Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Weitere grosse Erfolge für die Berner Planetenforschung

20.02.2014
Heute gab die Europäische Weltraumagentur ESA grünes Licht für die industrielle Umsetzung der von der Universität Bern geleiteten «CHEOPS»-Mission.

Zudem wurde von der ESA das Projekt «PLATO» als «M-class-Mission» gewählt, an der die Universität Bern massgeblich beteiligt ist. Kaum einen Monat nach der Wahl des Nationalen Forschungsschwerpunkt NFS «PlanetS» durch den Bundesrat bekräftigen diese Entscheide die führende Position der Berner Weltraum- und Planetenforschung.


CHEOPS mit seinem Teleskop von 33 Zentimetern Durchmesser und einer Blende, welche das Streulicht der Erde abhalten soll.

Bild: Kurt Bratschi, CSH, Universität Bern


PLATO verfügt über 34 Teleskope mit entsprechenden Detektoren. Die "blaue Leinwand" zeigt, wie die Teleskope unterschiedlich ausgerichtet werden, um den jeweiligen Himmelsabschnitt besser abzusuchen. PLATO-Mission, zvg.

«Drei Meilensteine in rund zwei Monaten bezeugen die wegweisende Position der Berner und Schweizer Planetenforschung und auch der Schweizer Industrie», freut sich Prof. Willy Benz vom Center for Space and Habitability (CSH) und Direktor des Physikalischen Instituts der Universität Bern.

Der Astrophysiker Benz leitet für die Schweiz das Weltraumprojekt «CHEOPS» (CHaracterizing ExOPlanet Satellite), das heute von der ESA das endgültige «Go» – im Fachjargon «Adoption» genannt – für die industrielle Realisierung erhalten hat. Weiter ist er mit seinem Team vom Berner CSH massgeblich am Projekt «PLATO» (PLAnetary Transits and Oscillations of stars) beteiligt, das die Delegierten der 19 ESA-Mitgliedsländer ebenfalls heute bei ihrem Treffen in Paris als neue «M-class»-Mission gewählt haben. Und zum Dritten leitet er zusammen mit Co-Leiter Prof. Stéphane Udry, Direktor des Departements für Astronomie der Universität Genf, den neuen Nationalen Forschungsschwerpunkt (NFS) «PlanetS», den der Bundesrat letzten Dezember mit sieben weiteren NFS bestimmt hat.

Auf der Suche nach lebensfreundlichen Planeten
Diese drei Grossprojekte sind eng miteinander verknüpft. «CHEOPS» und «PLATO» sind Satelliten-Missionen und liefern Daten, «PlanetS» koordiniert die Arbeit von Forschenden und wertet die Daten von Weltraum-Missionen aus.

So wird ab Ende 2017 das «CHEOPS»-Weltraumteleskop auf eine Erdumlaufbahn in bis zu 800 Kilometer Höhe gebracht. Dort wird es über dreieinhalb Jahre lang gezielt Planeten um rund 700 helle Sterne ausserhalb unseres Sonnensystems mithilfe der sogenannten Transit-Methode untersuchen. Dabei wird «CHEOPS» für die Planeten, die mit dieser Methode gemessen werden können, den Durchmesser bestimmen.

Die Ziele für CHEOPS liefert eine weitere Methode – Radialgeschwindigkeitsmethode genannt – mit der die Masse von Planeten bestimmt werden kann. Dabei besonders erfolgreich ist der in Chile stationierte Detektor «HARPS», der am Brennpunkt eines 3,6 Meter grossen Teleskops sitzt und an der Universität Genf entwickelt wurde.

Beide Methoden lassen sich nun gemeinsam einsetzen, um die Dichte und somit auch weitere Eigenschaften von ausgewählten Exoplaneten zu bestimmen – etwa, ob der Planet aus Stein, Eis oder Gas besteht und wie seine Atmosphäre beschaffen ist. All dies sind unentbehrliche Kriterien, um mehr über Lebensfreundlicheit oder -feindlichkeit eines Himmelskörpers zu erfahren.

Nun sollen die Industriepartner für den Bau des Satelliten definiert werden. Das Teleskop wird am CSH der Universität Bern zusammengebaut, getestet und geeicht. Die Grundstruktur, wie das Rohr und Halterungselemente, liefert die Schweizer Industrie, weitere Komponenten kommen von Partnerinstituten aus Europa. Der 250 Kilogramm leichte Satellit wird in Spanien oder in England gebaut, und die Schweizer RUAG Space wird Tests am fertig zusammengesetzten Satelliten in der Schweiz durchführen.

