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Nanorotoren haben den Dreh raus

19.08.2015

Einem internationalen Team, bestehend aus ForscherInnen der Universität Wien, der Tel Aviv University und der Universität Duisburg-Essen, ist es erstmals gelungen, Nanostäbchen zu präparieren, mittels Laserlicht ins Vakuum zu heben, ihre Bewegung mit hoher Zeitauflösung zu verfolgen, zu beeinflussen und zu verstehen. Die im Fachjournal Nano Letters publizierten Ergebnisse öffnen das Fenster zu einer neuen Klasse von Nanopartikeln an der Grenze zur Alltagswelt.

Wieso können wir quantenmechanische Phänomene bislang nur in kleinen Systemen beobachten und gibt es eine fundamentale Massengrenze?


Nanorotoren werden durch eine Vakuumkammer katapultiert und durch Laserlicht zwischen zwei Spiegeln manipuliert .

Copyright: Gruppe Markus Arndt, Universität Wien; Bild: Stefan Kuhn

Die Beantwortung dieser Frage steht im Mittelpunkt der Forschungsarbeiten des ForscherInnenteams rund um Markus Arndt, Professor für Quantenphysik an der Universität Wien, und findet sich ebenso im Programm des EU Konsortiums NANOQUESTFIT, das an der Universität Wien koordiniert wird.

Bei der Suche, Quanteneffekte mit immer größeren Objekten zu demonstrieren, ist es wichtig, deren Eigenschaften kontrollieren zu können. Das europäische Konsortium konnte nun erstmals Silizium-Nanostäbchen so präparieren, dass sie mittels Laserlicht im Vakuum kontrolliert zum Fliegen gebracht werden können.

"Obwohl diese Teilchen zehn Millionen mal kleiner sind und sich über eine Millionen mal schneller drehen als die Rotorblätter eines Hubschraubers, können wir ihre Bewegung nicht nur sichtbar machen, sondern durch intensives Laserlicht sogar manipulieren", so Stefan Kuhn, Erstautor der Studie.

Der erfreuliche Nebeneffekt: Aufgrund der Form der Nano-Rotoren werden bis zu dreimal stärkere Kräfte beobachtet, als man für runde Teilchen gleicher Masse erwarten würde. Das ist ein wichtiger Faktor im Vergleich zu allen bislang untersuchten Systemen.

Ein Wald aus Silizium-Stäbchen

Die Nanoteilchen werden an der Universität von Tel Aviv in Israel unter der Leitung von Fernando Patolsky hergestellt. Dabei wird aus der Oberfläche eines Silizium-Plättchens ein Wald aus stehenden Stäbchen geätzt, deren Dicke rund 200 Mal dünner ist als die eines Haares.

Ein spezielles Verfahren erzeugt an den Füßen der Stäbchen Sollbruchstellen, an denen sie später gezielt abgebrochen werden können – dies sieht in etwa so aus, wie von Bibern angenagte Bäume kurz vor dem Umfallen. Tatsächlich abgebrochen werden die Stäbchen allerding erst im Wiener Quantennanolabor – durch intensive Laserlichtimpulse auf die den Stäbchen abgewandte Rückseite des Plättchens. Die abgelösten Teilchen fliegen in der Vakuumapparatur durch einen optischen Resonator, der infrarotes Laserlicht auf eine Leistung von einigen hundert Watt verstärkt.

Ein neuer Twist für die Optomechanik

Wenn die frei fliegenden und rotierenden Teilchen mit dem Laserlicht innerhalb des Resonators wechselwirken, passiert Folgendes: Zum einen streuen die Nanoteilchen einen Teil des Lichts abhängig von ihrer Position und Orientierung. Dadurch lässt sich die Bewegung jedes einzelnen Teilchens in Echtzeit mit der Auflösung einer Millionstel Sekunde verfolgen.

Zum anderen übt das Licht Kräfte auf die Bewegung der Teilchen aus, wodurch deren Geschwindigkeit und Drehung beeinflusst werden können. In Zukunft möchte das Team die optischen Kräfte nutzen, um die Drehbewegung der Nano-Rotoren zu kühlen. "Die Rotation der Teilchen gibt uns neue Freiheitsgrade, um die Teilchen zu kontrollieren", so Kuhn. "Zusätzlich könnte man unser System als Sensor zur Messung sehr kleiner Kräfte, als Mini-Kreisel oder zur Untersuchung der Thermodynamik an einzelnen Teilchen verwenden."

Publikation in Nano Letters:
Cavity-Assisted Manipulation of Freely Rotating Silicon Nanorods in High Vacuum: Stefan Kuhn, Peter Asenbaum, Alon Kosloff, Michele Sclafani, Benjamin A. Stickler, Stefan Nimmrichter, Klaus Hornberger, Ori Cheshnovsky, Fernando Patolsky, and Markus Arndt. Nano Letters, 15(8), 5604–5608 (2015) . DOI:10.1021/acs.nanolett.5b02302

Wissenschaftliche Kontakte
Univ.-Prof. Dr. Markus Arndt
stv. Leiter der Forschungsplattform Quantum Phenomena and Nanoscale Biological Systems
Quantenoptik, Quantennanophysik und Quanteninformation
Universität Wien
1090 Wien, Boltzmanngasse 5
M: +43-664-60277-51210
markus.arndt@univie.ac.at

Stefan Kuhn, MSc
Quantum Nanophysics & Molecular Quantum Optics
Fakultät für Physik
Universität Wien
1090 Wien, Boltzmanngasse 5
M +43 664 5312409
stefan.kuhn@univie.ac.at
http://www.quantumnano.at/

Stefan Kuhn befindet sich derzeit in Kanada, ist aber per Telefon und per Mail erreichbar.

Rückfragehinweis
Stephan Brodicky
Pressebüro der Universität Wien
Forschung und Lehre
1010 Wien, Universitätsring 1
T +43-1-4277-175 41
stephan.brodicky@univie.ac.at

Die Universität Wien ist eine der ältesten und größten Universitäten Europas: An 19 Fakultäten und Zentren arbeiten rund 9.700 MitarbeiterInnen, davon 6.900 WissenschafterInnen. Die Universität Wien ist damit die größte Forschungsinstitution Österreichs sowie die größte Bildungsstätte: An der Universität Wien sind derzeit rund 92.000 nationale und internationale Studierende inskribiert. Mit über 180 Studien verfügt sie über das vielfältigste Studienangebot des Landes. Die Universität Wien ist auch eine bedeutende Einrichtung für Weiterbildung in Österreich. http://univie.ac.at

1365 gegründet, feiert die Alma Mater Rudolphina Vindobonensis im Jahr 2015 ihr 650-jähriges Gründungsjubiläum mit einem vielfältigen Jahresprogramm – unterstützt von zahlreichen Sponsoren und Kooperationspartnern. Die Universität Wien bedankt sich dafür bei ihren KooperationspartnerInnen, insbesondere bei: Österreichische Post AG, Raiffeisen NÖ-Wien, Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft, Stadt Wien, Industriellenvereinigung, Erste Bank, Vienna Insurance Group, voestalpine, ÖBB Holding AG, Bundesimmobiliengesellschaft, Mondi. Medienpartner sind: ORF, Die Presse, Der Standard.

Stephan Brodicky | Universität Wien

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