Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

ISON stellt Staubproduktion ein

02.12.2013
Auf aktuellen Bildern wird der Schweifstern zunehmend lichtschwächer

Der Komet ISON hatte am Donnerstagabend zum Zeitpunkt seiner größten Sonnenannäherung noch einen aktiven Kern, der Gas und Staub spuckte. Etwa zwei Stunden nach der Perihelpassage fanden sich jedoch keine Anzeichen mehr für eine Produktion.


Was von ISON übrig geblieben ist: Eine schweifartige Struktur entfernt sich auf dieser Aufnahme des Satelliten Soho weiter von der Sonne. In den vergangenen Stunden hat die Helligkeit des Kometen jedoch stetig abgenommen.

© ESA / NASA / SOHO

Zu dieser Einschätzung kommen Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung in Katlenburg-Lindau am heutigen Samstag. Sie analysierten Bilder des Instruments Lasco, das an Bord des Sonnenobservatoriums Soho einen einzigartigen Blick auf den Schweifstern genießt.

Auf aktuellen Aufnahmen nimmt die Helligkeit des offenbar inaktiven Kometen allmählich ab. Eine große Kometenshow wird es mit ziemlicher Sicherheit nicht mehr geben.

Gegen 20.30 Uhr am Donnerstagabend tauchte der Schweif von ISON nach seiner Sonnenpassage wieder im Gesichtsfeld des Instruments Lasco auf. Zu diesem Zeitpunkt war aber unklar, ob sich an der Spitze des Schweifs noch ein Kometenkern verbirgt oder nicht. Aufnahmen, die mehrere Stunden nach dem Perihel gewonnen wurden, lassen weitergehende Schlüsse zu.

„Der Staubschweif des Kometen zeigt sich nun zweigeteilt“, beschreibt Hermann Böhnhardt vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung die Bilder. Der Teil des Schweifs, der in Richtung Sonne zeigt, besteht laut Böhnhardt aus Staubteilchen, die deutlich vor der Perihelpassage – also vor dem Erreichen des sonnennächsten Bahnpunkts – freigesetzt wurden.

Der andere Teil dagegen enthält offenbar jüngeres Material: Es wurde während des Vorbeiflugs emittiert und deutet darauf hin, dass zu diesem Zeitpunkt zumindest noch ein Teil des Kerns existierte und aktiv war.

Die Max-Planck-Forscher stützen ihre Einschätzung auf Computersimulationen, in denen sie die Form des Staubschweifs modellieren. „Wenn wir in unseren Rechnungen annehmen, dass der Komet im Perihel noch Staub emittiert hat, können wir die aktuellen Aufnahmen gut reproduzieren“, sagt Böhnhardt.

Die Lasco-Bilder vom Samstag zeigten dann, dass ISON zwei Stunden nach der Perihelpassage seine Staubproduktion eingestellt hatte. Ob der Kometenkern im Perihel noch intakt war oder seinen Weg als kleines Bruchstück oder als Ensemble von Fragmenten fortsetzte, steht noch nicht fest.

Das Instrument Sumer an Bord des Satelliten Soho, das unter Leitung des Lindauer Max-Planck-Instituts entwickelt und gebaut wurde, beobachtete gestern Abend ISON in der Stunde seiner direkten Sonnenannäherung. Das Instrument spaltet das Licht, das der Himmelskörper ins All sendet, in seine einzelnen Bestandteile auf. Daraus können Forscher auf Elemente und Moleküle in der Staubwolke des Kometen schließen.

„Unsere Messungen zeigen ein klares Signal des Kometen während des Sonnenvorbeiflugs“, sagt Max-Planck-Wissenschaftler Werner Curdt. Genaue Ergebnisse der Messungen lägen jedoch noch nicht vor.

Ansprechpartner

Dr. Birgit Krummheuer
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung, Katlenburg-Lindau
Telefon: +49 5556 979-462
E-Mail:Krummheuer@mps.mpg.de
Dr. Hermann Böhnhardt
Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung, Katlenburg-Lindau
Telefon: +49 5556 979-545
E-Mail:Boehnhardt@mps.mpg.de
Dr. Werner Curdt
Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung, Katlenburg-Lindau
Telefon: +49 5556 979-420
E-Mail:Curdt@mps.mpg.de

Dr. Birgit Krummheuer | Max-Planck-Institut
Weitere Informationen:
http://www.mpg.de/7619613/ison_gefluegelter_komet

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Maschinelles Lernen im Quantenlabor
19.01.2018 | Universität Innsbruck

nachricht Seltsames Verhalten eines Sterns offenbart Schwarzes Loch, das sich in riesigem Sternhaufen verbirgt
17.01.2018 | ESO Science Outreach Network - Haus der Astronomie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kongress Meditation und Wissenschaft

19.01.2018 | Veranstaltungen

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungen

6. Technologie- und Anwendungsdialog am 18. Januar 2018 an der TH Wildau: „Intelligente Logistik“

18.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal vereinbart mit dem Betriebsrat von RWG Sozialplan - Zukunftsorientierter Dialog führt zur Einigkeit

19.01.2018 | Unternehmensmeldung

Open Science auf offener See

19.01.2018 | Geowissenschaften

Original bleibt Original - Neues Produktschutzverfahren für KFZ-Kennzeichenschilder

19.01.2018 | Informationstechnologie