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Garnelennebel brütet junge Sterne aus

18.09.2013
Das leuchtende Durcheinander der in diesem neuen Bild sichtbaren Gaswolken bilden eine riesige Sternkinderstube, die den Spitznamen Garnelennebel trägt.

Mit ziemlicher Sicherheit ist dieses Bild, aufgenommen mit dem VLT Survey Telescope am Paranal-Observatorium der ESO in Chile, die schärfste Aufnahme dieses Objektes überhaupt. Sie zeigt Ansammlungen von heißen, neugeborenen Sternen, eingebettet in die Wolken, aus denen der Nebel besteht.


Detaillierter Blick auf den Garnelennebel, aufgenommen mit dem VST der ESO
Bild: ESO. Acknowledgement: Martin Pugh

Etwa 6000 Lichtjahre von der Erde entfernt im Sternbild Scorpius (der Skorpion) befindet sich der offiziell als IC 4628 bekannte Garnelennebel. Dabei handelt es sich um eine riesige Region, angefüllt mit Gas und Klumpen dunklen Staubs. Diese Gaswolken sind Sternentstehungsgebiete, die hell leuchtende, heiße junge Sterne produzieren. Im sichtbaren Bereich des Lichts erscheinen diese Sterne in einer bläulich-weißen Farbe. Sie senden allerdings auch intensive Strahlung in anderen Teilen des elektromagnetischen Spektrums aus – vor allem im ultravioletten Bereich [1].

Es ist das ultraviolette Licht dieser Sterne, das die Gaswolken zum Leuchten bringt. Die Strahlung reißt die Elektronen von Wasserstoffatomen ab. Anschließend rekombinieren Elektron und Proton wieder zu neutralem Wasserstoff. Dabei wird Energie in Form von Licht freigesetzt. Jedes chemische Element strahlt Licht in charakteristischen Farben ab, wenn dieser Prozess statt findet. Bei Wasserstoff dominiert die Farbe Rot. IC 4628 ist ein Beispiel für eine solche H II-Region aus ionisiertem Wasserstoff [2].

Der Garnelennebel hat einen Durchmesser von etwa 250 Lichtjahren und erstreckt sich über einen Bereich des Himmels, der der vierfachen Fläche des Vollmondes entspricht. Trotz dieser riesigen Ausmaße ist er oft von Beobachtern übersehen worden, da er nur eine geringe Leuchtkraft besitzt und sich ein Großteil des abgestrahlten Lichts in einem Spektralbereich befindet, der für das menschliche Auge nicht sichtbar ist. Der Nebel ist auch bekannt als Gum 56, benannt nach dem australischen Astronomen Colin Gum, der 1955 einen Katalog von H II-Regionen veröffentlichte.

Über die letzten Jahrmillionen sind in dieser Himmelsregion viele Sterne entstanden, sowohl einzelne Sterne als auch Sternhaufen. So gibt es einen großen, verstreuten Sternhaufen mit dem Namen Collinder 316, der sich über einen Großteil des Bildes erstreckt. Dieser Sternhaufen ist Teil einer sehr viel größeren Ansammlung von sehr heißen und leuchtkräftigen Sternen. Es sind außerdem viele dunkle Strukturen und Aushöhlungen zu sehen. An diesen Stellen wurde die interstellare Materie von starken Winden weggefegt, die von den nahegelegenen heißen Sternen ausgehen.

Dieses Bild wurde mit dem VLT Survey Telescope (VST) am Paranal Observatorium der ESO in Chile aufgenommen. Das VST das größte Teleskop der Welt, das für die Durchmusterung des Himmels im sichtbaren Spektralbereich konstruiert wurde. Es handelt sich dabei um ein modernes 2,6-Meter-Teleskop, das für die OmegaCAM Kamera gebaut wurde, die aus 32 einzelnen CCD-Detektoren besteht, die zusammen 268-Megapixel-Bilder erstellen können. Dieses neue Bild mit einer Diagonale von 24.000 Pixeln ist ein Mosaik aus zwei solchen Aufnahmen und ist eines der größten Einzelbilder, die bis jetzt von der ESO veröffentlicht wurden.

Die Aufnahme ist Teil einer detaillierten, öffentlich zugänglichen Durchmusterung eines Großteils der Milchstraße, genannt VPHAS+, die die Fähigkeiten des VST nutzt, um nach neuen Objekten wie jungen Sternen und Planetarischen Nebeln zu suchen. Die Durchmusterung wird außerdem die bislang besten Aufnahmen von riesigen leuchtenden Sternentstehungsgebieten liefern, so wie bei dem hier abgebildeten Garnelennebel.