Ab ungefähr 2024 wird der Satellit «PLATO» mit 34 Teleskopen «CHEOPS» ablösen und helle Sterne mit ihren Planeten beobachten. Im Gegensatz zu «CHEOPS» wird er jedoch nicht bereits bekannte Himmelskörper charakterisieren, sondern über weite Himmelsbereiche schweifen und Tausende noch unbekannte Exoplaneten um helle Sterne entdecken und untersuchen.

Im Gegensatz zu anderen Missionen wurden «CHEOPS» und «PLATO» so entworfen, dass sie Planeten entdecken können, die gleichzeitig einen erdähnlichen Durchmesser und eine viel längere Umlaufzeit um helle Sterne aufweisen. Für vertiefte Untersuchungen sind nämlich hell leuchtende Sterne nötig, und eine längere Umlaufzeit weist auf einen grösseren Abstand zum Stern hin, was eine lebensfreundlichere Umgebung und vielleicht sogar das Vorkommen von flüssigem Wasser bedeutet. Das Berner CSH wird die Produktion der mechanischen Grundelemente der 34 Teleskope durch Schweizer Firmen koordinieren.

Die Daten von «CHEOPS» und «PLATO» werden Forschende in der Schweiz dank dem neuen NFS «PlanetS» optimal auswerten können. Das Projekt unter Leitung der Universität Bern mit Co-Leitung der Universität Genf soll die Schweizer Planetenerforschung erweitern. Nach den zahlreichen Entdeckungen von Exoplaneten in den letzten Jahren sollen nun deren physikalische und chemische Eigenschaften bestimmt werden.

Dazu werden die Forschenden astronomische Beobachtungen, Datengewinnung mittels Raumsonden, Labormessungen und theoretische Modellierungen einsetzen. Damit soll die Entstehung und Entwicklung von Planetensystemen besser verstanden werden. Dies soll unter anderem klären, ob unser Sonnensystem typisch oder einzigartig im Universum ist – auch mit Blick auf die Erde und ihre Fähigkeit, Leben zu erhalten. «Heute ist die Suche nach Planeten, auf denen Leben existieren könnte, einer der Schwerpunkte der modernen Astronomie geworden», sagt Benz, «und der Universität Bern kommt dabei eine zentrale Rolle zu».

Nathalie Matter | Universität Bern
Weitere Informationen:
http://www.unibe.ch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Max-Planck-Princeton-Partnerschaft in der Fusionsforschung bestätigt
23.11.2017 | Max-Planck-Institut für Plasmaphysik

nachricht Magnetfeld-Sensor Argus „sieht“ Kräfte im Bauteil
23.11.2017 | Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Reibungswärme treibt hydrothermale Aktivität auf Enceladus an

Computersimulation zeigt, wie der Eismond Wasser in einem porösen Gesteinskern aufheizt

Wärme aus der Reibung von Gestein, ausgelöst durch starke Gezeitenkräfte, könnte der „Motor“ für die hydrothermale Aktivität auf dem Saturnmond Enceladus sein....

Im Focus: Frictional Heat Powers Hydrothermal Activity on Enceladus

Computer simulation shows how the icy moon heats water in a porous rock core

Heat from the friction of rocks caused by tidal forces could be the “engine” for the hydrothermal activity on Saturn's moon Enceladus. This presupposes that...

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

IfBB bei 12th European Bioplastics Conference mit dabei: neue Marktzahlen, neue Forschungsthemen

22.11.2017 | Veranstaltungen

Zahnimplantate: Forschungsergebnisse und ihre Konsequenzen – 31. Kongress der DGI

22.11.2017 | Veranstaltungen

Tagung widmet sich dem Thema Autonomes Fahren

21.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Signal-Shaping macht Bits und Bytes Beine

23.11.2017 | Förderungen Preise

Maximale Sonnenenergie aus der Hausfassade

23.11.2017 | Architektur Bauwesen

Licht ermöglicht „unmögliches“ n-Dotieren von organischen Halbleitern

23.11.2017 | Energie und Elektrotechnik