Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Fahrplan für die nächsten 20 Jahre europäischer Astronomie

01.12.2008
Das EU-Projekt ASTRONET ("Coordinating strategic planning for European astronomy") stellte diese Woche seinen Infrastruktur-Fahrplan für die Zukunft europäischer Astronomie vor.

Der Fahrplan legt Forschungsprioritäten für die nächsten 20 Jahre fest und stellt einen kosteneffizienten Ansatz vor, mit dem diese bewältigt werden können. Der Plan wird von Astronomen in 28 Mitglieds- und assoziierten Staaten der EU unterstützt und spiegelt eine hohe Stufe wissenschaftlicher Zusammenarbeit im Europäischen Forschungsraum (EFR) wider

Im Bereich der Astronomie gab es in den vergangenen Jahrzehnten noch nie dagewesene Veränderungen und Europa stand bei der Grundlagenforschung an vorderster Front. Wichtige Erkenntnisse wurden an Anlagen wie dem Very Large Telescope des Projektpartners ESO (Europäische Südsternwarte), dem Nordischen Optischen Teleskop und dem Hubble-Weltraumteleskop (eine Kooperation zwischen der Europäischen Weltraumorganisation und der NASA) gewonnen, um nur einige zu nennen.

"Die Herausforderung, die vor uns liegt", heißt es in der neuen Roadmap, "besteht darin, diese Stellung in der Zukunft zu erhalten und zu verstärken."

Die Roadmap ist der Höhepunkt der Bemühungen, die von ASTRONET im Jahr 2007 in der "Wissenschaftlichen Vision" dargelegt wurden. Hierin wurden die wichtigsten wissenschaftlichen Herausforderungen in der Astronomie bewertet. Die Bewältigung dieser Herausforderungen hat seinen Preis: Für die Umsetzung des ehrgeizigen Plans wird eine Anhebung der Finanzierung um rund 20% nötig sein. Derzeit schätzt man den europäischen Finanzierungsbeitrag Europas auf ungefähr 2 Milliarden Euro pro Jahr.

Die Urheber des Plans waren sich des Kostenfaktors bewusst: Das Maßnahmenprogramm legt einen umfassenden Plan dar, mit dem nationale und gemeinschaftliche Investitionen koordiniert werden. Außerdem wird in manchen Fällen ein Finanzierungsbeitrag von außerhalb Europas zur Unterstützung größerer Anlagen gesichert.

Der ASTRONET-Fahrplan stellt Bereiche fest, in denen Verbesserungen möglich sind. Dazu gehören ein besserer Zugang zu Laboreinrichtungen und zu modernsten Ausrüstungen sowie eine stärkere Beteiligung der europäischen Industrie an der Entwicklung von Anlagen. Ein wichtiger Punkt, der angesprochen wird, ist die "[Koordinierung] von Weltraumprojekten und passenden bodengestützten Bemühungen, um sicherzustellen, dass sich die Gesamtinvestitionen wissenschaftlich voll auszahlen".

Zu den im Fahrplan identifizierten vorrangigen Projekten gehören das europäische "Extremely Large Telescope", das größte jemals gebaute optische Teleskop; das "Square-Kilometre Array", ein riesiges Radioteleskop; ein vier Meter langes Solarteleskop; das Cherenkov-Teleskoparray (ein Array aus spezialisierten optischen Teleskopen zum Nachweis von Gammastrahlenemissionen von Schwarzen Löchern); ein Unterwasserteleskop zum Aufspüren von subatomaren Teilchen; zwei vorgeschlagene Missionen zur Erforschung des Jupiters und des Saturns sowie ihrer Satelliten.

Der Fahrplan spricht auch die Notwendigkeit an, Studenten dazu zu bewegen, eine Karriere in Wissenschaft und Astronomie zu verfolgen. Dies sei für Europa unverzichtbar, um in diesem Bereich wettbewerbsfähig zu bleiben. Auch sei ein ständiges Angebot von qualifizierten Ingenieuren und Wissenschaftlern über einen langen Zeitraum für den Erfolg künftiger Programme von wesentlicher Bedeutung. Dem Bericht zufolge "bleiben die Wissenschaftler und Forschungsprogramme an nationalen Universitäten und Forschungsorganisationen das Rückgrat der europäischen Astronomie". Im Bericht werden daher mehrere Maßnahmen zur Förderung von wissenschaftlichen und technologischen Berufslaufbahnen in Schulen und Universitäten in ganz Europa vorgeschlagen.

Zu der ASTRONET-Roadmap trugen mehr als 60 ausgewählte Experten aus Europa bei, außerdem kamen Beiträge aus der Gemeinschaft insgesamt. Projekte, die neue Fördermittel von 10 Millionen Euro und mehr aus europäischen Quellen benötigen und über deren Verwendung nach Ende 2008 entschieden wird, waren von besonderem Interesse.

"Die Umsetzung des Fahrplans wird die Rolle Europas in der globalen Astronomie im Rahmen realistischer Haushaltsgrenzen erhalten und stärken", schließt der Bericht.

Das im Jahr 2005 gestartete ASTRONET wurde von der EU mit ungefähr 2,5 Millionen Euro gefördert und soll bis September 2009 laufen. Es handelt sich um ein ERA-Netzwerk unter dem Sechsten Rahmenprogramm (RP6). Das Konsortium wird vom französischen Nationalen Forschungszentrum CNRS (Centre national de la recherche scientifique) koordiniert und umfasst 10 Teilnehmer von wichtigen europäischen Forschungseinrichtungen, unter anderem von der ESO und der Europäischen Weltraumorganisation.

Kontakt:
CNRS - Centre National de la Recherche Scientifique
3, rue Michel-Ange
75794 Paris cedex 16 - France
Tel: +33 1 44 96 40 00
Fax : +33 1 44 96 53 90
E-Mail: samuel.costantin@cnrs-dir.fr

| CORDIS
Weitere Informationen:
http://www.astronet-eu.org/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Ultra-sensitiv dank quantenmechanischer Verschränkung
28.06.2017 | Universität Stuttgart

nachricht Forscher sorgen mit ungewöhnlicher Studie über Edelgase international für Aufmerksamkeit
26.06.2017 | Universität Bremen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das Auto lernt vorauszudenken

Ein neues Christian Doppler Labor an der TU Wien beschäftigt sich mit der Regelung und Überwachung von Antriebssystemen – mit Unterstützung des Wissenschaftsministeriums und von AVL List.

Wer ein Auto fährt, trifft ständig Entscheidungen: Man gibt Gas, bremst und dreht am Lenkrad. Doch zusätzlich muss auch das Fahrzeug selbst ununterbrochen...

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zu aktuellen Fragen der Stammzellforschung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Fraunhofer FKIE ist Gastgeber für internationale Experten Digitaler Mensch-Modelle

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Ultra-sensitiv dank quantenmechanischer Verschränkung

28.06.2017 | Physik Astronomie

Chemisches Profil von Ameisen passt sich bei Selektionsdruck rasch an

28.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Umfangreiche Fördermaßnahmen für Forschung an Chromatin, Nebenniere und Krebstherapie

28.06.2017 | Förderungen Preise