Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erster Ionenstrahl von Mr. Stringer in Jena

30.04.2009
Neuer Teilchenbeschleuniger wird heute (30. April) an der Universität Jena eingeweiht

Sein Name ist JIM - Mr. JIM Stringer, um genau zu sein. Er ist der Neue unter den vier Teilchenbeschleunigern der Universität Jena. Heute (30.04.) wird er im Institut für Festkörperphysik eingeweiht. Die Geschichte des kuriosen Namens kennt Prof. Dr. Carsten Ronning am besten. Schließlich hat er den Beschleuniger von seiner früheren Forschungsstätte in Göttingen mit an die Universität Jena gebracht.

"Ursprünglich war es ein Beschleunigersystem, das aus den beiden Geräten 'Mr. Stringer' und 'Miss MaRPel' bestand", erzählt Ronning. "Wie in den 'Agatha Christie'-Filmen." Später wurden die beiden Geräte getrennt und in Jena erhielt Mr. Stringer seinen Vornamen JIM. Der steht für Jenaer Implanter. Mit ihm wollen die Jenaer Physiker dünne Schichten im Nanometerbereich herstellen. Dazu werden zunächst Ionen erzeugt und beschleunigt.

Sie müssen einen Magneten passieren, der nur Teilchen einer bestimmten Masse hindurchlässt, alle anderen werden herausgefiltert. "Wir haben das Gerät so eingestellt, dass ausschließlich die Kohlenstoffionen weiterkommen", berichtet Prof. Ronning. "Mit diesen Ionen bestrahlen wir anschließend unsere Probe." Die Kohlenstoffionen werden abgebremst und mit niedriger Energie auf die Oberfläche aufgebracht. "So erhalten wir letztendlich eine dünne diamantähnliche Schicht", erläutert der Lehrstuhlinhaber für Experimentalphysik/Festkörperphysik.

"Diese Art von Schichten sind interessante Biomaterialien", weiß Jana Sommerfeld. Sie wird im Rahmen ihrer Promotion in den nächsten drei Jahren mit Mr. JIM Stringer arbeiten und zusammen mit den Materialwissenschaftlern der Universität Jena die Wechselwirkungen der diamantähnlichen Schichten mit biologischen Materialien wie Zellen untersuchen. Zwar ist das Prinzip nicht neu. So wird in der Medizin zum Beispiel bereits entsprechend beschichtetes OP-Besteck eingesetzt. Jedoch wollen die Jenaer Festkörperphysiker die Grenzflächen genauer untersuchen. "Vielleicht können wir durch gezielte Veränderungen der chemischen Zusammensetzung und Struktur die Einsatzmöglichkeiten sogar noch erweitern", hofft Carsten Ronning. Das wird die Arbeit mit dem neuen Beschleuniger in den nächsten Jahren zeigen.

Dass die Arbeit mit Mr. JIM Stringer nun beginnen kann, darauf haben die Wissenschaftler seit fast einem Jahr intensiv hingearbeitet. Zuerst musste der vorgesehene Raum im Jenaer Institut aufwendig umgebaut und aufgerüstet werden. Anschließend haben sie den tonnenschweren Beschleuniger in Einzelteile zerlegt nach Jena transportiert und in akribischer Kleinarbeit wieder zusammengebaut. Jetzt funktioniert er wieder, alle Sicherheitsprüfungen sind abgeschlossen und dem Forschungseinsatz steht nichts mehr im Weg.

Damit wird eine lange, bereits in den 50er Jahren einsetzende Forschungstradition an der Universität Jena fortgeführt. "Zu den schon vorhandenen Beschleunigern LEILA, ROMEO und JULIA stellt Mr. JIM Stringer eine hervorragende Ergänzung dar", weiß Prof. Ronning. "Jetzt decken wir von der niedrig- bis zur hochenergetischen Ionenstrahlphysik das gesamte Spektrum in dem Bereich ab."

Dank Mr. Stringer gehört die Universität Jena nun zur Weltspitze. Eine derartige Beschleunigervielfalt haben weniger als zehn Forschungseinrichtungen auf der ganzen Welt.

Kontakt:
Prof. Dr. Carsten Ronning
Institut für Festkörperphysik der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Helmholtzweg 3, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 947300
E-Mail: carsten.ronning[at]uni-jena.de

Manuela Heberer | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Schnell wachsende Galaxien könnten kosmisches Rätsel lösen – zeigen früheste Verschmelzung
26.05.2017 | Max-Planck-Institut für Astronomie

nachricht 3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind
24.05.2017 | Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften