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Ein blauer Strudel im Fluss Eridanus - Turbulente Vorgänge in einer friedlichen Galaxie

01.08.2012
Bildveröffentlichung der Europäischen Südsternwarte (Garching) - Ein neues Bild, aufgenommen mit dem Very Large Telescope der ESO, zeigt die beeindruckende Spiralgalaxie NGC 1187.
Diese Galaxie befindet sich in etwa 60 Millionen Lichtjahren Entfernung im Sternbild Eridanus (Fluss Eridanus). In den letzten 30 Jahren wurden in NGC 1187 zwei Supernovaexplosionen beobachtet, zuletzt im Jahr 2007. Das hier vorgestellte Bild ist die detaillierteste Aufnahme dieser Galaxie überhaupt.

Wir blicken in der neuen VLT-Aufnahme fast genau von oben auf die Galaxie NGC 1187 [1], so dass ihre Spiralstruktur gut zu erkennen ist. Etwa ein halbes Dutzend größerer Spiralarme sind zu sehen. Jeder von ihnen enthält große Mengen Gas und Staub. Die bläulichen Knoten zeigen Regionen innerhalb der Spiralarme an, in denen im Inneren großer Gaswolken junge Sterne geboren wurden.

Der Zentralbereich der Galaxie leuchtet dagegen eher gelblich. Hier befinden sich neben Gas und Staub hauptsächlich ältere Sterne. NGC 1187 besitzt einen zentralen Balken, der allerdings nicht besonders deutlich ausgeprägt ist. Derartige Strukturen dürften bewirken, dass Gas aus den Spiralarmen in den Zentralbereich strömt und dort verstärkt Sterne entstehen.

Auch eine Reihe schwächerer und weiter entfernter Galaxien sind auf diesem Bild zu sehen. Einige davon leuchten sogar durch die Scheibe von NGC 1187 hindurch. Ihr rötliches Glimmen steht in interessantem Kontrast zum blauweißen Leuchten der Sternhaufen in der viel näher gelegenen Vordergrundgalaxie.

NGC 1187 sieht auf den ersten Blick beschaulich und unveränderlich aus. Seit 1982 wurden dort jedoch bereits zwei Supernovae beobachtet. Eine Supernova ist eine gewaltige Explosion, die das Ende des Lebens entweder eines massereichen Sterns oder aber eines Weißen Zwergsterns in einem Doppelsternsystem markiert [2]. Supernovae gehören zu den energiereichsten Ereignissen im Universum und können so hell werden, dass sie für kurze Zeit sogar eine ganze Galaxie überstrahlen. Anschließend verblassen sie über einen Zeitraum von Wochen und Monaten wieder. Während der kurzen Zeit, in der sie leuchten, können sie jedoch so viel Energie abstrahlen wie unsere Sonne während ihrer gesamten Lebenszeit.

Im Oktober 1982 wurde am La Silla-Observatorium der ESO die erste Supernova in NGC 1187 entdeckt: SN 1982R [3]. Im Jahr 2007 beobachtete dann der Amateurastronom Berto Monard von Südafrika aus eine weitere Supernova in dieser Galaxie: SN 2007Y. Ein Astronomenteam hat diese Supernova mit verschiedenen Teleskopen über einen Zeitraum von etwa einem Jahr untersucht [4]. Das hier gezeigte Bild der Galaxie NGC 1187 stammt aus dieser Beobachtungskampagne. Obwohl der Zeitpunkt ihrer größten Helligkeit schon lange zurückliegt, ist die Supernova am unteren Bildrand nach wie vor zu erkennen.

Die Rohdaten für dieses Bild wurden mit dem FORS1-Instrument am Very Large Telescope der ESO am Paranal-Observatorium in Chile gewonnen.

Endnoten

[1] Die Galaxie wurde im Jahr 1784 von William Herschel in England entdeckt.

