Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Euclid-Beitrag des MPE nimmt nächste Hürde

18.12.2015

Die am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik entwickelte komplexe Optik für das nah-infrarot Instrument NISP an Bord des Euclid Weltraumteleskopes hat den Critical Design Review bestanden und kann nun in die Bauphase eintreten. Mit Hilfe dieses Instrumentes und einer abbildenden Kamera für sichtbares Licht wird der Euclid-Satellit voraussichtlich ab 2020 den Weltraum genauer kartographieren als je zuvor. Die Wissenschaftler werden damit die Entwicklungsgeschichte des Universums noch besser nachverfolgen können und erhalten wertvolle Hinweise auf die rätselhaften Komponenten des Universums, die „dunkle Energie“ und “dunkle Materie“.

Ein Großteil des Universums besteht aus „dunklen“ Komponenten, über die die Astronomen bisher nur über ihre Wirkung auf die sichtbare Materie etwas in Erfahrung bringen können: die „dunkle Materie“ hält aufgrund ihrer zusätzlichen Schwerkraft Galaxien und Galaxien zusammen und ist ein kritischer Bestandteil, dass sich die Strukturen im Universum überhaupt so entwickeln konnten, wie wir das heute sehen; die „dunkle Energie“ sorgt dafür, dass sich das Universum heute beschleunigt ausdehnt. Zusammen tragen diese beiden Komponenten rund 95% zur gesamten Dichte im Universum bei, allerdings ist über ihre Natur bisher nur wenig bekannt.


Künstlerische Darstellung des Euclid-Satelliten, vor einem Hintergrund aus Galaxien.

© ESA


Die am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik entwickelte komplexe Optik für das nah-infrarot Instrument NISP an Bord des Euclid Weltraumteleskopes hat den Critical Design Review bestanden.

© MPE

Ziel der Euclid-Mission der ESA ist es genau diese beiden Unbekannten zu erforschen und zwar insbesondere deren Verteilung im All und ihre Entwicklung über kosmische Zeitskalen hinweg. Hierfür wird Euclid den Weltraum und insbesondere die Galaxien und Galaxienhaufen darin genauer vermessen und kartographieren als je zuvor.

Zwei hochmoderne Instrumente, eine abbildende Kamera für den sichtbaren Teil des Lichts (VIS) und einen nah-infrarot Spektrographen samt Photometer (NIS), werden mit ihrem großen Sichtfeld wertvolle Daten hierfür liefern.

Das Max-Planck-Institut für Extraterrestrische Physik (MPE) ist für die komplexe Optik für das nah-infrarot Instrument NISP an Bord des Euclid Weltraumteleskopes verantwortlich. Die Optik besteht aus vier Linsen von ca. 17cm Durchmesser und wurde in den vergangenen Jahren von einem Team am MPE entwickelt.

Sie wird in Zusammenarbeit mit OHB München und der Carl-Zeiss Jena GmbH realisiert. Im nunmehr bestandenen Review wurden der Optik selbst sowie den Konzepten zur Justierung und zum Nachweis ihrer Bildqualität beste Noten bescheinigt. Somit kann das Projekt nun in die Bauphase eintreten.

„Wir sind schon ein wenig stolz, dass wir als erstes Subsystem für das Instrument erfolgreich unseren CDR abgeschlossen haben“, sagt Dr. Frank Grupp, der verantwortliche optische Architekt des Instruments und deutsche Projektleiter.

„Das heißt aber nicht, dass wir schon am Ende stehen – die Herausforderungen, die dieses sehr komplexe System mit sich bringt, sind enorm. In seiner Größe und Genauigkeit ist es einzigartig; so ein System ist bisher noch nie geflogen.“

Das optische System besteht aus einer Korrektur-Optik sowie der eigentlichen Kamera-Linsen-Anordnung. Dazu kommen Baugruppen für Filter und Gitterprismen, eine Kalibrationseinheit sowie eine Einheit zur thermischen Kontrolle, die dafür sorgt, dass das optische System eine Temperatur von konstant 140K hat.

Ein festes Team mit acht Mitarbeitern am MPE und zum Teil erheblich größere Gruppen bei den Industriepartnern arbeiten seit bis zu sechs Jahren an dem Projekt, das nunmehr seiner Realisierung einen großen Schritt näher gekommen ist.

„Es ist uns gelungen, die Fachleute bei den Raumfahrtagenturen in Frankreich, Italien, Spanien und bei der Europäischen Weltraum Agentur ESA zu überzeugen, dass unser Vorgehen das Richtige ist“, resümiert Frank Grupp. „Unsere bisherigen Versuche haben den Weg für EUCLID und das Instrument geebnet und somit können wir jetzt mit dem tatsächlichen Bau des Systems beginnen.“

Die deutsche Beteiligung an EUCLID wird vom der Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt gefördert.

Kontakt
Frank Grupp
MPI für extraterrestrische Physik
Telefon: +49 (0)89 30000-3956
frank@grupp-astro.de

Hannelore Hämmerle
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
MPI für extraterrestrische Physik
Telefon: +49 (89) 30 000 3980
pr@mpe.mpg.de

Hannelore Hämmerle | MPI für extraterrestrische Physik
Weitere Informationen:
http://www.mpe.mpg.de/6490026/News_20151216

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Der überraschend schnelle Fall des Felix Baumgartner
14.12.2017 | Technische Universität München

nachricht Eine blühende Sternentstehungsregion
14.12.2017 | ESO Science Outreach Network - Haus der Astronomie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunsystem - Blutplättchen können mehr als bislang bekannt

LMU-Mediziner zeigen eine wichtige Funktion von Blutplättchen auf: Sie bewegen sich aktiv und interagieren mit Erregern.

Die aktive Rolle von Blutplättchen bei der Immunabwehr wurde bislang unterschätzt: Sie übernehmen mehr Funktionen als bekannt war. Das zeigt eine Studie von...

Im Focus: First-of-its-kind chemical oscillator offers new level of molecular control

DNA molecules that follow specific instructions could offer more precise molecular control of synthetic chemical systems, a discovery that opens the door for engineers to create molecular machines with new and complex behaviors.

Researchers have created chemical amplifiers and a chemical oscillator using a systematic method that has the potential to embed sophisticated circuit...

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Call for Contributions: Tagung „Lehren und Lernen mit digitalen Medien“

15.12.2017 | Veranstaltungen

Die Stadt der Zukunft nachhaltig(er) gestalten: inter 3 stellt Projekte auf Konferenz vor

15.12.2017 | Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weltrekord: Jülicher Forscher simulieren Quantencomputer mit 46 Qubits

15.12.2017 | Informationstechnologie

Wackelpudding mit Gedächtnis – Verlaufsvorhersage für handelsübliche Lacke

15.12.2017 | Verfahrenstechnologie

Forscher vereinfachen Installation und Programmierung von Robotersystemen

15.12.2017 | Energie und Elektrotechnik