffekten ist auch mit dem kürzlich an der TU Berlin eingerichteten Graduiertenkolleg 1558 „Nonequilibrium Collective Dynamics in Condensed Matter and Biological Systems” geplant (Start: 1. Oktober 2009, Sprecher: Prof. Dr. Holger Stark, Institut für Theoretische Physik der TU Berlin), dessen strukturiertes Doktorandenprogramm auch die Doktorandinnen und Doktoranden des Sfb 910 nutzen können.
Beteiligte Institutionen des neuen Sonderforschungsbereiches
• Technische Universität Berlin (Sprecherhochschule)
• Freie Universität Berlin
• Humboldt-Universität zu Berlin
• Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft
• Physikalisch-Technische Bundesanstalt
• Weierstraß-Institut für Angewandte Analysis und Stochastik
Weitere Informationen erteilt Ihnen gern: Prof. Dr. Eckehard Schöll, PhD,
Institut für Theoretische Physik, TU Berlin, Hardenbergstraße 36,10623 Berlin, Tel.: 030/314-2 35 00, Fax: -21130, E-Mail: schoell@physik.tu-berlin.de
Die Medieninformation zum Download:
www.pressestelle.tu-berlin.de/medieninformationen/
„EIN-Blick für Journalisten“ – Serviceangebot der TU Berlin für Medienvertreter:
Forschungsgeschichten, Expertendienst, Ideenpool, Fotogalerien unter:
http://www.pressestelle.tu-berlin.de/?id=4608

Stefanie Terp | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-berlin.de/?id=93708
http://www.tu-berlin.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Nanoinjektion steigert Überlebensrate von Zellen
22.02.2017 | Universität Bielefeld

nachricht Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung
21.02.2017 | Forschungszentrum Jülich

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

6. Internationale Fachkonferenz „InnoTesting“ am 23. und 24. Februar 2017 in Wildau

22.02.2017 | Veranstaltungen

Wunderwelt der Mikroben

22.02.2017 | Veranstaltungen

Der Lkw der Zukunft kommt ohne Fahrer aus

21.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

6. Internationale Fachkonferenz „InnoTesting“ am 23. und 24. Februar 2017 in Wildau

22.02.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Neue Prozesstechnik für effizientes Bohren und Schneiden auf der LASER CHINA

22.02.2017 | Messenachrichten

IHP-Forschungsteam verbessert Zuverlässigkeit beim automatisierten Fahren

22.02.2017 | Automotive