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Licht aus der Dunkelheit

16.01.2013
Bildveröffentlichung der Europäischen Südsternwarte (Garching) - Eine eindruckvolle neue Aufnahme der ESO zeigt eine Dunkelwolke, in der sich gerade neue Sterne bilden, und gleichzeitig eine Ansammlung strahlend heller Sterne, die ihre staubige Kinderstube bereits verlassen haben. Das Bild wurde mit dem MPG/ESO 2,2-Meter-Teleskop am La Silla-Observatorium in Chile aufgenommen. Es handelt sich um die bis dato beste Aufnahme dieses Objektes im sichtbaren Licht.
Während man auf der linken Seite der neuen Aufnahme eine dunkle, langgezogene Struktur sieht, die einer Rauchwolke ähnelt, erleuchtet auf der rechten Seite eine kleine Gruppe heller Sterne die Szenerie. Auf den ersten Blick könnten die beiden Teile des Bildes gegensätzlicher nicht sein, aber dennoch sind sie in Wirklichkeit eng miteinander verknüpft. Die dunkle Wolke besteht aus großen Mengen kosmischen Staubs und ist eine Kinderstube für neue Sterne. Mit ziemlicher Sicherheit ist unsere Sonne vor mehr als vier Milliarden Jahren in einer ganz ähnlichen Sternentstehungsregion geboren worden.

Die Dunkelwolke mit der Bezeichnung Lupus 3 liegt etwa 600 Lichtjahre von der Erde entfernt im Sternbild Scorpius (der Skorpion). Der hier gezeigte Ausschnitt hat einen Durchmesser von ungefähr fünf Lichtjahren.

Die dichteren Regionen solcher Dunkelwolken ziehen sich durch ihre eigene Schwerkraft zusammen, heizen sich dabei auf und beginnen zu leuchten. Da sichtbares Licht in den frühen Phasen des Kollapses noch vom Staub der Wolke verschluckt wird, kann man den Prozess zu diesem Zeitpunkt nur bei größeren Wellenlängen, zum Beispiel im Infrarotbereich, beobachten. Sobald die neuen Sterne aber heißer und heller werden, beginnen ihre intensive Strahlung und die starken Sternwinde die Wolken aufzulösen und lichten so den Schleier.

Die hellen Sterne rechts vom Zentrum des hier gezeigten Bildes sind ein perfektes Beispiel für so eine kleine Gruppe von heißen, jungen Sonnen. Ein Teil ihres intensiv blauen Lichts wird an dem verbliebenen Staub in der Umgebung gestreut. Die beiden hellsten Sterne sind bereits mit einem kleinen Teleskop oder sogar einem Feldstecher zu sehen. Sie sind vermutlich weniger als eine Million Jahre alt - so jung, dass sie ihre Energie noch nicht durch Kernfusionsprozesse erzeugen. In ihrer Umgebung befinden sich noch größere Mengen an leuchtendem Gas [1].

Durchmusterungen dieser Himmelsregion – einer der nächstgelegenen Sternkinderstuben überhaupt – haben noch viele weitere sehr junge stellare Objekte zum Vorschein gebracht, die deutlich weniger auffällig als die hellen, blauen Sterne sind.

Es gibt riesige Sternentstehungsgebiete wie zum Beispiel den Tarantelnebel (eso0650), in dem sich hunderte massereicher Sterne bilden. Die meisten der Sterne in der Milchstraße und in anderen Galaxien sind aber vermutlich in kleineren Regionen ähnlich der hier gezeigten entstanden, in der man nur zwei helle und überhaupt keine sehr massereichen Sterne beobachtet. Die Lupus 3-Region ist daher sowohl ein faszinierendes Studienobjekt für Astronomen als auch ein atemberaubend schönes Beispiel für die ersten Lebensphasen der Sterne.

Endnoten

[1] Nach dem Astronomen, der diese Objekte zuerst identifiziert hat, nennt man sie auch Herbig-Ae/Be-Sterne. Die Buchstaben A und B stehen für die Spektraltypen der Sterne, die heißer als unsere Sonne sind. Das e zeigt an, dass die Spektren Emissionslinien aufweisen, die vom leuchtenden Gas in der Umgebung der Sterne stammen. Diese Sterne ziehen sich derzeit noch durch ihre eigene Schwerkraft zusammen und strahlen die freiwerdende potentielle Energie größtenteils als Wärme ab.

Zusatzinformationen

Die Europäische Südsternwarte ESO (European Southern Observatory) ist die führende europäische Organisation für astronomische Forschung und das wissenschaftlich produktivste Observatorium der Welt. Getragen wird die Organisation durch ihre 15 Mitgliedsländer: Belgien, Brasilien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Italien, die Niederlande, Österreich, Portugal, Spanien, Schweden, die Schweiz, die Tschechische Republik und das Vereinigte Königreich. Die ESO ermöglicht astronomische Spitzenforschung, indem sie leistungsfähige bodengebundene Teleskope entwirft, konstruiert und betreibt. Auch bei der Förderung internationaler Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Astronomie spielt die Organisation eine maßgebliche Rolle. Die ESO betreibt drei weltweit einzigartige Beobachtungsstandorte in Nordchile: La Silla, Paranal und Chajnantor. Auf dem Paranal betreibt die ESO mit dem Very Large Telescope (VLT) das weltweit leistungsfähigste Observatorium für Beobachtungen im Bereich des sichtbaren Lichts und zwei Teleskope für Himmelsdurchmusterungen: VISTA, das größte Durchmusterungsteleskop der Welt, arbeitet im Infraroten, während das VLT Survey Telescope (VST) für Himmelsdurchmusterungen ausschließlich im sichtbaren Licht konzipiert ist. Die ESO ist der europäische Partner für den Aufbau des Antennenfelds ALMA, das größte astronomische Projekt überhaupt. Derzeit entwickelt die ESO ein Großteleskop mit 39 Metern Durchmesser für Beobachtungen im Bereich des sichtbaren und Infrarotlichts, das einmal das größte optische Teleskop der Welt werden wird: das European Extremely Large Telescope (E-ELT).

Die Übersetzungen von englischsprachigen ESO-Pressemitteilungen sind ein Service des ESO Science Outreach Network (ESON), eines internationalen Netzwerks für astronomische Öffentlichkeitsarbeit, in dem Wissenschaftler und Wissenschaftskommunikatoren aus allen ESO-Mitgliedsstaaten (und einigen weiteren Ländern) vertreten sind. Deutscher Knoten des Netzwerks ist das Haus der Astronomie in Heidelberg.

Kontaktinformationen

Carolin Liefke
ESO Science Outreach Network - Haus der Astronomie
Heidelberg, Deutschland
Tel: 06221 528 226
E-Mail: eson-germany@eso.org

Fernando Comeron
ESO
Garching bei München, Germany
E-Mail: fcomeron@eso.org

Richard Hook
ESO, La Silla, Paranal, E-ELT and Survey Telescopes Public Information Officer
Garching bei München, Germany
Tel: +49 89 3200 6655
Handy: +49 151 1537 3591
E-Mail: rhook@eso.org

Dr. Carolin Liefke | ESO Science Outreach Network
Weitere Informationen:
http://www.eso.org

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