[2] Der erste Typ von Supernovaexplosion besiegelt das Ende eines Sterns mit mehr als etwa acht Sonnenmassen. Hat ein solcher Stern seinen Vorrat an nuklearem Brennstoff erschöpft, kann er dem gravitativen Kollaps nichts mehr entgegensetzen. Eine gewaltige Explosion ist die Folge. Ein anderer Typ Supernova tritt in Doppelsternsystemen auf, in denen ein Weißer Zwergstern, der aus Kohlenstoff und Sauerstoff besteht, Materie von seinem massereicheren Begleiter abzieht. Hat der Weiße Zwerg eine bestimmte Menge an zusätzlichem Material angesammelt, dann explodiert er als Supernova.

[3] Die Internationale Astronomische Union benennt Supernovae nach der Reihenfolge ihrer Entdeckung. Der Name wird aus dem Jahr der Entdeckung gebildet, gefolgt von einem oder zwei Buchstaben. Die ersten 26 Supernovae eines Jahres erhalten einen Großbuchstaben von A bis Z, alle weiteren Supernovae dieses Jahres je zwei Kleinbuchstaben.

[4] Weitergehende Informationen zu SN 2007Y befinden sich im Fachartikel von Stritzinger et al. unter http://arxiv.org/pdf/0902.0609v2.pdf

Zusatzinformationen

Der FOcal Reducer and low dispersion Spectrograph (kurz FORS, wörtlich "Brennweitenreduzierer und niedrigauflösender Spektrograf") ist das vielseitigste Instrument des Very Large Telescope. Die Kombination aus astronomischer Kamera und Spektrograf wurde gemeinsam von den Universitätssternwarten in Heidelberg, Göttingen und München und der ESO entwickelt und gebaut.

Im Jahr 2012 feiert die Europäische Südsternwarte ESO (European Southern Observatory) das 50-jährige Jubiläum ihrer Gründung. Die ESO ist die führende europäische Organisation für astronomische Forschung und das wissenschaftlich produktivste Observatorium der Welt. Getragen wird die Organisation durch ihre 15 Mitgliedsländer: Belgien, Brasilien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Italien, die Niederlande, Österreich, Portugal, Spanien, Schweden, die Schweiz, die Tschechische Republik und das Vereinigte Königreich. Die ESO ermöglicht astronomische Spitzenforschung, indem sie leistungsfähige bodengebundene Teleskope entwirft, konstruiert und betreibt. Auch bei der Förderung internationaler Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Astronomie spielt die Organisation eine maßgebliche Rolle. Die ESO betreibt drei weltweit einzigartige Beobachtungsstandorte in Nordchile: La Silla, Paranal und Chajnantor. Auf dem Paranal betreibt die ESO mit dem Very Large Telescope (VLT) das weltweit leistungsfähigste Observatorium für Beobachtungen im Bereich des sichtbaren Lichts und zwei Teleskope für Himmelsdurchmusterungen: VISTA, das größte Durchmusterungsteleskop der Welt, arbeitet im Infraroten, während das VLT Survey Telescope (VST) für Himmelsdurchmusterungen ausschließlich im sichtbaren Licht konzipiert ist. Die ESO ist der europäische Partner für den Aufbau des Antennenfelds ALMA, das größte astronomische Projekt überhaupt. Derzeit entwickelt die ESO ein Großteleskop der 40-Meter-Klasse für Beobachtungen im Bereich des sichtbaren und Infrarotlichts, das einmal das größte optische Teleskop der Welt werden wird, das European Extremely Large Telescope (E-ELT).

Die Übersetzungen von englischsprachigen ESO-Pressemitteilungen sind ein Service des ESO Science Outreach Network (ESON), eines internationalen Netzwerks für astronomische Öffentlichkeitsarbeit, in dem Wissenschaftler und Wissenschaftskommunikatoren aus allen ESO-Mitgliedsstaaten (und einigen weiteren Ländern) vertreten sind. Deutscher Knoten des Netzwerks ist das Haus der Astronomie in Heidelberg.

Kontaktinformationen

Carolin Liefke
ESO Science Outreach Network - Haus der Astronomie
Heidelberg, Deutschland
Tel: 06221 528 226
E-Mail: eson-germany@eso.org

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Garching bei München, Germany
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Handy: +49 151 1537 3591
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Carolin Liefke | ESO Science Outreach Network
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