Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mumien im "Nacktscanner"

19.03.2010
Wissenschaftler durchleuchten Mumien mit Terahertz-Strahlung

Am Freiburger Materialforschungszentrum (FMF) haben Forscher erstmalig Mumien mit Terahertz-Strahlung durchleuchtet. Diese neue Technologie, die auch in den viel diskutierten Körperscannern an einigen europäischen Flughäfen schon zum Einsatz kommt, ermöglicht es, bei Flugreisenden verborgene Gegenstände, wie etwa Waffen, unter der Kleidung aufzuspüren.

Dem Freiburger Team um den Wissenschaftler Markus Walther und seinem Doktoranden Andreas Bitzer gelang es nun, mit Hilfe eines von ihnen speziell entwickelten Terahertz-Scanners, Bilder vom Inneren altägyptischer Mensch- und Tiermumien aufzunehmen.

Da die Terahertz-Strahlung kein Wasser durchdringen kann, wird sie beim lebenden Menschen fast vollständig vom wasserhaltigen Körper reflektiert. Das heißt, man erhält mit einem gängigen Terahertz-Körperscanner nur Informationen von Objekten, die sich auf der Hautoberfläche befinden. Mumien sind jedoch nahezu wasserfrei und das Terahertz-Licht kann somit, ähnlich wie Röntgenstrahlen, weit unter die Haut und sogar durch den Körper hindurchstrahlen.

Im Gegensatz zum Röntgen ist die Strahlung jedoch "nicht-ionisierend" und damit für das Mumiengewebe vollkommen unschädlich. In den Mumien eventuell noch vorhandene DNA-Fragmente werden nicht zerstört. Diese können, wie jüngst im Falle der Mumie des Tutenchamun, durch moderne Analyseverfahren noch wertvolle Aufschlüsse auf Krankheiten und Verwandtschaftsverhältnisse liefern.

Die Arbeiten am FMF entstanden in enger Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe von Dr. Frank Rühli, einem anerkannten Mumienforscher an der Uni Zürich, der zuvor auch schon den berühmten Gletschermann Ötzi untersucht hat. Er hat seine Ergebnisse unter Federführung seiner Doktorandin Lena Öhrström in der Fachzeitschrift "American Journal for Physical Anthropology" veröffentlicht. Dabei hatte man sich jedoch der für kostbare historische Gewebefunde nicht unbedenklichen Röntgenstrahlung bedient. Mit der Terahertz-Bildgebung steht nun erstmalig ein völlig zerstörungsfreies Verfahren zur Verfügung, um in das Mumieninnere zu schauen.

In ersten Studien zeigten die Forscher, dass etwa die Struktur der Knochen im Terahertzbild deutlich erkennbar ist. Aber auch Grabbeigaben, wie Amulette oder Waffen, lassen sich in noch verpackten (einbandagierten) Mumien auffinden. Da viele chemische Substanzen einen charakteristischen Fingerabdruck im Terahertzfrequenzbereich hinterlassen, besteht außerdem die berechtigte Hoffnung, dass sich damit etwa die Zusammensetzung der damals verwendeten Einbalsamierungssubstanzen entschlüsseln ließe. Im gegenwärtigen Messaufbau am FMF müssen einzelne Mumienteile, zum Beispiel eine Hand oder ein Fuß, noch separat durchleuchtet werden. Er soll in Zukunft entsprechend erweitert werden, um Mumien vollständig scannen zu können.

Info: Das Freiburger Materialforschungszentrum (FMF) feiert dieses Jahr sein 20-jähriges Bestehen. Zu diesem Anlass finden 2010 drei vom FMF mitorganisierte Symposien statt. Der Höhepunkt der Feierlichkeiten wird ein Festakt am 11.6.2010 sein. Als zentrale wissenschaftliche Einrichtung der Albert-Ludwigs-Universität ist das FMF die Schaltstelle der fünf naturwissenschaftlichen Fakultäten, Mathematik und Physik, Chemie, Pharmazie und Geowissenschaften, Medizin, Biologie sowie der Technischen Fakultät. Die dichte interdisziplinäre Vernetzung unter einem Dach sowie das exzellente Umfeld der Universität, der Fraunhofer Institute und EUCOR-Universitäten, ermöglichen eine anwendungsnahe Grundlagen- sowie zielorientierte Auftragsforschung auf dem Gebiet der Materialwissenschaften. Weitere Infos unter www.fmf.uni-freiburg.de.

Kontakt:
Dr. Markus Walther
Freiburger Materialforschungszentrum (FMF)
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Tel.: 0761/203-7606
E-Mail: markus.walther@physik.uni-freiburg.de

Rudolf-Werner Dreier | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-freiburg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Maschinelles Lernen im Quantenlabor
19.01.2018 | Universität Innsbruck

nachricht Seltsames Verhalten eines Sterns offenbart Schwarzes Loch, das sich in riesigem Sternhaufen verbirgt
17.01.2018 | ESO Science Outreach Network - Haus der Astronomie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kongress Meditation und Wissenschaft

19.01.2018 | Veranstaltungen

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungen

6. Technologie- und Anwendungsdialog am 18. Januar 2018 an der TH Wildau: „Intelligente Logistik“

18.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Kongress Meditation und Wissenschaft

19.01.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Maschinelles Lernen im Quantenlabor

19.01.2018 | Physik Astronomie

Warum es für Pflanzen gut sein kann auf Sex zu verzichten

19.01.2018 | Biowissenschaften Chemie