Um die Farben zu verstärken, wurden die äußerst scharfen VST-Aufnahmen mit zusätzlichen Bildern weiter verbessert, die Martin Pugh mit anderen Filtern aufgenommen hat. Er beobachtete das Objekt mit einem 32-Zentimeter- und einem 13-Zentimeter Teleskop [3] von Australien aus.

Diese Pressemitteilung stellt einen Meilenstein dar – es ist die eintausendste Pressemitteilung, die die ESO veröffentlicht. Die erste Pressemitteilung erschien Ende 1985 und betraf ein Bild des Halleyschen Kometen. Alle bereits veröffentlichten Pressemitteilungen sind online zugänglich.

Endnoten

[1] Bei ultraviolettem Licht handelt es sich um die Strahlung, die bei ungeschützter Haut Sonnenbrand verursacht, wenn man sie zu lange direktem Sonnenlicht aussetzt. Allerdings schirmt die Atmosphäre der Erde das Leben auf der Oberfläche vom Großteil der ultravioletten Strahlung ab und lässt nur Licht längerer Wellenlängen (zwischen ca. 300 und 400 Nanometern) zur Erdoberfläche hindurch. Sie verursacht beim Menschen die Bräunung der HAut, aber auch den Sonnenbrand. Ein Teil der ultravioletten Strahlung, die von sehr heißen Sternen in H II-Regionen ausgesandt wird, liegt bei sehr viel kürzeren Wellenlängen (kürzer als 91,2 Nanometer) und kann somit Wasserstoff ionisieren.

[2] Astronomen verwenden den Begriff „H II” (ausgesprochen „Ha-zwei”) für ionisierten Wasserstoff und „H I” („Ha-eins”) für atomaren Wasserstoff. Ein Wasserstoffatom besteht aus einem Elektron, das an ein Proton gebunden ist. In einem ionisierten Gas werden Atome in freie Elektronen und positive Ionen aufgeteilt, in diesem Fall sind die positiven Ionen nur einzelne Protonen.

[3] Mehr Details zu seinen Beobachtungen gibt es auf Martin Pughs Informationsseite zu diesem Objekt.

Zusatzinformationen

Die Europäische Südsternwarte ESO (European Southern Observatory) ist die führende europäische Organisation für astronomische Forschung und das wissenschaftlich produktivste Observatorium der Welt. Getragen wird die Organisation durch ihre 15 Mitgliedsländer: Belgien, Brasilien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Italien, die Niederlande, Österreich, Portugal, Spanien, Schweden, die Schweiz und die Tschechische Republik. Die ESO ermöglicht astronomische Spitzenforschung, indem sie leistungsfähige bodengebundene Teleskope entwirft, konstruiert und betreibt. Auch bei der Förderung internationaler Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Astronomie spielt die Organisation eine maßgebliche Rolle. Die ESO betreibt drei weltweit einzigartige Beobachtungsstandorte in Nordchile: La Silla, Paranal und Chajnantor. Auf dem Paranal betreibt die ESO mit dem Very Large Telescope (VLT) das weltweit leistungsfähigste Observatorium für Beobachtungen im Bereich des sichtbaren Lichts und zwei Teleskope für Himmelsdurchmusterungen: VISTA, das größte Durchmusterungsteleskop der Welt, arbeitet im Infraroten, während das VLT Survey Telescope (VST) für Himmelsdurchmusterungen ausschließlich im sichtbaren Licht konzipiert ist. Die ESO ist der europäische Partner bei den neuartigen Verbundteleskop ALMA, dem größten astronomischen Projekt überhaupt. Derzeit entwickelt die ESO ein Großteleskop mit 39 Metern Durchmesser für Beobachtungen im Bereich des sichtbaren und Infrarotlichts, das einmal das größte optische Teleskop der Welt werden wird: das European Extremely Large Telescope (E-ELT).

Die Übersetzungen von englischsprachigen ESO-Pressemitteilungen sind ein Service des ESO Science Outreach Network (ESON), eines internationalen Netzwerks für astronomische Öffentlichkeitsarbeit, in dem Wissenschaftler und Wissenschaftskommunikatoren aus allen ESO-Mitgliedsländern (und einigen weiteren Staaten) vertreten sind. Deutscher Knoten des Netzwerks ist das Haus der Astronomie in Heidelberg.

Kontaktinformationen

Carolin Liefke
ESO Science Outreach Network - Haus der Astronomie
Heidelberg, Deutschland
Tel: 06221 528226
E-Mail: eson-germany@eso.org
Richard Hook
ESO, La Silla, Paranal, E-ELT and Survey Telescopes Public Information Officer
Garching bei München, Germany
Tel: +49 89 3200 6655
Handy: +49 151 1537 3591
E-Mail: rhook@eso.org

Dr. Carolin Liefke | ESO Science Outreach Network
Weitere Informationen:
http://www.eso.org

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